Karriere : Beim Geld gut beraten

Vermögensberatung ist ein Job für Quereinsteiger; in Lehrgängen lernt man das nötige Know how. Für Versicherungsvermittler ist außerdem die IHK-Sachkundeprüfung Pflicht

Verena Wolff (dpa),Silke Zorn

Sparbücher oder ein Bündel Scheine unter der Matratze sind schon lange nicht mehr die bevorzugten Anlageformen der Deutschen. Wertpapiere etwa versprechen mehr Gewinn. Doch Aktien, Anleihen, Versicherungen und Zinsmodelle sind eine schwierige Materie – Vermögensberater die Experten dafür. Ihr Geschäft ist das Begutachten und im Optimalfall auch das Vermehren von Geld und Geldanlagen. Eine klassische Ausbildung für den Beruf gibt es nicht. Gute Chance haben deshalb Quereinsteiger, die sich in der Materie weitergebildet haben.

„Ein Vermögensberater geht systematisch vor“, beschreibt Werner Hussong, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater in Frankfurt, das Berufsbild. Ausgangspunkt der privaten Finanzplanung sei die Bestandsaufnahme der Einnahmen und Ausgaben, des verfügbaren und investierten Vermögens sowie der Absicherungen gegen bestimmte Risiken. „Sie analysieren, strukturieren und verbessern die finanziellen Verhältnisse ihrer Kunden.“

Fachkompetenz ist dabei natürlich unerlässlich: Ganzheitlich und individuell sollte die Beratung sein, sagt Hussong. „Finanz- und Vermögensfragen, Risikoabsicherungen und Altersvorsorge sind komplexe Dienstleistungsbereiche.“ Man muss sich nicht nur im gesetzlichen Sozialsystem, sondern zum Beispiel auch mit der privaten Absicherung und der Altersvorsorge auskennen – und das Know-how ständig auf dem neuesten Stand halten, weil sich immer wieder etwas ändert.

„Grundsätzlich kann jeder mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung Vermögensberater werden“, sagt Peter Tauber, Sprecher der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in Frankfurt. Dort arbeiteten neben Akademikern etwa auch Handwerker in dem Beruf. Möglich sei dies durch „umfassende Aus- und Weiterbildung.“ Auch Werner Hussong bestätigt, dass die bisherige berufliche Tätigkeit für den Einstieg nicht entscheidend sei; unabdingbar sei aber eine solide Fachausbildung.

Dabei haben sich nach Ansicht der Experten vor allem betriebliche Trainingsprogramme bewährt. „Darüber hinaus gibt es IHK-Lehrgänge, Studienkreise oder eine Qualifikation mittels Studium oder Fernstudium“, sagt Hussong. Viele Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien bieten Studiengänge mit dem Schwerpunkt Finanzen an. So gibt es etwa an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn einen Diplom-Betriebswirt mit dem Schwerpunkt „Finanzdienstleistungen“, den die Absolventen mit Diplom und Wirtschaftsberaterlizenz abschließen. An anderen Hochschulen wird zunächst Wirtschaft auf den Bachelor hin studiert. Dabei gibt es Schwerpunkte wie „Finanz- und Rechnungswesen“ in Bremen, „Finanz- und Anlagemanagement“ in Brühl, „Insurance and Finance“ in Wiesbaden oder „Finanzdienstleistungsmanagement“ in Eichstätt.

An der Berufsakademie Berlin – die als Fachbereich in die Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) integriert ist – kann man sich in dem dualen Bachelorstudiengang „BWL/Bank“ für einen Einsatz in Kreditinstituten oder der Finanzwirtschaft fit machen. Im FWH-Mastersstudiengang „International Management“ können Teilnehmer den Studienschwerpunkt auf „International Finance und Accounting“ legen, um sich so für Führungspositionen in international aufgestellten Unternehmen zu empfehlen.

Bei der DVAG dagegen starten die Bewerber gleich in den Job: In einer Grundausbildung bekommen sie das nötige Basiswissen vermittelt – bei gleichzeitiger praktischer Berufseinführung. Unabhängige Institutionen wie das Berufsbildungswerk Vermögensberatung (DBBV) prüfen das Wissen; dort kann man auch ein IHK-Zertifikat zum Vermögensberater erwerben.

Wer im Rahmen der Finanzberatung auch Versicherungen vermitteln will, sollte bedenken, dass dafür seit Mai dieses Jahres eine sogenannte Sachkundeprüfung vor der IHK erforderlich ist. Die Grenzen zwischen Beratung und Vermittlung sind dabei nicht immer leicht zu ziehen: Entscheidend ist, ob das Kundengespräch letztlich auf einen Vertragsschluss ausgerichtet ist. Von der Sachkundeprüfung befreit sind Kandidaten, die sich bereits in Studium oder Beruf ausreichend qualifiziert haben. Das gilt etwa für Juristen, Bank- oder Versicherungskaufleute, aber zum Beispiel auch für diejenigen, die sich zum Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) weitergebildet haben (siehe Kasten) und eine kaufmännische Ausbildung mitbringen.

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