Karriere : Die Kleidermacher

In der Modebranche sind nicht nur Kreative gefragt, sondern auch Verkäufer und Manager

Die Modewelt übt auf viele Menschen einen großen Reiz aus. Über die konkreten Berufsbilder wissen jedoch nur wenige Bescheid. Dabei gibt es für Modeinteressierte, die in der Branche arbeiten möchten, vielfältige Möglichkeiten.

Die klassischen Bekleidungsberufe hängen eng mit der Verarbeitung von Textilien zusammen. „Typische Berufsbilder sind der Modenäher, Modeschneider und der Bekleidungstechniker“, erläutert Walter Holthaus, Geschäftsführer im Gesamtverband der Deutschen Maschen-Industrie in Stuttgart. „Modenäher und Modeschneider beherrschen alle Facetten des Nähens“, sagt Holthaus – von der Bedienung der unterschiedlichen Nähmaschinentypen bis zum Fertigen von Kleidungsstücken. Die zweijährige Ausbildung zum Modenäher sei die Vorstufe zum Modeschneider, der den Beruf drei Jahre erlernt.

Als noch qualifizierter gilt der Bekleidungstechniker. „Er ist ein Allrounder. Er muss das nötige textile Fachwissen haben und hat gleichzeitig auch betriebswirtschaftliche Aufgaben“, erläutert Holthaus. So sei er dafür verantwortlich, dass die Produktionsabläufe sachgemäß ablaufen. Da die meisten Modeunternehmen ihre Produktionsstätten im Ausland haben, sei er häufig auf Reisen.

„Der Beruf des Modedesigners zählt nach wie vor zu den beliebtesten Berufen beim Nachwuchs“, sagt Bettina Maurer von der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ in Frankfurt am Main. Rolf Rautenberg, Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, weiß, was Interessenten für den Job mitbringen müssen: „Die drei wichtigsten Eigenschaften für einen Modedesigner sind ein gutes gestalterisches Gefühl, technisches Verständnis und kaufmännisches Talent.“ Ein sicherer Umgang mit Farben und Materialien sei ebenfalls wichtig. Entgegen den gängigen Vorstellungen muss ein Modedesigner nach Angaben von Rautenberg nicht perfekt zeichnen können.

Wichtiger sei, dass er es schaffe, Kreativität und technisches Know-how zu verbinden. „In Deutschland gibt es etwa 100 Ausbildungsstätten für Modedesigner“, sagt Claudia Ollenhauer-Ries vom Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer (VDMD) in Würzburg. Dazu zählen Berufsschulen, private Akademien, und Hochschulen.

Ebenfalls weit oben in der Beliebtheitsskala stehen der Mode-Einkäufer und der Produktmanager. „Bei beiden Berufsbildern gibt es verschiedene Wege für einen Einstieg“, erläutert Bettina Maurer.

Der klassische Einstieg in den Einkauf sei eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Je nach Unternehmen könne man dann ein Traineeprogramm belegen oder sich hocharbeiten. Auch BWL-Studenten haben die Chance auf eine Position im Einkauf. „In der Modebranche wird ein Hochschulabschluss heute immer wichtiger“, sagt Maurer. Wer als Produktmanager für ein Modeunternehmen arbeiten möchte, hat die Möglichkeit, Textilmanagement zu studieren. Maurer rät den Studenten zu Praktika: „Die Modebranche ist ein praktisches Geschäft. Hier läuft vieles über ’Learning by doing’.“ Weniger bekannt, aber nicht weniger wichtig sind nach Einschätzung von Rolf Rautenberg die Berufsbilder des Stylisten und des Trendscouts. Der Stylist arbeite meist für Firmen, Werbung oder Magazine. Er stellt Kleidung so zusammen, dass ein moderner Look entsteht. Trendscouts sind nach Aussage des Experten häufig bei großen Modekonzernen beschäftigt oder arbeiten für Trendagenturen. Sie seien häufig Modedesigner. Sie machen Fotos von den Besuchern der internationalen Modenschauen oder suchen in Clubs und auf der Straße nach neuen Trends.

Obwohl viele Firmen Umsatzrückgänge verzeichnen und in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut haben: Die Jobperspektiven sind gut, sagt Bettina Maurer. „Besonders auf dem Gebiet der technischen Modeberufe herrscht ein regelrechter Fachkräftemangel.“ dpa

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