Berufsbegleitende Weiterbildung : Wer schreibt, der bleibt

Paul Presnjakow ist Maurer und gerade dabei, die Karriereleiter zu erklimmen: Er wird geprüfter Polier.

Alexander Riedel
Die Liebe zur Baustelle: Maurergesell Paul Presnjakow will zwar aufsteigen, aber erst mal nicht hinter einen Schreibtisch wandern.
Die Liebe zur Baustelle: Maurergesell Paul Presnjakow will zwar aufsteigen, aber erst mal nicht hinter einen Schreibtisch wandern.Foto: Georg Moritz

Sprechen Politiker über die Rente mit 67, dann spielen fast immer Handwerker eine Rolle. Kein Wunder: Viele Berufe in dem Bereich stehen quasi sinnbildlich für schwere körperliche Arbeit, ob Dachdecker, Maurer oder Straßenbauer. Rücken und Knie machen es oft unmöglich, bis zur Rente auf dem Bau zu schuften. Es sei denn, man steuert rechtzeitig um und qualifiziert sich für andere Aufgaben.

Paul Presnjakow ist Maurergesell und zwar erst 25 Jahre alt, aber schon jetzt kurz davor, die Weichen bis zu seiner Rente zu stellen. Einen Teil seiner insgesamt zehnmonatigen berufsbegleitenden Weiterbildung hat er schon erfolgreich abgeschlossen. Am Ende wird er ein geprüfter Polier sein, der für die Arbeit und das Personal auf einer Baustelle verantwortlich ist. Man kann sagen, er vermittelt zwischen der Bauleitung und den Arbeitern.

Für die Prüfung büffelt Presnjakow unter anderem Wirtschaftslehre, Recht und Arbeitsorganisation. „Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt er. „Ohne den Schein braucht man auch gar nicht nach einer Lohnerhöhung zu fragen und man kommt auch nicht weiter nach oben.“ Dafür nahm er es in Kauf, nach der Arbeit zweimal in der Woche direkt zum Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg zu fahren und auch mal am Samstag dort sein zu müssen.

Der Wunsch, Polier zu werden, sei schon während seiner Ausbildung aufgeblüht, erzählt Presnjakow. Nach vier Jahren Gesellenzeit bezahlte ihm seine Firma die Weiterbildung. Der junge Mitarbeiter konnte deshalb auf Verständnis hoffen, wenn es mal wieder zeitlich eng wurde mit der Arbeit und dem Kurs. „Man wollte natürlich auch den Erfolg sehen.“ Er selbst wolle Verantwortung übernehmen und scherzt: „Wer schreibt, der bleibt.“

Mit der Prüfung zum Polier ist für Bauarbeiter eigentlich das Ende der Karriereleiter erreicht. Danach könnte man nur studieren oder den Meister machen und seine eigene Firma gründen. Auch für den Meister gibt es im Bau-Berufsförderungswerk Abendkurse. Der nächste Lehrgang startet am 21. Oktober. Viele Absolventen der zweijährigen Kurse gingen später in die Baustoffindustrie und arbeiteten dort im Vertrieb oder als Fachberater, heißt es. Auch das ist eine Möglichkeit, dem Baugraben zu entkommen.

Auch Bauarbeiter müssen sich qualifizieren

Paul Presnjakow plant derzeit weder ein Studium noch den Meister. „Ich will auf der Baustelle bleiben und nicht ins Büro rüberwandern“, sagt er. Es mache Spaß mit den Kollegen und man sehe das Ergebnis vor Ort. „Zur Not kann man auch mal selbst mit anpacken.“ Somit stehen in den kommenden Jahren allenfalls kleinere ein- oder mehrtägige Fortbildungen zu speziellen Themen wie Asbestsanierungen bei ihm auf dem Programm.

In dem Polierkurs des 25-Jährigen gab es auch Teilnehmer, die schon Mitte 40 waren, also am anderen Ende des Zeitfensters für die sogenannte Aufstiegsqualifizierung. Wer sich jedoch bereits in jungen Jahren für eine Weiterbildung entscheidet, hat oft einen Vorteil: Schule und Ausbildung liegen noch nicht so lange zurück. Das erleichtert das Lernen meist ungemein.

Um lebenslanges Lernen kommen heute auch Bauarbeiter nicht mehr herum. Die Betriebe sind ebenfalls hinterher, weil ihnen sonst spätestens morgen die Fachkräfte fehlen. „Betriebe müssen die Mitarbeiter so einsetzen, dass sie ein langes und erfülltes Arbeitsleben haben“, sagt Klaus Rinkenburger, Chef eines Berliner Netzwerks von Handwerksinnungen. Es gehe nicht darum, zu zeigen, dass man als junger Mensch eine Heizung auch alleine tragen könne. Denn: „Die Gerätschaften entwickeln sich so weiter, dass man nicht mehr alles Schwere tragen muss.“ Allerdings müssen die hochmodernen und hilfreichen Maschinen auch richtig bedient werden. Das erhöht wiederum den Druck auf die Arbeiter, sich zu qualifizieren und weiterzubilden.

Klar ist: Handwerk – und insbesondere der Bau – wird auf lange Sicht nicht ohne körperliche Anstrengung funktionieren. Mit moderner Technik und der Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, können Mitarbeiter aber bis zur Rente kommen, ohne ihren Körper kaputt zu schinden.

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