Karriere : Das Studium als Karriereticket

Der Tagesspiegel am Sonntag stellt die besten Unis für einen Wirtschafts–Master im Ausland vor. Heute: Osteuropa und Skandinavien

Florian Willershausen,Carolin Jenkner

Gebührenfreie Bildungsparadiese im hohen Norden und Unis in Aufbruchstimmung im weiten Osten: Im dritten Teil des Master-Guides stellt der Tagesspiegel am Sonntag Skandinavien und Osteuropa vor. Dorthin zieht es weit weniger Studenten als etwa nach Großbritannien und Frankreich, und wer dort studiert, wird nicht selten mit Klischees konfrontiert. Autorin Carolin Jenkner, die die besten Unis in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland vorstellt, wurde vor ihrem Semester in Schweden vor den kalten, dunklen Wintern und verschlossenen Menschen gewarnt. Doch, Viel hat sich von diesen Klischees nicht bewahrheitet. „Die Leute sind unheimlich warmherzig, an den Unis stehen alle Türen offen.“

Florian Willershausen, der in Moskau über die osteuropäischen Hochschulen recherchierte, lernte das Leben in Russland während eines Studiums kennen. Und er kann heute mit vielen Vorurteilen aufräumen. Unter anderem hat Willershausen längst nicht so viel Wodka trinken müssen, wie ihm prophezeit wurde.

OSTEUROPA: KARRIERETICKET FÜR BOOMMÄRKTE

Viele Universitäten bieten mittlerweile Masterprogramme an, die Studenten auf eine Karriere in Osteuropa vorbereiten. Die Länder Mittel- und Osteuropas sind die Streber im Bologna-Prozess. Kaum hatten die Bildungsminister das Abkommen im Juni 1999 unterzeichnet, machten sich die Reformer von Traditionsunis wie Prag, Krakau und Riga schon ans Werk: In Windeseile stampften sie internationale Bachelor- und Masterstudiengänge aus dem Boden. Pünktlich zur Osterweiterung 2004 schlossen die ersten Absolventen in den neuen Fächern ab. Damit konnten die Neumitglieder in der EU natürlich glänzen.

Jetzt profitieren sie von dieser Erfahrung. Während Masterstudiengänge in Deutschland häufig noch Versuchsballons sind, haben die meisten osteuropäischen Programme den Praxistest schon bestanden. In Estland funktionieren alle Hochschulen nach dem Bologna-Prinzip. In Polen, Tschechien und Lettland ist das Angebot zum Großteil auf das neue System umgestellt; viele Fächer werden auf Englisch angeboten. Die Russen, die das Abkommen erst 2003 unterschrieben, investieren milliardenschwere Rubelsummen aus dem Öl- und Gasexport, um bis Anfang 2009 landesweit Bachelor- und Masterfächer einzurichten.

Trotzdem: An osteuropäischen Unis sind deutsche Studenten noch immer Exoten. Dabei ist ein Studium im Osten Gold wert: Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion und die ehemaligen Satellitenstaaten sind Boomländer, deren Wirtschaftswachstum noch Jahre anhalten wird. Dabei bleiben sie auf Investitionen und Know-how von ausländischen Experten angewiesen. Wer sich in Mittel- und Osteuropa auskennt, die Kultur versteht und die Sprache spricht, den schicken Chefs mit Vergnügen als Expats auf Auslandseinsatz. Thomas Prahl, DAAD- Chef in Russland, verspricht: „Wer einmal im Osten studiert hat, der bleibt oft dort.“ Dennoch verzeichnet der DAAD noch immer etwa vier- bis fünfmal so viele Studierende aus Osteuropa, die in Deutschland studieren möchten, als umgekehrt.

