Karriere : Die Energie-Kontrolleure kommen

Der Energieausweis für Gebäude stellt ab 2008 neue Anforderungen an Architekten, Planer und Verwalter

Silke Zorn

Im Juli 2008 kommt er – der neue Energieausweis. Eine entsprechende Novellierung der Energieeinsparverordnung beschloss das Bundeskabinett vergangene Woche. Käufer und Mieter von Häusern und Wohnungen sollen so mehr Informationen über die zu erwartenden Heizkosten erhalten. Für alle am Bau und an der Vermietung Beteiligten heißt es jetzt: Lernen, wie sich die neuen Regelungen in der Praxis auswirken.

„Wichtig sind diese Kenntnisse natürlich einerseits für Architekten, Ingenieure und andere Bauexperten, die den Ausweis künftig ausstellen“, sagt der Diplom-Ingenieur Holger Krämer, „andererseits aber auch für Kollegen, die zum Beispiel für Immobilienverwaltungen arbeiten, und den Energiepass beantragen müssen.“ Krämer ist Geschäftsführer des Ingenieurbüros Sumbi Ingenieure in Hamburg und bildet unter anderem Energieberater für die Architektenkammern Hamburg und Kiel aus. Auch für ein Seminar des Verlages Dashöfer zum Energieausweis, das am 11. September in Berlin stattfindet (siehe Infokasten) schlüpft er in die Dozentenrolle.

Im Architekturstudium gehöre energieeffizientes Bauen zwar zum Lehrplan, aber die Vertiefung in Richtung Energieberatung erfolge nur auf freiwilliger Basis, sagt Holger Krämer. „In meinen Kursen merke ich dann immer wieder, dass erstaunlich viele Architekten hier mit großer Unsicherheit hantieren.“ In Zukunft wird entsprechendes Know-how aber wohl unverzichtbar sein: Experten gehen von über zwei Millionen Energiepässen aus, die allein im Jahr 2008 ausgestellt werden.

Ziel des Ausweises: Mieter und Käufer von Immobilien sollen den Energieverbrauch besser einschätzen können. Das soll den Vergleich erleichtern, Eigentümer zu Modernisierungen veranlassen und zum Klimaschutz motivieren. Wer eine Wohnung oder ein Haus neu vermieten oder verkaufen will, das vor 1965 gebaut wurde, muss den Interessenten ab Juli 2008 den Energiepass vorlegen. Besitzer jüngerer Immobilien können sich bis Anfang 2009 Zeit lassen. Inhaber von Büros oder Werkstätten brauchen den Energiepass erst ab Sommer 2009.

Unterschieden wird außerdem zwischen zwei Ausweistypen: Für alle nach 1977 gebauten Häuser und für große ältere Häuser reicht ein so genannter Verbrauchsausweis. Er gibt nur den Energieverbrauch der bisherigen Bewohner für die letzten drei Jahre an. Kleinere Häuser mit bis zu vier Wohnungen, die vor 1977 gebaut und nicht modernisiert wurden, müssen dagegen ab Oktober 2008 einen so genannten Bedarfsausweis haben: Für ihn untersuchen Techniker den kompletten Energiebedarf des Hauses.

„Gerade diese Bedarfsberechnungen sind sehr komplex“, sagt Holger Krämer. Es gebe nicht nur Unterschiede zwischen Wohn- und Nichtwohngebäuden, sondern auch zwischen Neubauten und dem so genannten Bauen im Bestand. „In einem Tagesseminar kann man sich darüber natürlich nur einen ersten Überblick verschaffen“, meint der Experte. Und so geht es in dem eintägigen Workshop des Verlages Dashöfer vor allem um entsprechende Basisinformationen zu Voraussetzungen, Berechnungsverfahren, Kosten und wichtigen Fristen rund um den Energieausweis.

Auch das Seminarprogramm der Architektenkammer Berlin wird von den neuen Anforderungen in Sachen Energieeffizienz geprägt. „Wir bieten Tageskurse, aber auch umfassende Lehrgänge zum Thema an“, sagt Andrea Lossau, Referentin für Aus- und Fortbildung der Architektenkammer Berlin. Ein Basisseminar am 23. Oktober gibt zum Beispiel einen Überblick über die neue Energieeinsparverordnung und die Konsequenzen für Planung und Ausführung. Ein Kurs am 6. November befasst sich mit dem Energieausweis beim Bauen im Bestand – gerade in Berlin das Haupteinsatzfeld für Architekten. Weitere Lehrgänge folgen.

Wichtig zu wissen: Wer den Ausweis künftig ausstellen will, für den ist eine Weiterbildung unter Umständen sogar verpflichtend. „Voraussetzung ist, dass man entweder nach dem Landesbaurecht bauvorlageberechtigt ist, im Studium einen Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen gesetzt hat oder entsprechende Berufserfahrung mitbringt“, fasst Andrea Lossau die Vorgaben der Energieeinsparverordnung zusammen. „Ist dies nicht der Fall, muss eine erfolgreiche Fortbildung nachgewiesen werden.“ mit AFP

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