Bei Anruf Job : Headhunter begrüßen Initiativbewerbungen

Eigeninitiative sehen Personaldienstleister gerne. Doch Bewerber sollten sich perfekt vorbereiten.

Ruth Lemmer

Der Automanager aus Stuttgart wollte sich beruflich verändern, weiter in den Süden zog es ihn. Zehn Jahre Berufserfahrung hatte er vorzuweisen, als seine Unterlagen beim Personaldienstleister Robert Half International in München ankamen. Im Anschreiben brachte er seine beruflichen Interessen und seine Flexibilität auf den Punkt, der Lebenslauf klang schlüssig. Das nötige Quäntchen Glück führte zum Erstgespräch mit Berater Darren Payne. Denn der hatte schon eine passende Position im Kopf. Nach nur fünf Wochen hielt der Wechselhungrige einen neuen Arbeitsvertrag in seiner Hand – in der Softwarebranche.

Diese Initiativbewerbung hatte besonders schnell Erfolg. So glatt geht es zwar nicht immer, wenn sich Fach- und Führungskräfte selbst nach einem attraktiveren Job umsehen. Aber Eigeninitiative sehen Headhunter durchaus gerne. Die Zeiten sind vorbei, in denen es ein Nachteil war und ein Geschmäckle hatte, sich selbst ins Gespräch zu bringen.

„Ich kann Initiativbewerbungen definitiv empfehlen“, sagt Darren Payne, inzwischen Leiter der Niederlassung von Robert Half International in Wien. Gerade jetzt, wo sich wieder lukrative Jobs auftun und die Angst vor dem Jobwechsel weicht, ist die Zeit dafür richtig. „Das Karussell dreht sich wieder“, so Payne.

Der Vermittlungsexperte stellt aber noch im gleichen Atemzug Bedingungen: Initiativbewerber müssen fachlich sehr gut sein und zum Geschäftsfeld des angesprochenen Personalberaters passen. „Erweist sich der Kandidat im Erstgespräch als geeignet“, so der Spezialist für Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen, „ist die Quelle seiner Bewerbung eigentlich egal.“

Wenn ein Kandidat passt, ist Payne ganz Ohr. Denn er persönlich bevorzugt einen Erstkontakt per Telefon. Doch es gibt auch Berater, die Mails bevorzugen, so wie Marc Altmeyer, Gesellschafter bei der Berliner Personalberatung C.PM. Wohl auch deshalb, weil er täglich rund 20 Initiativbewerbungen erhält. „Die wollen parallel zum Tagesgeschäft bearbeitet werden“, sagt Altmeyer – und wirbt auch deshalb um Verständnis, dass „nach fünf Minuten klar sein muss, ob der Bewerber gut ist und zu unseren Schwerpunkten passt“. Für die Bewerbung gelten die klassischen Regeln. Im Idealfall mailt der Bewerber eine klar strukturierte Mappe mit knackigem Anschreiben, knappem Lebenslauf und einem hochwertigen Foto. Das gilt für Berufseinsteiger wie für erfahrene Fach- und Führungskräfte.

Am Telefon – ob beim Erstkontakt durch den Bewerber oder beim Beraterrückruf – muss der Kandidat alles parat haben. „Das besondere Können muss wie aus der Pistole geschossen kommen“, verlangt auch Susanne Hill, Geschäftsführerin der Bonner Unternehmensberatung Dr. Scheuten & Hill. „Die Bezeichnung ,Marketingleiter’ reicht nicht aus, auch der jeweilige Arbeitsschwerpunkt muss mit genannt werden.“ Weniger ist sie dagegen an weitschweifigen Ausführungen zum Lebenslauf interessiert.

Headhunterin Hill rät dringend, „die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen“. Denn Personalberater recherchieren, bevor sie Zeit in einen potenziellen Kandidaten investieren: in Datenbanken und Jobbörsen, in Projektnetzwerken und Unterlagen von Fachkonferenzen. Der Name eines Initiativbewerbers sollte dort in professionellem Zusammenhang, etwa als Fachmann oder Redner, auftauchen.

Wer nicht aktuell sucht, kann Kontakte zu Personalberatern entspannter anbahnen. Doch sollte es nicht auf Kosten von Professionalität gehen, wenn sich ein Bewerber vorsorglich und mittelfristig für höhere Weihen empfehlen will. Denn auch für den Platz in der Datenbank gilt es, knackige und informative Eigenwerbung zu betreiben. „Es klappt nicht immer von heute auf morgen“, sagt Personalberater Marc Altmeyer. „Aber Initiativbewerber aus unserer Datenbank haben wir schon häufiger positionieren können.“ Ruth Lemmer (HB)

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