Beruf : Schwangerschaft, Elternzeit, Karriereknick

Laut einer Studie werden Frauen bei betrieblicher Weiterbildung benachteiligt. Die Politik ist Schuld, sagen Arbeitgeber.

 Saskia Weneit
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An die Hand. Politische Anreize halten Frauen in Elternzeit. Foto: ddpddp

Ab 30 geht es bergab. Mit der Karriere zumindest. Pauschal gesagt. Denn: Frauen werden Schwanger oder könnten es demnächst vorhaben. Eine jüngst veröffentlichte Studie beschäftigte sich nun mit den Zusammenhängen zwischen Elternzeit und betrieblicher Weiterbildung von Frauen. Ergebnis: Benachteiligung. Die Arbeitsökonomen Patrick Puhani und Katja Sonderhof von der Universität Hannover analysierten die Auswirkungen der dreijährigen Elternzeit auf die Weiterbildungsaktivitäten von Müttern und jungen Frauen ohne Kinder. Der vom Institut zur Zukunft der Arbeit veröffentlichten Studie zufolge ist seit der Ausweitung der Elternzeit von 18 auf 36 Monate im Jahr 1992 die Weiterbildung beider Gruppen stark zurückgegangen im Vergleich zu älteren Frauen oder Männern generell. „Die Gesellschaft stellt Frauen vor die Wahl Familie oder Karriere. Dabei müssten mehr Anreize geschaffen werden, damit Frauen im Berufsleben bleiben“, sagt Puhani. Er sieht das weibliche Geschlecht diskriminiert bei betrieblicher Weiterbildung. Besonders alarmierend sei, dass nicht nur Mütter, sondern auch kinderlose Frauen im gebährfähigen Alter ausgeschlossen würden.

Puhani und Sonderhof gingen in ihrer Analyse von Gesetzesänderungen von 1992 aus. Sie bezweifeln, dass weder bisherige politische Maßnahmen noch geplante wie das Betreuungsgeld sinnvoll sind, um gegen zu steuern. „Die Reformen von 2001, nach denen beide Elternteile gleichzeitig Elternzeit nehmen und dabei in Teilzeit arbeiten können, sowie die Reform von 2007, die finanzielle Anreize bietet, dass auch Väter Elternzeit beanspruchen, dürften hier nur einen geringen Ausgleich geschaffen haben“, schließen die Arbeitsökonomen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann die Ergebnisse der Studie nicht nachvollziehen. Zudem seien die Schlüsse durch den Bezug auf 1992 nicht auf heute übertragbar. Zwar seien die negativen Auswirkungen langer Erwerbsausstiege auf die beruflichen Chancen von Frauen bekannt. „Wichtiger sind aber der über drei Jahre wirksame Kündigungsschutz und die Teilzeitmöglichkeiten der Eltern“, heißt es aus dem Ministerium. Außerdem wird die flexible Handhabe gelobt, bezüglich des Wiedereinstiegs und einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung von Familie und Beruf für die Mütter und Väter. Zudem gebe es Fortschritte familienfreundlicher Familienpolitik in Unternehmen: der Anteil der Unternehmen, die ihren Beschäftigten während der Elternzeit Weiterbildungsprogramme bieten, sei von 5,3 Prozent im Jahr 2003 auf 14,8 Prozent im Jahr 2006 gestiegen.

Bei Verdi hingegen ist man nicht überrascht von dem Fazit der Studie. „Frauen sind bei der betrieblichen Weiterbildung unterrepräsentiert“, sagt eine Sprecherin. Sie rät Frauen, die den beruflichen Anschluss nicht verlieren wollen, nach einem Jahr Elternzeit wieder in den Betrieb zurück zu kehren. Und nachzufragen, ob Urlaubs- oder Krankenvertretungen gemacht werden könnten in der Elternzeit, oder ob in Teilzeit gearbeitet werden könne. Doch auch wenn Arbeitgeber willig seien, die Frauen im Betrieb zu halten – die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten nicht. Stichwort Kinderbetreuungsplätze. Und hier sei die Politik gefragt – die die heutigen gesellschaftlichen Mängel schließlich mit verursacht hätte.

Noch immer sind es die Frauen – trotz Vätermonaten – die den Löwenanteil der Elternzeit in Anspruch nehmen. Und die Politik sei in der Pflicht die nötige Infrastruktur zu bieten, damit Frauen die Rückkehr in den Beruf erleichtert werde, sagt die Verdi-Sprecherin. Im Gegensatz zu Puhani und Sonderhof spricht sie sich aber gegen eine Verkürzung der Elternzeit aus. Man müsse den Frauen die Wahl lassen. Hier sei der Knackpunkt: Politik wie Arbeitgeber enthielten Frauen genau diese Wahl vor. Es würde schon im Voraus davon ausgegangen, dass junge Frauen irgendwann für mehrere Jahre aus dem Beruf aussteigen, um Kinder zu bekommen und sie aufzuziehen. Im Prinzip, so die Verdi-Sprecherin, sei es sogar nachvollziehbar, wenn Betriebe weniger in die Weiterbildung junger Frauen investieren – wenn sie davon ausgehen, die seien sowieso bald weg, sobald die Familienplanung näher rückt.

„Bis zum 30. Lebensjahr sind Frauen und Männer gleichauf bei der Karriere“, sagt eine Sprecherin der Bundesvereinigung der Arbeitgeber. Dann gerate das Gleichgewicht auseinander. Trotzdem verneint die Sprecherin eine Benachteiligung oder gar Diskriminierung der Frauen bei betrieblicher Weiterbildung durch Arbeitgeber. Die Betriebe hätten sicher kein Interesse, gut ausgebildete Frauen gehen zu lassen. „Es wäre eine Milchmädchenrechnung, Frauen nicht zu fördern, weil sie schwanger werden könnten“, sagt sie. Das Problem seien falsche Anreize der Politik, die Frauen dazu verleiten, doch lieber zu Hause zu bleiben. 56 Prozent der Abiturienten sind weiblich, es droht ein Fachkräftemangel – „Frauen sind nicht nur Beiwerk“.

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