Karriere : Bei Bio gut beraten

Öko-Produkte stehen hoch im Kurs. Für Jobs rund um Naturkost, Ernährung und Gesundheit machen Weiterbildungen fit

Viola Zech

Die Biobranche boomt: Seit Jahren wächst der Gesamtumsatz mit Biolebensmitteln in Deutschland zweistellig – im Jahr 2006 um rund 15 Prozent von 3,9 Milliarden auf 4,5 Milliarden Euro. Doch verbessern sich auch die Berufsaussichten in diesem Bereich? „Gerade große Biosupermarktketten suchen händeringend Fachpersonal“, sagt Katja Niedzwezky vom Bundesverband Naturkost, Naturwaren, Herstellung und Handel. Zahlreiche Stellenangebote großer Bioketten im Internet bestätigen den Trend. Und auch die Weiterbildungsträger ziehen mit ihren Angeboten nach.

Verschiedene Kurse im Bereich Naturkost, Ernährung und Gesundheit bietet in Berlin zum Beispiel das Forum Berufsbildung an. Darunter auch Fernlehrgänge, die jederzeit begonnen und von zu Hause aus absolviert werden können. Einer davon ist die Weiterbildung zum Naturkostfachberater: Dabei werden Warenkunde, vollwertige Ernährung und Gesundheitsthemen wie etwa Allergien und Fasten behandelt. Beim „Gesundheitsberater“ dagegen stehen neben Vollwerternährung und Gesundheit auch Themen wie Stressbewältigung, Sport, Bewegung und Abnehmen auf dem Programm. Beide Kurse können berufsbegleitend mit einem Arbeitsaufwand von etwa zehn Stunden pro Woche belegt werden. Eine Förderung durch die Agentur für Arbeit oder einen Rententräger ist möglich.

Vorkenntnisse muss man nicht mitbringen. Allerdings: „Viele Teilnehmer kommen aus dem Naturkosteinzelhandel“, berichtet Studienleiterin Jutta Kordes. „Aber es gibt auch Teilnehmer aus ganz anderen Berufssparten, die in den Bereich Naturkost und Gesundheit umsteigen möchten.“

Neben Fernlehrgängen bietet das Forum Berufsbildung auch Präsenzschulungen an, etwa die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel Naturkost (IHK). Inhalte sind unter anderem Warenverkaufskunde, BWL, Rechnungswesen sowie Fachkunde über Naturkosthandel und ökologische Landwirtschaft.Bestandteil der knapp zweijährigen Ausbildung ist außerdem ein sechsmonatiges Praktikum in einem Naturkostladen oder einem Biomarkt. Oft wird dies als eine Art Probezeit gesehen und „die Chancen, dass der Bioladen den Praktikanten übernimmt, stehen gut“, macht Elisabeth Pfeiffer vom Forum Berufsbildung Interessenten Mut.

An Menschen mit kaufmännischer Berufserfahrung richtet sich schließlich die Weiterbildung zur Naturkostfachkraft, die acht Monate dauert: In drei Modulen werden Grundlagen des Einzelhandels, Lebensmittelwarenkunde und Warenkunde im sogenannten Non-Food-Bereich, etwa zu frei verkäuflichen Arzneimitteln, gelehrt. Wer hier Bescheid weiß, ist nach Ansicht von Elisabeth Pfeiffer am Markt gefragt: „Naturkost ist eine Wachstumsbranche. Viele Bioläden suchen deshalb nach Personal, das sich im Bereich Warenkunde Naturkost gut auskennt.“

In eine etwas andere Richtung geht ein Kurs des Bildungsträgers Campus Naturalis: In der Ausbildung zum Ayurveda Gesundheits- und Ernährungsberater beschäftigen sich die Teilnehmer mit der gleichnamigen altindischen „Lebenswissenschaft“ (Ayur = Leben, Veda = Wissen). „Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Konstitution und ein besonderes Verdauungssystem, auf das der Ayurveda Gesundheits- und Ernährungsberater genau eingeht“, erklärt Alexandra Müller-Benz, Leiterin des Campus Naturalis die Herangehensweise. Alle Lebensumstände des Menschen werden in die Beratung einbezogen; Fragen nach der Essens- und Schlafenszeit sind genauso wichtig wie die Essgewohnheiten selbst. Der Berater soll den Patienten in langsamen Schritten zur ayurvedischen Ernährungslehre hinführen, „denn eine Ernährungs- und Lebensumstellung nach Ayurveda kann erst einmal sehr ungewohnt sein“, sagt Alexandra Müller-Benz. Reinigungsrituale am Morgen spielen beispielsweise eine wichtige Rolle. So beginnt der Tag mit dem Trinken heißen Wassers, dem Reinigen der Zunge und dem Ausspülen des Mundes mit Öl.

