Karriere : Der perfekte Besuch

Mehr als ein Dutzend Jobmessen finden in diesem Jahr in Berlin statt. Wer sich hier gut verkauft, kann attraktive Stellen finden

Henning Zander

Jürgen Blasi kann es nicht leiden, wenn Schüler Wettbewerbe um Kugelschreiber veranstalten. Doch darauf läuft es oft hinaus, wenn Klassen Jobmessen stürmen. „Es geht dann plötzlich nur noch darum, wer die meisten kostenlosen Präsente abgestaubt hat“, sagt Blasi. Er kennt sich aus in dem Bereich. Als Projektmanager von E-Fellows organisiert er die „Startschuss Abi“-Messe. Damit dort aber die Karriereperspektiven der Jugendlichen im Vordergrund stehen und nicht die Mitbringsel, hat er eine Teilnahmevoraussetzung eingeführt: Bevor die Schüler an den Ständen der Unternehmen vorbeigucken, müssen sie sich auf der Internetplattform der Messe bewerben. „Damit gewährleisten wir, dass die Teilnehmer auch wirklich motiviert sind und sich vorbereiten.“

Mehr als ein Dutzend Jobmessen und Veranstaltungen stehen in diesem Jahr in Berlin auf dem Programm. Sie richten sich an Schüler, an Studenten und Hochschulabsolventen und auch an Berufstätige, die sich weiterqualifizieren wollen oder auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind, und bieten die Chance, sich über Jobchancen und Karrieremöglichkeiten zu informieren.

Natürlich lassen sich Informationen über Unternehmensprofile und Karrierechancen auch im Internet recherchieren. „Doch auf den Messen hat man die Gelegenheit, hinter die Fassade der bunten Webseiten zu blicken, die in der Regel fantastische Karrierechancen und grenzenlose Entwicklungsmöglichkeiten versprechen“, weiß die Karriereberaterin Angela Resch. Im persönlichen Gespräch könne man diese Dinge hinterfragen.

Gerade für Bewerber, deren Lebenslauf nicht ganz so makellos ist, sind Jobmessen eine gute Chance: Bei einer normalen Bewerbung fallen sie schnell durchs Raster. Im persönlichen Kontakt aber kann man mit seinem persönlichen Eindruck punkten. Dabei lohnt es sich nicht nur, Karrieremessen zu besuchen, auch auf Branchenschauen wie der Grünen Woche kann man Kontakte zu interessanten Firmen aufbauen. „Manche Unternehmen kann man nur auf diesen Messen persönlich ansprechen“, sagt Resch.

WAS UNTERNEHMEN ERWARTEN

Der erste Kontakt am Messestand ist für Arbeitgeber genauso interessant wie für Arbeitsuchende. „Es kann ein erstes Abtasten stattfinden und Bewerber und Arbeitgeber können herausfinden, ob sich ihre Interessen decken“, sagt Roman Dykta vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. „Es soll ein Gespräch stattfinden“, wünscht sich der Chef des Recruitment Marketings. Und das in lockerer Atmosphäre: Es gibt weder Tests, noch werden Interessenten ausgesiebt. „Man macht sich eher unbewusst einen erstes Bild vom Bewerber."

Von Interessenten wünscht er sich, dass sie sich Gedanken über ihr Berufsleben gemacht haben und ihre Karriereziele formulieren können. Ein guter erster Eindruck könne Türen öffnen.

DIE VORBEREITUNG

Zu einer guten Vorbereitung gehört, sich darüber zu informieren, welche Firmen auf der Messe vertreten sein werden und welche Workshops und Vorträge auf dem Programm stehen, sagt Messeorganisator Blasi. Nur so kann man gezielt auf die Firma zugehen, für die man sich interessiert. Wer dann im Gespräch einige Information einfließen lässt, die er über das Unternehmen herausgefunden hat, sammelt Pluspunkte.

Zur Vorbereitung gehört es auch, sich die richtigen Unterlagen zusammenzustellen. Viele Messeorganisatoren geben Listen heraus, auf denen aufgeführt ist, was gebraucht wird. Die Karriereberaterin Resch empfiehlt, neben Lebensläufen in Din-A4 Format einen kleinen Flyer zu erstellen, auf dem ein kurzer Lebenslauf, aber auch Interessen und persönliche Motivationen zu finden sind. Komplette Bewerbungsmappen aber kann man getrost zuhause lassen. Die seien im digitalen Zeitalter in der Regel überflüssig.

Vorbereiten sollte man sich auch auf seinen äußerlichen Auftritt. Männer sollten Anzug und Krawatte aus dem Schrank holen, Frauen das Kostüm. „Wer sich am Businesslook orientiert, vergibt sich nichts“, sagt Resch. Auf großen, protzigen Schmuck sollte man genauso verzichten wie auf Piercings.

DIE MESSE

Karriereberaterin Resch rät, den ersten Kontakt gut zu planen. „Es ist sinnvoll, bis zu drei interessante Informationen über sich, die über Alter und Studienfach hinausgehen, einfließen zu lassen“, sagt die Beraterin. „Firmen interessieren sich vor allem für Fähigkeiten und Kenntnisse. Aber auch diese sollten mit Leben gefüllt werden“, erklärt Resch. Teamfähigkeit, Flexibilität und Begeisterungsfähigkeit lassen sich eben überzeugender am konkreten Beispiel festmachen.

Oft gibt es bei Karrieremessen ein großes Gedränge, gerade bei beliebten Arbeitgebern. Das darf die Bewerber aber nicht aus der Ruhe bringen. Einmal an der Reihe sollte man sich so viel Zeit nehmen, wie es der Fragenkatalog – den man sich vorher überlegt und am besten aufgeschrieben hat – bedarf. „Es wäre unhöflich von der Firma, das Gespräch einfach zu unterbrechen“, sagt Angelika Resch. Je mehr konkrete Fragen, desto besser: Haben Sie Traineeprogramme? Besteht die Möglichkeit, für Ihre Firma ins Ausland zu gehen? Wie familienfreundlich ist Ihr Unternehmen? Im hektischen Messebetrieb ist es sinnvoll, sich Notizen zu machen. Das hilft auch bei der Auswertung der neu gewonnen Kontakte.

Zu den größten Problemen auf einer Jobmesse gehört der Zeitdruck. Wie soll man in wenigen Stunden alle interessanten Firmen abklappern? „Es macht Sinn, zu den ersten Besuchern zu gehören“, sagt Resch. Morgens sind die Ansprechpartner noch ausgeruht und können sich eher auf ihr Gegenüber einlassen.

Wird die Zeit zum Ende der Messe hin knapp, kann man an die ausgewählten Firmenvertreter, mit denen man noch nicht gesprochen hat, die vorbereiteten Flyer verteilen. Im Gegenzug sollte man eine Visitenkarte erbitten, um für eine spätere Bewerbung eine konkrete Person ansprechen zu können. Das hat einen ganz bestimmten Grund, sagt Resch: „Jede Chance, Online-Bewerbungsformulare zu umgehen, sollte man nutzen.“

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