Auslandsaufenthalt : Mobil mit Leonardo

Wer mit Praktikum in Frankreich, Schweden oder Spanien liebäugelt, muss sich vor den Kosten nicht scheuen. Denn die EU unterstützt den Aufenthalt im Ausland - für Azubis, Gesellen und Arbeitnehmer.

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Heute müssen Gesellen nicht unbedingt auf die Walz gehen, um sich in fremden Handwerksbetrieben auszuprobieren. Das klappt auch mit dem Förderprogramm der EU.
Heute müssen Gesellen nicht unbedingt auf die Walz gehen, um sich in fremden Handwerksbetrieben auszuprobieren. Das klappt auch...Foto: Armin Weigel dpa/lby

Innovative Azubis gehen während ihrer Ausbildung ins Ausland – und lassen sich dafür von der Europäischen Union fördern. Im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Förderprogramms für die berufliche Bildung können Auslandspraktikanten bis zu 80 Prozent ihrer Kosten über ein Stipendium abdecken. „Das Interesse an geförderten Auslandspraktika ist in den letzten Jahren gestiegen“, sagt Susanne Boy, Mobilitätsberaterin bei der Berliner Handwerkskammer.

„Aber es könnten ruhig mehr sein.“ Denn nicht nur Azubis können sich für ein Stipendium im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Programms bewerben, auch Gesellen, Ausbilder und Arbeitnehmer haben Anspruch auf Förderung. „Jetzt gehen zum Beispiel Friseure aus Berlin für eine Woche nach London, um sich dort mit ihren Kollegen über Ausbildungsideen auszutauschen und voneinander zu lernen“, sagt Boy und erzählt dann von einem Elektrotechniker, der noch zwölf Jahre bis zur Rente hat und sich für einen Auslandsaufenthalt als Motivationsschub entschieden hat – mit Erfolg.

„Auslandsaufenthalte erweitern den Horizont, sowohl bei denen, die den Austausch machen, als auch bei den Betrieben, wo sie ihre Erfahrungen einbringen“, erklärt Boy. „Wobei es nicht unbedingt nötig ist, dass man die Landessprache beherrscht. Gerade im Handwerk geht vieles über Hände und Füße.“ Azubis werden im Leonardo-Programm in Form eines Hauptstipendiums gefördert, das Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung abdeckt. Die Höhe variiert je nach Zielland und richtet sich nach den jeweiligen Lebenshaltungskosten.

So bekommt man etwa für ein dreiwöchiges Praktikum in Polen 506 Euro Förderung und für drei Wochen in Norwegen 959 Euro. Hinzu kommen maximal 315 Euro für einen sprachlichen und interkulturellen Vorbereitungskurs. Voraussetzung ist, dass man ein bestehendes Ausbildungsverhältnis mit einem anerkannten Ausbildungsbetrieb hat, die Zustimmung des Betriebs und der Berufsschule einholt, bei der Ausreise mindestens 18 Jahre alt ist und sich in seiner Erstausbildung befindet.

Neben den Mobilitätsberatern der Handwerkskammer und der IHK ist auch die Webseite letsgoazubi.de eine gute Anlaufstelle für Azubis, die sich über einen Lehrlingsaustausch oder Auslandspraktika im europäischen Ausland informieren möchten. Hier gibt es neben vielen Fakten auch Erfahrungsberichte zu lesen. Gesellen haben ebenfalls die Möglichkeit, als junge Fachkräfte für Auslandspraktika bis zu sechs Monate von der Europäischen Union finanziell gefördert zu werden.

„Bisher war das auch Teil des Leonardo-da-Vinci-Programms, aber ab 2014 wird das Programm geändert“, sagt Susanne Boy. Im Prinzip würde sich aber nicht viel ändern. In Zukunft werden Azubis dann über das Programm „Erasmus Plus“ gefördert. „Ein anderer Fördertopf mit einem neuen Namen“, so Boy. „Aber wer sich jetzt noch für Leonardo da Vinci bewirbt, kann sein Praktikum auch erst 2014 machen.“ Somit steht einem Auslandsaufenthalt eigentlich nichts im Weg – man braucht nur ein wenig Mut.

Mobilitätsberatung der Handwerkskammer Susanne Boy Telefon: 030/259 03 - 338 s.boy@hwk-berlin.de

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