Karriere : Bewerbertag: Schüler treffen Unternehmen

Daniela Martens

Justine-Jill wirkt eher schüchtern und zart. Sie trägt ein rosa Hemdchen und ist sehr schmal und blass. Aber die 15-Jährige aus Grünau weiß genau, was sie will: eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin machen. Zwei Praktika hat sie absolviert. Reifenwechsel sei kein Problem, sagt sie und guckt so entschlossen, dass man ihr das sofort glaubt: „Ein anderer Beruf kommt nicht in Frage“. In diesem Jahr macht sie den erweiterten Hauptschulabschluss.Drei Bewerbungen hat sie geschrieben, aber noch keine Antwort. Deshalb ist sie am vergangenen Dienstag ins Hotel Mövenpick in der Schöneberger Straße in Kreuzberg gekommen – zum Bewerbertag des Tagesspiegels, bei dem 1200 Schüler auf Mitarbeiter von 15 Berliner Unternehmen und Einrichtungen trafen, die Ausbildungsplätze anbieten.

Am Stand der Berliner Stadtreinigung steht BSR–Mitarbeiterin Christiane Dreyß. Als Justine-Jill ihr von ihrem Berufswunsch erzählt, strahlt sie: „Wir freuen uns sehr über Bewerbungen von Frauen für Männerberufe.“ Justine-Jill sei heute das erste Mädchen, das sich nach der Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin erkundige. Dreyß reicht der Schülerin ein orangene Broschüre über den Tisch. Darin steht alles über Ausbildungen bei der BSR. Justine-Jill will gleich am nächsten Tag ihre vierte Bewerbung losschicken – an die BSR. „Schreib’ am besten ’rein, dass du heute hier warst“, gibt ihr die BSR-Frau noch mit auf den Weg. Der Andrang sei groß, sagt Dreyß. Sie hätte viele Gespräche mit geeigneten Bewerbern geführt. Auch mit Abiturienten, die sich für ein duales Studium mit Bachelor-Abschluss interessierten. Die BSR bietet diese Ausbildung mit der Berufsakademie Berlin an.

Für Christin und Carolin kommt das allerdings nicht in Frage. Die 19-Jährigen Abiturientinnen aus Marzahn wollen möglichst bald Geld verdienen und haben wie Justine-Jill sehr genaue Vorstellungen von ihrem künftigen Ausbildungsplatz: Medienkauffrau oder -gestalterin wollen sie werden, unbedingt. „Das ist ein kreativer moderner Beruf, der nicht eintönig ist“, sagt Carolin.

Überall auf dem Bewerbertag können die beiden junge Leute treffen, die bereits mitten im Berufsalltag stecken. Die Firmen haben ihre Azubis geschickt, die nun ihren möglichen Nachfolgern bei der Berufswahl helfen: Angehende Kosmetikerinnen massieren Hände, Bademeisterinnen Nacken. Fahrradmonteure zeigen ihre Kugellager und in der Azubi-Sprechstunde erzählen sie von ihren persönlichen Erfahrungen bei der Ausbildungsplatzsuche. Eine dunkelhaarige 15-Jährige mit großen Ohrringen ist da noch ganz am Anfang: Gerade hat sie erfahren, dass die Ausbildung bei der Polizei für sie nicht in Frage kommt, weil sie Diabetikerin ist. Andere Ideen hat sie noch nicht, aber sie hat noch ein paar Stände und Vorträge vor sich – und ein Jahr Zeit: Die Neuntklässlerin macht erst nächstes Jahr ihren Mittleren Schulabschluss. Daniela Martens

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