Ein Studium in Mittel- und Osteuropa ist immer noch mit Klischees behaftet. In Tschechien fahren nostalgische Pferdefuhrwerke aber höchstens auf dem Weg ins Museum über die Kreuzung. Und vor allem: Der Osten ist nicht mehr billig. Eine Tasse Kaffee kostet in Riga nicht weniger als in Heidelberg. Moskau dagegen gilt als die teuerste Stadt der Welt, in der eine Pizza gut und gerne doppelt so viel kostet wie im feinsten München-Schwabing.

Karls-Universität Prag: Das im Jahr 1348 gegründete „Carolinum“ ist eine der ältesten und renommiertesten Hochschulen Europas. Im Bologna-Prozess nahm die tschechische Vorzeigeuni von Anfang an eine Vorreiterrolle ein: Seit 2001 haben die Prager knapp 300 Bachelor-, Master- und PhD-Studiengänge eingeführt, viele davon englischsprachig. Heute gibt es Masterprogramme in naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Chemie und Geologie, sowie in dem als Studienfach noch seltenen Feld Umweltschutz. Auf der Liste findet sich der eine oder andere Exoten-Master wie Physiotherapie. Die Studiengebühren variieren zwischen 5600 und 6000 Euro pro Studienjahr. Leider sind die Einschreibungsverfahren kompliziert und langwierig. Die Bachelor-Zeugnisse müssen auf Tschechisch übersetzt werden und zum Teil schon bis zum 28. Februar vor Beginn des Sommersemesters vorliegen. Internet: www.cuni.cz.

Jagiellonen-Universität Krakau: Im Florenz des Ostens lässt es sich aushalten: Die Stadt macht einen ganz und gar unhektischen Eindruck. Rund um den Wawelhügel winden sich enge Gassen, deren gemütliche Cafés zur Einkehr einladen. Pferdewagen kutschieren Touristen, in der Altstadt ertönt das traditionelle Trompetensignal Hejnal, das jäh abbricht, wie damals im 13. Jahrhundert, als der Trompeter tödlich von einem Pfeil getroffen wurde. Doch neben Kultur und Geschichte hat Krakau auch die besten Master Polens zu bieten. An der renommierten Jagiellonen-Universität gibt es einen Master in Central and Eastern European Studies. Das Studienjahr kostet 5000 Euro, eine Bewerbung ist bis zum 15. August möglich. Internet: www.uj.edu.pl.

Staatliche Universität Sankt Petersburg: Im Bologna-Prozess sind die meisten russischen Unis Nachzügler: Selbst Top-Adressen wie die Higher School of Economics in Moskau starten erst in diesem Jahr mit Masterstudiengängen. Die Petersburger Staatliche Universität hat bereits seit längerem fünf erprobte Master im Programm, weitere laufen in diesem Jahr an. Den Master of International Business gibt es seit 1999, er bereitet angehende Manager auf den rauen russischen Businessalltag vor und kostet 6625 Euro pro Studienjahr. Seit knapp drei Jahren gibt es den „Master in European Societies“, der in der Soziologie angesiedelt ist und in Kooperation mit der Uni Bielefeld eingeführt wurde. Das Studienjahr kostet knapp 3000 Euro, deutsche und russische Dozenten halten die Lehrstunden ab. Für beide Studiengänge sind gute Englischkenntnisse Voraussetzung. Internet: www.spbu.ru/e.

SKANDINAVIEN: FREIE BILDUNG

In den nordischen Ländern ist das Studium auch für Ausländer gebührenfrei. Dafür ist der Lebensunterhalt umso teurer, und ein Master dauert an den meisten Hochschulen zwei Jahre. Die skandinavischen Schulen haben bei der PISA-Studie am besten abgeschnitten, und auch mit ihrer Universitätsausbildung können sich die Nordländer sehen lassen – vor allem, wenn es um die Internationalität ihrer Programme geht. Allein in Schweden gibt es 500 rein englischsprachige Masterprogramme (Überblick unter www.studyin sweden.se). Und auch Norwegen, Dänemark und Finnland haben ihre Bildungssysteme komplett auf Bachelor und Master umgestellt und warten mit internationalen Programmen auf (Informationen unter: www.studyinnorway.no, http://finland. cimo.fi, www.studyindenmark.dk).

