Karriere : „Daddeln“ ausdrücklich erlaubt

Gut konzipierte Lernsoftware arbeitet mit dem Faktor Spaß – das Ergebnis ist „Game Based Learning“

Florian Oertel/dpa

Egal ob in der Schule, an der Uni oder im Beruf: Wenn derjenige, der sich den Stoff eintrichtern soll, motiviert bei der Sache ist, lernt es sich leichter. Dafür soll immer öfter ein Konzept mit der neudeutschen Bezeichnung Game Based Learning sorgen – zumindest wenn es nach den Entwicklern der Angebote geht, die das Lernpotenzial von Videospielen nutzen. Pädagogen sehen darin ebenfalls Vorteile. Das Konzept hat aber auch seine Grenzen.

„Wir verstehen den Begriff so: Das Lernen wird durch spielerische Konzepte angereichert“, sagt Stefan Göbel vom Zentrum für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt. Das soll für Spaß sorgen und damit die Motivation erhöhen. Diese Idee war schon in der Antike bekannt. „Und bis heute finden sie das als roten Faden in der didaktischen Theorie“, sagt der Computerlinguist Oliver Korn aus Ludwigsburg.

Sowohl gegenüber den antiken Denkern, die das Lernen um den Faktor Spaß ergänzt sehen wollten, als auch gegenüber den Organisatoren der klassischen Planspiele haben Menschen wie Korn einen entscheidenden Vorteil: „Wir nutzen den Rechner und seine Fähigkeiten zur Verwaltung von Daten und zur Visualisierung“ – um unter dem Firmennamen „Korion“ Software anzubieten, die Game Based Learning möglich macht. „learn2work“ heißt dieses Programm. Der Nutzer schlüpft dabei in die Rolle eines Firmenchefs und muss Produktionsabläufe planen, über Investitionen entscheiden oder Mitarbeiter einstellen. Die Software gibt es als vergleichsweise einfache Variante, deren Einsatz etwa in Berufsschulen denkbar ist, aber auch als „firmenspezifisch angepasste Business-Version“.

Auch an manchen Unis spielt Game Based Learning eine Rolle. „An den Hochschulen gibt es eher Dinge, die in Richtung Planspiel oder Simulation gehen“, so Sabine Hemsing vom Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz. Dieser ist etwa für das Beraten von Lehrenden zuständig, die E-Learning-Projekte umsetzen wollen. Anbieter von Schülersoftware – sei es für den PC, sei es für die Konsolen – verwenden den neudeutschen Begriff ebenfalls gern: „Wir haben gesagt, wir machen Nintendos DS auch zur Lernplattform“, sagt zum Beispiel Markolf Heimann von Braingame in Wiesbaden. Dabei herausgekommen sind bisher Programme wie der „English Buddy“. Damit soll das Lernen nicht zum Pauken werden, sondern – eingebettet in viele kleine Spiele – Spaß machen.

Nutzer gut konzipierter Lernspiele haben damit laut Stefan Göbel allerdings nicht nur mehr Spaß als mit Lehrbüchern oder -videos: „Ein Spiel zeichnet sich dadurch aus, dass man ständig interagiert - und man kann es beeinflussen." Hinzu kommt nach Sabine Hemsings Worten gerade bei Planspielen, dass es gar nicht unbedingt ums Aufnehmen von Informationen geht, sondern darum, Wissen anzuwenden, mit anderen zusammenzuarbeiten und die Konsequenzen von Entscheidungen zu spüren. Aber lässt sich mit Hilfe eines Computerspiels wirklich effektiver lernen?

Noch sei in der Tat nicht wissenschaftlich geklärt, dass das wirklich besser ist, sagt Göbel. Durch Vergleichsstudien sei bisher nur nachgewiesen, dass spielerische Konzepte die Lernenden länger bei der Stange halten. Florian Oertel/dpa

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