Betriebskindergärten : Mit dem Kind zum Job

Bislang unterhalten nur vier Prozent der Firmen eigene Krippen. Das soll sich in Zukunft ändern.

Ellen Köhrer

Unternehmen mit Betriebskindergärten sind in Deutschland dünn gesät. Daher beschloss Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen kürzlich ein Förderprogramm zum Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung: Bis Ende 2011 stehen Finanzspritzen aus dem Europäischen Sozialfonds in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro für Unternehmen bereit, die in Kindertagesstätten neue Gruppen für Kinder unter drei Jahren einrichten. Bislang unterhalten lediglich vier Prozent der Unternehmen eigene Krippen.

Der Tübinger Bekleidungshersteller Rösch macht da eine Ausnahme. Er hat bereits vor 37 Jahren einen Betriebskindergarten auf dem Firmengelände eingerichtet. „Das bindet Mitarbeiter an unser Unternehmen,“ erklärt Thomas Huber, Personalleiter bei Rösch, „außerdem sind sie zufriedener und motivierter." Er betont, dass der Betriebskindergarten von der Reinigungskraft bis zur Prokuristin genutzt wird.

Auch Christina Barth, Personalreferentin bei Rösch, bringt jeden Morgen ihren zweieinhalbjährigen Sohn mit in die Firma. „Die Öffnungszeiten sind besser als im Gemeindekindergarten wo wir wohnen“, sagt sie. „Außerdem gibt es in dem kleinen Ort kaum Kinderbetreuung.“ Barth hat nach der Geburt ihres Sohnes relativ zügig wieder mit dem Arbeiten angefangen. Gäbe es den Betriebskindergarten nicht, müsste sie eine Tagesmutter suchen – „und das kostet“. Jetzt bezahlt sie 100 Euro im Monat und weiß ihr Kind in der Nähe. Im Notfall braucht sie nur einige Treppenstufen zu laufen, um nach ihm schauen zu können.

120 000 Euro im Jahr kostet Rösch die Einrichtung für 16 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Eine ganze Menge, zumal der Nutzen schwer in Geld umzurechnen ist. „Mit den Kindergärten verbessern wir in erster Linie unser Image, sind für Bewerber ein attraktiver Arbeitgeber und Vorbild,“ sagt Huber. Erst vor kurzem hat eine Zulieferfirma den Betriebskindergarten von Rösch besichtigt. Außerdem vergibt Rösch einen Teil seiner Kindergartenplätze an Firmen in der Umgebung. „Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge bekommen wir ihn sonst nicht voll,“ sagt Thomas Huber.

So ähnlich dachten wohl auch die Berliner Niederlassungen der Großkonzerne Sanofi Aventis, Tollcollect, Pfizer, Daimler Financial Services und die Mercedes Benz-Vertriebsorganisation am Potsdamer Platz. Anstatt jeweils einen eigenen Betriebskindergarten zu gründen, haben sie die gemeinnützige Fröbel-Gruppe beauftragt, einen öffentlichen Kindergarten nach ihren Vorstellungen mit Belegplätzen für Mitarbeiterkinder zu gründen. Zweisprachig in deutsch und englisch und mit Öffnungszeiten von sieben bis zwanzig Uhr. Seit November letzten Jahres besuchen 90 Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren diese Einrichtung.

Yvonne Martins, stellvertretende Leiterin der Rechtsabteilung beim Pharmaunternehmen Sanofi Aventis, kann deshalb Vollzeit arbeiten. Nach einer kurzen Elternzeit ist die Mutter von zwei Söhnen seit April wieder im Job. Wenn die Juristin, die seit zehn Jahren bei der Firma beschäftigt ist, nachmittags ein Meeting hat, muss sie nicht hektisch auf die Uhr schauen. Durch den betrieblichen Kindergarten hat sich ihr Berufsleben entspannt. „Ich kann ja nicht während des Meetings sagen: Sorry, ich muss jetzt mein Kind holen,“ meint sie. „Außerdem bin ich keine Extrawurst-Mutter, da auch andere Kollegen ihre Kinder in den Fröbel-Kindergarten bringen.“

Für die Personalabteilung von Sanofi Aventis ist die Zweisprachigkeit des Kindergartens besonders wichtig. „Wir sind ein französisches Unternehmen mit internationaler Ausrichtung,“ sagt Manfred Schäfer, Senior Manager Human Ressources. „Auch ein Teil unserer Mitarbeiter kommt aus dem Ausland.“ Durch ihre Belegplätze im Fröbel Kindergarten erhofft sich Schäfer motivierte Mitarbeiter, die nicht an starre Kindergartenzeiten gebunden sind. Außerdem wünscht er sich, für Bewerber attraktiv zu sein.

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