Karriere : Der Start in den Job

Worauf Azubis achten sollten

Der Vertrag ist unterschrieben, der erste Ausbildungstag beginnt – und mit ihm die Probezeit. Der Arbeitsrechtler Michael Eckert aus Heidelberg nennt sie die „Verlobungszeit“ zwischen Unternehmen und Mitarbeiter: Beide könnten nun herausfinden, ob sie zusammenpassen.

   Bei gewöhnlichen Arbeitsverträgen darf diese Phase des gegenseitigen Beschnupperns maximal sechs Monate dauern. Bei Ausbildungsverträgen sieht das Berufsbildungsgesetz (BBiG) eine Mindestdauer der Probezeit von einem Monat und eine Höchstdauer von vier Monaten vor. Wer in dieser Zeit merkt, dass sich hier nicht zusammenfügt, was scheinbar zusammengehört, kann die Verbindung leicht wieder lösen. Eine Kündigungsfrist gibt es während der Probezeit nicht, triftige Gründe für die vorzeitige Scheidung sind nicht notwendig.

   Ob sie vier Wochen oder vier Monate dauert, zu Beginn müssen Lehrlinge vor allem eines erreichen: eine persönliche Beziehung zu den Kollegen aufbauen. Das sei vielen Berufsanfängern nicht klar, sagt die Business-Trainerin Carolin Lüdemann aus Stuttgart: Die meisten gingen davon aus, dass sie sich durch ihr fachliches Können beweisen müssen. Tatsächlich könnten Auszubildende dieses aber überhaupt erst zeigen, wenn sie Zugang zu den Kollegen gefunden haben.

   Grundsätzlich sollte der oder die Neue deshalb aktiv auf die Kollegen zugehen und sich vorstellen. Wer dabei auch ein wenig Privates über seine Herkunft, seine Interessen und seinen Werdegang erzählt, zeige, dass er offen ist, und schaffe eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Auch der Chef freue sich, wenn man mit ihm plaudere.

   Bei der Kontaktaufnahme lauern aber auch Fallen. So warnen die Arbeitsweltexperten Christian Püttjer und Uwe Schnierda in einem Ratgeberbuch davor, sich früh von Unterstützern vereinnahmen zu lassen, die den Neuling mit offenen Armen empfangen. Ohne es zu bemerken, könne sich dieser einem Außenseiter anschließen und sich so isolieren – oder Teil einer Gruppe werden und so in Grabenkämpfe in der Abteilung hineingezogen werden.

   Um das zu vermeiden, sollten Azubis zu Beginn aufmerksam den Umgang der Kollegen beobachten, rät Lüdemann. Auf diese Weise lassen sich auch Abteilungsrituale erkennen, die sich über die Jahre entwickelt haben: Beispielsweise, ob es Firmenbrauch ist, dass der neue Azubi Kuchen und Sekt mitbringt – oder ob Alkohol im Büro verpönt ist.       dpa

Literatur: Christian Püttjer/Uwe Schnierda: Erfolgreich in der Probezeit. Campus Verlag, 9,90 Euro

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