Karriere : Bildung per Mausklick

Auf Online-Tagebüchern geben Profis ihre Berufserfahrung weiter. Doch nicht alle Angebote sind hilfreich

Wer Tipps und Tricks für den Berufsalltag sucht, kann sich im Buchladen einen Ratgeber kaufen – oder ins Internet gehen. Dort stoßen Nutzer immer öfter auf sogenannte „Bildungs-Blogs“. Diese Webseiten funktionieren wie Online-Tagebücher: Autoren schreiben regelmäßig zu einem begrenzten Themengebiet, zum Beispiel über Marketing, Management und Bewerbungstraining. Die Leser können die Beiträge kommentieren und sich über die Inhalte austauschen, wie in einem Internetforum.

Da „Blogger“ jedoch nicht von ihren Tagebuch-Einträgen leben, gehen sie in der Regel einer hauptberuflichen Arbeit nach – und nutzen den Blog auch zum Marketing in eigener Sache. Nützlich sind manche Inhalte trotzdem, vor allem, wenn die Autoren aus der Praxis kommen und auf den Blogs aus ihren Erfahrungen in der Berufswelt erzählen. Auf der Webseite www.sales-magazine.de zum Beispiel berichtet der Blogger Jens Bernhardt über die Kniffe bei der Kundengewinnung am Telefon, wie man den Vertrieb im Außendienst optimiert und erfolgreiches Online-Marketing betreibt. Hauptberuflich arbeitet der 26-jährige Hamburger als Leiter für Vertrieb und Marketing in einem kleinen IT-Unternehmen. Die Webseite betreibt er in seiner Freizeit.

„Mit den Themen möchte ich vor allem Einsteiger im Vertrieb und Verkäufer ansprechen“, sagt Bernhardt. Zum Bloggen bewegt ihn der „Open-Source Gedanke“: Er möchte Wissen kostenfrei zur Verfügung stellen – anders als Fachzeitschriften, die Bildung gegen Geld vermitteln. Ganz uneigennützig ist sein Engagement jedoch nicht: „Von Fachblogs erhoffen sich die meisten Betreiber eine persönliche Reputation“, erklärt Bernhardt. Um Geld geht es ihm dagegen nicht: Die Google-Anzeigen am rechten Bildschirmrand bringen lediglich ein Taschengeld ein. Dafür lernen Blogger wie Jens Bernhardt selbst dazu: „Manche Leser schreiben nicht nur Kommentare unter die Beiträge – sie schreiben auch E-Mails oder rufen an, um über einen Beitrag zu diskutieren“, sagt er. „Dabei entwickelt man sich eigenes Wissen weiter.“

Auf der Webseite www.weiterbildungsblog.de, die neue Lern- und Arbeitstechniken vorstellt, bringen sich bislang nur wenige Leser ein. „Ich glaube, die Leute freuen sich so sehr über ein kostenloses Informationsangebot, dass sie an Kritik gar nicht erst denken“, sagt Blog-Gründer Jochen Robes gegenüber der Fachzeitschrift „Wirtschaft und Weiterbildung“. „Viele Anregungen werden quasi aus Höflichkeit unterlassen.“ Die Seite www.weiterbildungsblog.de enthält Beiträge rund um die Themen E-Learning und Erwachsenenbildung, richtet sich also eher an Personaler in Unternehmen. Betrieben wird die Seite von Jochen Robes, der hauptberuflich in einem Unternehmen für Online-Lernprogramme beschäftigt ist. Das Engagement bringt ihn auch selbst voran: „Bloggen trainiert die Fähigkeit, komplexe Informationen prägnant zusammenzufassen“, sagt Robes.

Für Verbraucher ist es nicht einfach, den passenden Fachblog zu finden. Das Angebot ist groß, eindeutige Kriterien, an denen man die Unabhängigkeit des Angebots messen kann, sind schwer zu erkennen. Abhilfe soll der Wettbewerb „Superblogs 2008“ schaffen. In dem Verzeichnis kann jeder seinen Lieblings-Blog vorschlagen, die Leser stimmen anschließend über die beste Seite ab. Mit dabei sind Angebote wie www.bewerberblog.de, auf dem Personaler Tipps zum Vorstellungsgespräch geben. Unter Itsystemkaufleute.de beschreiben Azubis, wie sie sich am Telefon verhalten sollten.

Peter Brandt vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung DIE freut sich über die Zunahme der Weiterbildungsblogs im Internet. „Blogs, die Weiterbildungsveranstaltungen oder ein E-Learning-Angebot begleiten, aktivieren durch ihr Mitmachpotenzial Lerner“, so der Wissenschaftler. Seminarräume und Lehrbücher werden in Zukunft nicht überflüssig sein: Elektronische Medien, zu denen auch Weiterbildungsblogs gehören, ergänzen lediglich klassische Lernmethoden. Durch ihren professionellen Einsatz könnte sich jedoch der Austausch zwischen den Studenten verändern: „Ein Blog kann in Zukunft die zentrale Kommunikationsplattform für ein Seminar sein“, meint Brandt.

Dass elektronische Medien auch im Hochschulbetrieb an Bedeutung zunehmen könnten, zeigt sich an dem Weiterbildungsblog „E-Denkarium“. Dort berichtet die Augsburger Hochschulprofessorin Gabi Reinmann regelmäßig über Themen im Bereich Medien und Pädagogik. Wissenschaftliche Beiträge stehen ebenso in ihrem Blog wie eine alltagstaugliche Abhandlung zum Thema „Wenn E-Mails nerven“. Für die Medienpädagogin ist die Webseite ein Experiment: „Mir geht es darum, selbst auszuprobieren, wie sich die Kommunikation mithilfe von Blogs verändern lässt, welche Effekte das Bloggen auf einen selbst und auf Leser hat“, erklärt sie. Für die Zukunft bietet das Medium nach Ansicht der Professorin „interessante Möglichkeiten, um informelles Lernen mit formalem Lernen zu verknüpfen“.

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