Ausbildungsmarkt : Noch Lehrstellen zu haben

Immer mehr Bewerber finden eine Lehrstelle, doch längst nicht alle. Obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, ist der Einstieg über Betriebspraktika noch möglich.

Vom Ausbildungsmarkt gibt es in diesem Herbst eher gute Nachrichten: Deutlich mehr Bewerber als 2006 haben eine Lehrstelle gefunden. Trotzdem waren nicht alle, die sich bemüht haben, erfolgreich. Obwohl das neue Ausbildungsjahr schon begonnen hat, sollten sie den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Denn die Chance, dass sie noch einen Betrieb finden, ist vergleichsweise hoch. Möglicherweise müssen sie aber mit einer „Einstiegsqualifizierung“ – einer Art Betriebspraktikum – vorlieb nehmen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg gab es zuletzt rund 29 100 unvermittelte Bewerber und 18 400 noch freie Stellen. Daraus ergibt sich rein rechnerisch eine Zahl von 10 700 jungen Leuten, die ohne Ausbildungsvertrag dastehen. Zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es noch mehr als 23 000 gewesen.

Was sollten bisher erfolglose Bewerber tun? „Sie erhalten in der Regel automatisch eine Einladung zur gemeinsamen Nachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern“, sagt Friedrich Hubert Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Berlin. Wer keine bekommt, sollte beim Berater in der örtlichen Arbeitsagentur nachfragen.

Die Nachvermittlung findet oft auf „Ausbildungsbörsen“ statt, erklärt Tanja Nackmayr von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Dort sind in vielen Fällen die Unternehmen vertreten, die freie Plätze haben. „Dann kann man direkt den Kontakt herstellen.“ Vielversprechend ist auch, wenn Bewerber in Betrieben ihrer Wahl vorsprechen. Das kann auch deshalb sinnvoll sein, weil sich bis zum Jahreswechsel auf dem Ausbildungsmarkt noch viel tut, sagt BA-Sprecherin Ilona Mirtschin: „In den ersten drei Monaten eines Ausbildungsjahres werden 20 bis 25 Prozent der Verträge wieder aufgelöst.“

Führen die Bemühungen nicht direkt zu einem Ausbildungsplatz, klappt es vielleicht mit einer Einstiegsqualifizierung – kurz EQJ genannt – bei einem Betrieb. Sie kann laut Mirtschin sechs bis zwölf Monate dauern und wird von der BA gefördert. „Man kriegt pro Monat einen Zuschuss von knapp 200 Euro, die Sozialversicherungsbeiträge werden übernommen“, erläutert Tanja Nackmayr. Bis zu 40 000 solcher EQJ-Plätze sollen in diesem Jahr angeboten werden.

Ziel der Qualifizierung ist es, die Teilnehmer für die Ausbildung fit zu machen – die anschließend bestenfalls im selben Betrieb begonnen wird. Unter Umständen wird die EQJ-Phase als Ausbildungszeit gewertet. Zuletzt habe sich die Maßnahme als erfolgreiche „Brücke in die Ausbildung“ erwiesen, sagte Nackmayr: Von den Teilnehmern des Vorjahres hätten knapp 70 Prozent einen Ausbildungsplatz gefunden. Florian Oertel, dpa

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