Bewerbertag : Fit für die Berufswahl

Beim Bewerbertag des Tagesspiegels gaben Experten Tipps zu Berufsorientierung und Bewerbung. Was Schüler dort erfahren haben.

Annette Leyssner

„Hotelfachmann, das könnte ich mir gut vorstellen“, sagt Tilman Ballhause, Schüler der 13. Klasse der Beethoven-Oberschule in Lankwitz. Da seien seine Großeltern allerdings dagegen – sie sind der Meinung, dass man bei diesem Beruf andauernd unterwegs sei und sie ihren Enkel kaum noch zu Gesicht bekommen würden. Doch ist das wirklich so? Und wäre Bankkaufmann dann vielleicht eine Alternative? Das wollte Tilman Ballhause beim Bewerbertag des Tagesspiegels am vergangenen Donnerstag klären.

Neben dem Oberstufenschüler informierten sich bei der Veranstaltung rund 1200 weitere Schüler bei Unternehmen der Berliner Wirtschaft, bei der Polizei, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und einigen weiteren Organisationen über Ausbildungsmöglichkeiten.

Aus 349 Ausbildungen können Schulabgänger in Deutschland wählen. Sich für einen Beruf zu entscheiden, ist erst die halbe Miete. Wie man die gewünschte Stelle erhält, verrieten Personalexperten des „Büros für Berufsstrategie“. Oft kommen an die 200 Bewerbungen auf eine freie Stelle, sagt die Referentin Antje Koch. Da sei es wichtig, aus der Menge herauszustechen. „Wer Friseuse werden will und schon einmal mit seinen Freundinnen Hochsteckfrisuren ausprobiert hat, kann davon Fotos machen und diese der Bewerbung beilegen“, rät Koch. Genauso kann jemand, der sich um einen Ausbildungsplatz als Gärtner bewirbt, ein Beet fotografieren, das er selbst angelegt hat.

Ratsam sei es, im Vorfeld den Namen des Ansprechpartners herauszufinden. An „sehr geehrte Damen und Herren“ gerichtete Bewerbungen irren unter Umständen durch das Haus, da sich niemand verantwortlich fühlt, warnt Koch. Weitere Tipps zu Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen des „Büros für Berufsstrategie“ gibt es auf der Internetseite des Beratungsunternehmens unter: www.berufsstrategie.de. Dort gibt es auch Online-Tests, mit denen man seine Sozialkompetenz oder sein technisches Wissen testen kann.

Gute Chancen haben Bewerber in Berlin im Bereich der Metall- und Elektroindustrie. Dazu gehören die Gesundheitstechnik, die Luftfahrt, die Automobilbranche und die Energiebranche, erfahren die Besucher. „Ein Fachkräftemangel ist absehbar“, sagt Christoph Böhmer, Direktor des Medizintechnik-Unternehmens Biotronik. Der Info-Bus des Branchenverbandes ist kommende Woche in der Stadt unterwegs, informiert über Berufsbilder in der Industrie und macht unter anderem bei Siemens und der Firma Biotronik Halt. Wer mitfahren will, sollte sich bei Elisabeth Bachmann Nix unter Tel. 030/5471 0994 anmelden. Auf der Internetseite www.me-infomobil.de erfährt man, wo der Bus Station macht.

„Gute Berufsaussichten gibt es auch im Bereich Gastronomie“, weiß Janet Jonas von der IHK Berlin. Sie leitet das Programm „Passgenaue Vermittlung“. Damit soll ein Missstand beseitigt werden: Jedes Jahr bleiben Ausbildungsplätze in Berliner Unternehmen unbesetzt, weil keine geeigneten Bewerber zu finden sich. Gleichzeitig gehen Jugendliche leer aus, die sich um eine Ausbildung bemühen. Das Projekt hilft Jugendlichen, ihre Stärken und Schwächen zu analysieren, und stellt den Kontakt zu kleinen und mittelständischen Unternehmen her. Wer sich beraten lassen will, kann sich bei Janet Jonas anmelden unter Tel. 030/31510 490.

Tilman Ballhause jedenfalls weiß jetzt mehr über die Berufe, die für ihn in Frage kommen. Hotelfachmann oder Bankkaufmann? Beim nächsten Bewerbertag 2011 wird er seine Ausbildung wohl schon begonnen haben.

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