Ayurvedische Vorkenntnisse sind für die neunmonatige Ausbildung, die sich gut mit einem Beruf vereinbaren lässt, nicht erforderlich. Allerdings sollten Interessenten einen medizinischen Ursprungsberuf haben oder sich mit der menschlichen Anatomie und Physiologie auskennen.

Auch das Berliner Fachinstitut für Informatik und Grafikdesign (FIGD) bietet mit seinem „Berater für Ernährung und Wellness“ eine Weiterbildung für die Branche an – und das, obwohl der Name des Instituts eigentlich auf eine andere Spezialisierung schließen lässt. Aber: „Die Nachfrage nach fachkompetentem Personal im Bereich Ernährung und Wellness hat stark zugenommen“, erklärt Manuela Krauß, Leiterin des FIGD. Daher habe man auch diese Weiterbildung ins Angebot aufgenommen.

Der Kurs findet in Vollzeit statt und ist in fünf Blöcke gegliedert. Zunächst stehen EDV-Grundlagen, Projektmanagement, Kundenbetreuung und Vertrieb auf dem Programm. In den folgenden sechs Monaten geht es um Ernährung, Wellness und Fitness. Zum Schluss wird Wirtschaftsenglisch gepaukt. Auch beim FIGD ist ein dreimonatiges Praktikum in den Kurs integriert. Und: „Die Chancen, von der Agentur für Arbeit oder einem Renten- oder Kostenträger gefördert zu werden, sind sehr gut“, so Manuela Krauß. Sie müssten allerdings in jedem individuellen Fall geprüft werden.

Ziel des Kurses ist es, ernährungs- und sportwissenschaftliche Grundlagen zu vermitteln und zu klären, wo es anschließend hingehen soll: „An die Weiterbildung kann sich ein Studium in den Bereichen Ökotrophologie, Sportwissenschaften oder Ähnliches anschließen“, zählt Manuela Krauß auf. „Viele Teilnehmer entscheiden sich auch für eine berufliche Perspektive in Richtung Fitness.“

Die Universität Potsdam bietet dieses Wintersemester erstmals sowohl einen Bachelor- als auch einen Masterstudiengang Ernährungswissenschaft an. Mit dem Bachelor kann man sich für die Arbeit als Ernährungswissenschaftler oder für Trainee-Programme der Industrie qualifizieren – oder aber den Master hinterherschieben.

Der will für die Arbeit in Forschung und Entwicklung fit machen, etwa in der Industrie oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Zugelassen werden nicht nur Studenten mit einem Bachelor in Ernährungswissenschaft, sondern auch Interessenten mit einem naturwissenschaftlichen Erststudium, beispielsweise Biochemie. „Die Bachelor- oder Diplomarbeit sollte aber einen Bezug zur Ernährungswissenschaft haben“, sagt Gerhard Püschel, Leiter der Abteilung Biochemie der Ernährung, von der Universität Potsdam.

Will ein Ernährungswissenschaftler mit den Krankenversicherungen zusammenarbeiten, ist außerdem ein von den Kassen anerkanntes Zertifikat erforderlich. „Nur beim Vorliegen dieses Zertifikates übernehmen die Krankenkassen einen Teil der Ernährungsberatungskosten“, sagt Elvira Krebs, Geschäftsführerin des Verbands der Oecotrophologen. Die Berufsaussichten für selbstständige Ökotrophologen mit Zertifikat seien daher vergleichsweise gut.

Bei den von den Kassen anerkannten Nachweisen handelt es sich unter anderem um das VDOE-Zertifikat, das vom Verband der Oecotrophologen vergeben wird, und um das Zertifikat der DGE, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Beide Bescheinigungen können nach einem Hochschulstudium im Bereich Ökotrophologie oder Ernährungswissenschaft durch entsprechende Seminare erworben werden.

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