Karriere : Die Zukunft liegt auf der Straße

Eine Ausbildung mit Perspektive: Es gibt immer mehr Verkehr – und viel Arbeit für Straßenbauer

Das „Bau-ABC Rostrup“ in Bad Zwischenahn bekommt regelmäßig eine frisch asphaltierte Zufahrt. Das freut Heinrich Els, den Geschäftsführer Technik beim Deutschen Asphaltverband in Bonn. Denn es sind Auszubildende im Straßenbau, die auf diese Art zeigen, was sie gelernt haben: Erst die alte Fahrbahn wegreißen, den Untergrund vorbereiten, dann Sand und Schotter mit abdichtendem Betumen mischen und schließlich eine neue, ebene Decke herstellen.

„Asphalt ist ein faszinierendes Material“, sagt Els. Er hofft, dass wieder mehr junge Leute seine Faszination teilen und sich im anstehenden Ausbildungsjahr für den Beruf des Straßen- und Tiefbauers entscheiden. Das „Bau-ABC Rostrup“ ist eines von mehreren überbetrieblichen Aus- und Fortbildungszentren einer Branche mit Nachwuchssorgen.

Insbesondere im Straßen- und Tiefbau wurden im vorigen Ausbildungsjahr händeringend Lehrlinge gesucht. Auch 2008 sind bundesweit und auch in einer Reihe von Berliner Unternehmen Nachwuchs-Straßenbauer gefragt.

„Die Bauwirtschaft hat ein großes Imageproblem“, sagt Helmut Schgeiner vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) in Berlin. Seit einem guten Jahrzehnt vermelde die Branche einen massiven Stellenabbau und deutliche Umsatzrückgänge. „Das setzt sich fest in den Köpfen“, klagt er. Dabei ist die Ausbildung interessant und bietet gute Zukunftschancen, sagt Bernd Rachow, Geschäftsführer für Bildungspolitik. Heinrich Els vom Asphaltverband ist sogar überzeugt, dass es „auf Jahrzehnte hin genug Arbeit“ im Straßenbau gebe – wegen des weiter wachsenden Verkehrs und wegen großen Nachholbedarfs beim Instandhalten von Straßen.

Der Beruf des Straßen- und Tiefbauers bleibe zwar eine handwerkliche Tätigkeit mit gelegentlichen körperlichen Belastungen, sagt Rachow. Aber er bestehe längst nicht mehr aus einfachen Handlangerarbeiten. Technische Hilfsmittel wie Mini-Bagger, Stampfer, Vibrationsgeräte und Walzen würden wo immer möglich eingesetzt. „Natürlich kommt man mit Schmutz und Erde in Berührung“, sagt er. Aber das halte sich in Grenzen.

Die Ausbildung ist breit angelegt: „Sie lernen nicht nur Pflastern“, betont Rachow. Neben dem Straßenbau stehe in der dreijährigen Lehrzeit auch der Kanal-, Rohr- und Brunnenbau auf dem Programm. Der Umgang mit Beton, Schalungen und Mauerwerk sei zudem eine „Grundtugend im Hochbau“. Ausgebildet wird in entsprechenden Schulen oder in Lehrfirmen und auch in überbetrieblichen Lehrgängen, wie sie das „Bau-ABC Rostrup“ anbietet. Über 90 Prozent der ausbildenden Betriebe sind laut Rachow kleine Mittelständler und können die von der Branche angestrebte Breite allein nicht vermitteln. In der Regel haben die Azubis einen Hauptschulabschluss, Rachow zufolge sind aber auch Realschulabsolventen gern gesehene Bewerber.

Vergütet wird die Lehre in Betrieben laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung im ersten Jahr mit durchschnittlich 490 Euro in Ost- und 571 Euro in Westdeutschland. Im zweiten sind es rund 684 beziehungsweise 887 Euro, im dritten im Schnitt 864 oder 1120 Euro. Wer die Lehre an einer Berufsfachschule absolviert, erhält keine Ausbildungsvergütung, kann aber BaföG beantragen.

Gefragt sei ein gutes mathematisch-naturwissenschaftliches sowie technisches Verständnis. „Auch eine Straße ist ein High-Tech-Bauwerk“, sagt Heinrich Els. Vermessen werde via GPS oder per Laser. Die Wasserdurchlässigkeit wird elektronisch kontrolliert. Auch ein Asphaltfertiger sei ein kniffeliges Gerät, das aufwändig zu warten ist. „Wir brauchen qualifizierte Leute, die mit großen Anlagen umgehen können, die schnell mal mehrere Hunderttausend Euro kosten“, sagt Helmut Schgeiner vom ZDB.

Wer nach der Ausbildung weiter kommen will, sollte Deutsch in Wort und Schrift sicher beherrschen. Bernd Rachow spricht von einem „erprobten Aufstiegskonzept“, in dessen Rahmen die Verantwortung des Beschäftigten auf den Baustellen stetig wachse. „Junge Menschen, die was auf dem Kasten haben, haben viele Chancen“, betont auch Helmut Schgeiner. Auch ohne Abitur sei es möglich, Bauingenieur zu werden oder mit dem Meisterbrief ein Unternehmen zu führen. Nach dem Facharbeiterbrief plus Berufspraxis folge oft ein Lehrgang zum Vorarbeiter. Daran schließe sich die Qualifikation zum Werkpolier an und später zum geprüften Polier. Wer seinen Meister macht, sei der „direkte Partner des Bauleiters“, erläutert Rachow.

Doch egal, welchen Berufsweg ein Bewerber am Bau letztlich einschlägt: Das Schönste daran sei, mit eigenen Augen zu sehen, was man geschafft hat. dpa

Wer sich über Ausbildungsmöglichkeiten in Berlin informieren will, kann das beim Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau unter Email: info@lehrbauhof.fg-bau.de oder unter Tel. 030/7238 96. Weitere Informationen im Internet gibt es unter www.bauberufe.net; www.bau-abc-rostrup.de; http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/index.jsp, Stichwort „Straßenbauer“

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