Bei Gaststudenten ist Skandinavien beliebt. Allein an den norwegischen Universitäten sind 11 000 ausländische Studenten eingeschrieben. Gründe dafür gibt es einige. So ist ein Studium in Skandinavien häufig weit entfernt von der Anonymität einer Massen-Uni. 20 bis 40 Studenten in einem Masterprogramm sind die Regel, der Umgang ist unkompliziert, die Professoren lassen sich duzen. Ein weiterer Pluspunkt: Studiengebühren werden nicht erhoben. Eine kostenlose Ausbildung gehört zum Selbstverständnis des skandinavischen Wohlfahrtsstaates, und davon profitieren auch die Ausländer. Nur an wenigen privaten Business Schools sind die internationalen Masterprogramme kostenpflichtig. Dafür muss eine längere Regelstudienzeit eingeplant werden. Während man in Großbritannien und den Niederlanden nach einem Jahr mit dem Master fertig ist, dauert er in Skandinavien in der Regel vier Semester.

Wer sich für ein internationales Masterprogramm einschreiben will, muss ein mindestens dreijähriges Studium vorweisen. Bachelor-Absolventen können also direkt loslegen. Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache werden in der Regel nicht erwartet, dafür ist sehr gutes Englisch (nachzuweisen durch TOEFL- oder IELTS-Test) obligatorisch. Für einige Programme wird auch ein GMAT oder GRE verlangt. Start ist meistens im August oder September, die Bewerbungsfristen variieren, liegen teilweise aber weit vor dem Semesterbeginn.

Nicht zu unterschätzen sind die Lebenshaltungskosten in Skandinavien. Sie zählen zu den höchsten in Europa. In Norwegen müssen Studenten nach Angaben der Universitäten mit rund 1000 Euro im Monat rechnen, in Schweden, Finnland und Dänemark ist das Leben nicht viel billiger. Deswegen ist gut beraten, wer in ein Studentenwohnheim zieht. Ein Zimmer mit eigenem Bad und Gemeinschaftsküche kostet etwa 300 Euro pro Monat – Sauna im Keller oft inklusive. Auf dem freien Markt muss man weit mehr zahlen. Da kann eine schlichte Ein-Zimmer-Wohnung in Stockholm, Helsinki oder Kopenhagen rund 500 Euro kosten, in kleineren Städten geht es bei etwa 300 Euro los.

Copenhagen Business School (CBS): 14 000 Studenten zählt die Copenhagen Business School, sie ist eine der drei größten Handelshochschulen Skandinaviens. Das Angebot an Masterprogrammen ist dementsprechend breit. Wer einen „Master in Economics and Business Administration“ anstrebt, kann aus neun Schwerpunkten wählen. Der „Master in Business, Language and Culture“ bietet die Möglichkeit, Japanisch, Chinesisch, Spanisch oder Französisch zu lernen. Internet: www.cbs.dk.

Stockholm School of Economics (HHS): Nach eigenen Angaben hat die Stockholm School of Economics die zufriedensten Studenten Schwedens – zumindest wenn es darum geht, einen engen Kontakt zur Wirtschaft herzustellen. Im Ranking der Zeitung „Financial Times“ landen die Masterprogramme regelmäßig auf den vorderen Plätzen. Ausländische Studenten müssen sich mit ihrer Bewerbung derzeit aber gedulden. Das internationale Masterprogramm wird reformiert und startet erst wieder im Herbst 2009. Dann wird man zwischen den Schwerpunkten Management, Marketing, Finance, Accounting und Economics wählen können. Englischkenntnisse sind nachzuweisen. Internet: www.hhs.se

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“. Bisher erschienene Folgen sind nachzulesen im Netz unter: www.karriere.de

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