Karriere : Die kleinen Unterschiede

Frauen machen schneller Karriere

T. Knipper

Eine Untersuchung des Stellenportals Experteer hat ergeben, dass Frauen auf der Karriereleiter zügiger nach oben steigen als ihre männlichen Kollegen. Eine Auswertung der 900 000 Datensätze der Experteer-Mitglieder zeigt, dass sie über alle Karrierelevel hinweg durchschnittlich zwei Jahre jünger sind als Männer. Als Begründung dafür wird der Wehr- oder Zivildienst herangezogen. Dies erklärt aber nur ein Jahr Rückstand. Der Altersunterschied wird zudem auf höherem Level größer: Berufseinsteigerinnen sind nur ein Jahr, Geschäftsführerinnen im Mittelstand dagegen schon drei Jahre jünger als Männer auf derselben Ebene.

Experten zufolge legen Frauen ein hohes Karrieretempo vor, um Familie und Karriere zu vereinbaren. „Jede berufliche Unterbrechung oder Arbeitszeitverminderung birgt das Risiko eines Karriereknicks, da Karrieren meistens kontinuierliche Vollzeitarbeit voraussetzen", schreiben die Soziologinnen Kathrin Leuze und Alessandra Rusconi vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in ihrer aktuellen Studie. Je höher die Position vor der Geburt, desto kleiner fällt der Knick aus.

Keine Vorteile bringt den Frauen ihr höheres Tempo indes beim Gehalt. Im Gegenteil: Geschäftsführerinnen verdienen laut Experteer im Schnitt 17 400 Euro weniger im Jahr. Laut der WZB-Studie ist die generell große Gehaltslücke zum Teil selbst verschuldet, weil Frauen zu häufig „Frauenfächer“ wie Sprach- und Kulturwissenschaften studieren. Natur- oder Ingenieurwissenschaftler führten gerade in der Privatwirtschaft zu besser dotierten Jobs. Hinzu kommen Vorurteile der Arbeitgeber, die Frauen unterstellten, weniger karriereorientiert zu sein. T. Knipper

Beitrag aus der Juliausgabe der „Jungen Karriere“

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