Karriere : Deutschland Sucht Die Superuni

Wer Popstar werden will, muss nicht bei laufender Kamera vorsingen – er kann sich auch im Hörsaal fortbilden

Selina Byfield

Die einen atmen auf, die anderen fiebern schon der nächsten Staffel entgegen – gestern verabschiedete sich die TV-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ mit dem Finale in die Sommerpause. Bis zur nächsten Castingshow, wenn wieder Badewannentalente und unentdeckte Popsterne um den heiß begehrten Plattenvertrag wetteifern. Dabei können angehende Musiker ihrer Bühnenkarriere auch anders auf die Sprünge zu helfen.

Der Künstlerische Direktor der Popakademie Baden-Württemberg, Udo Dahmen, ist überzeugt, dass seine in Mannheim ansässige Schmiede den „kreativen Humus“ schafft, auf dem viel versprechende Talente gedeihen. Der Mann sollte es wissen, immerhin ist der Schlagzeuger wohl der einzige deutsche Hochschulprofessor, der mehrere goldene Schallplatten gewonnen hat.

Drei Jahre dauert das Akademiestudium „Popmusikdesign“, das mit einem staatlich anerkannten Bachelor of Arts abschließt. Es richtet sich an Sänger, Instrumentalisten, Komponisten, Songschreiber, Discjockeys und angehende Produzenten. Neben individuellem Instrumentalunterricht und Bandcoachings müssen die Studenten auch musiktheoretische Klausuren schreiben und die Grundlagen des Musikbusiness pauken. Schließlich sollen die Absolventen wissen, wie man sich im Web 2.0-Zeitalter selbst vermarkten kann. Des weiteren sind gute Branchenkontakte für den Erfolg unverzichtbar. Deshalb setzt die Popakademie auch bei den Dozenten auf erfolgreiche Profis, darunter der ehemalige Chef von Universal Music, Heinz Rudolf Kunze und Mitglieder der Band „Söhne Mannheims“. „Wer schlau ist, baut sich Netzwerk auf, das direkt in die Branche führt“, sagt Popakademie-Referent Matthias Krebs.

Das Konzept scheint aufzugehen. Drei Jahrgänge hat die Popakademie bereits auf den Markt entlassen, die meisten können laut Krebs von der Musik leben: „Absolventen der Popakademie spielen mit bekannten Künstlern auf Tour und im Studio, Bands wie ‚My Baby Wants To Eat Your Pussy'' oder Konstantin Gropper und sein Musikprojekt ‚Get well soon'' sind international bekannt.“ Vor dem kommerziellen Erfolg müssen die Musiker jedoch erst einmal die Hürde der Aufnahmeprüfung nehmen. Jährlich nimmt die Akademie nur etwa 30 von rund 700 Bewerbern auf.

Wer einen Studienplatz ergattert, muss 500 Euro Semestergebühren zahlen. Als so genannte Public Private Partnership finanziert sich die Akademie darüber hinaus aus öffentlichen und privaten Mitteln. Mehrheitsgesellschafter sind das Land Baden-Württemberg und die Stadt Mannheim, aus der Branche ist Universal Music vertreten, Emi Music Publishing und der TV-Sender MTV sind feste Kooperationspartner.

Die Hamburg School of Music dagegen muss ohne öffentliche Förderung auskommen – obwohl die staatlich anerkannte Berufsfachschule schon seit zehn Jahren im Geschäft ist und ebenfalls bekannte Musiker wie Roger Cicero zu ihren Unterstützern zählt. „Unsere Schüler werden in den Bereichen Rock, Pop und Jazz ausgebildet“, sagt Referentin Stefanie Koch. „Damit erlangen sie vielfältige musikalische Fähigkeiten und können ihre Leidenschaft erfolgreich zum Beruf machen.“ Schwerpunkt der zweijährigen Ausbildung ist der Unterricht in einem Haupt- und einem Nebeninstrument. Weitere Fächer sind etwa Komposition und Arrangement, Songwriting und Produktionstechnik. Allerdings kostet die Ausbildung 430 Euro im Monat, die Teilnehmer können jedoch Bafög beantragen.

Wer den Traum von der Studio- und Bühnenkarriere durch ein zusätzliches Standbein absichern will, kann ein weiteres Jahr dranhängen und das Fach Musikpädagogik belegen. Außerdem können die Absolventen an der britischen University of Plymouth innerhalb eines Jahres ihren Bachelor of Music machen. Bis zum Master dauert es zwei Jahre. Ab Oktober 2010 startet außerdem der Weiterbildungslehrgang „International Pop Professional“. Er ist für Profimusiker gedacht, die ihr Repertoire um weltmusikalische Genres wie Flamenco, Cuban Style oder Balkan Beats erweitern wollen.

Und wie steht es um die popmusikalische Ausbildung in der Kreativschmiede Berlin? Seit zwei Jahren betreibt der Musikdienstleister „Music Support Group“ (MSG) in der Hauptstadt einen Standort seiner „Deutschen Pop“-Schule. Ursprünglich bildete Firmengründer Rüdiger Veith vor allem den eigenen Nachwuchs im Bereich Tontechnik und Komposition aus. Erst später gründete er die offene Akademie mit verschiedenen Musik- und Medienlehrgängen. In Berlin kann man seit 2007 unter anderem die Lehrgänge „Songwriter“ und „Profimusiker“ belegen. Ähnlich wie an der Popakademie kombinieren die Betreiber dabei die musikalische Förderung mit Kursen zum Musikgeschäft. Das Unterrichtskonzept ist jedoch offener gestaltet und irgendwo zwischen einem Hochschulstudium und der Musikschule einzuordnen.

„Wer zu uns kommt, sollte schon C-Dur von E-Moll unterscheiden können“, erklärt der Berliner Standortleiter Christian Woelki. „Unser Angebot richtet sich zum Beispiel an berufstätige Hobbymusiker, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen, aber während der Ausbildung weiter ihrem Job nachgehen wollen.“

Deshalb können die Teilnehmer wählen, ob sie die Ausbildung zwei Jahre lang in Vollzeit absolvieren oder nacheinander einzelne Kursmodule belegen wollen. Mit bis zu 1800 Euro pro Modul ist das Angebot allerdings auch relativ kostspielig. Ob sich die Investition lohnt, bleibt abzuwarten. „Da sich die meisten Teilnehmer bislang für das Teilzeitmodell entschieden haben, dauert es noch eine Weile, bis wir die Erfolge der ersten Absolventen messen können.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben