Doppeljobber : Nach Feierabend hinter’s Steuer

Wenn das Geld nicht reicht, muss ein Zweitjob her: Mehr als zwei Millionen Deutsche arbeiten nebenbei als Dozent, Trainer, Barkeeper oder Taxifahrer. Worauf man dabei achten sollte.

Katja Stricker
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Neben der »richtigen« Arbeit. Das Gros der Doppeljobber sind Akademiker, etwa Künstler, Wissenschaftler und Hochschullehrer, aber...Foto: dpa

Die einen tun es wegen des Geldes, die anderen suchen ein wenig Abwechslung zum Berufsalltag oder wollen sich nebenbei ein zweites Standbein aufbauen. Immer mehr Deutsche haben einen Zweitjob: Gut 2,2 Millionen Angestellte jobben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nach Feierabend. Das Gros der Doppeljobber sind Akademiker, etwa Künstler, Wissenschaftler und Hochschullehrer, aber auch Ärzte, Publizisten, Juristen, Lehrer, Buchhalter und Rechnungsprüfer, hat eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin ergeben. So bringt beispielsweise der Büroangestellte in seiner Freizeit Versicherungen unter die Leute, der Anwalt schreibt an den Wochenenden Artikel für Fachmagazine oder steht als Dozent im Hörsaal, und der Schauspieler bessert mit Kellnern sein Einkommen auf.

Damit der Nebenjob den Hauptjob nicht gefährdet, gilt es allerdings einige Spielregeln zu beachten: „Bevor ein Angestellter mit seinem Nebenjob loslegt, sollte er einen Blick in den Arbeitsvertrag seines Erstjobs werfen“, sagt Pia Alexa Becker, Fachanwältin für Arbeitsrecht in München. Denn sehr häufig finden sich dort Klauseln, nach denen die Nebentätigkeit vor der Aufnahme dem Chef mitzuteilen ist; seltener muss der Nebenjob ausdrücklich genehmigt werden. Gibt es solche Klauseln, sollte sich der Arbeitnehmer tunlichst daran halten. Sonst riskiert er eine Abmahnung oder gar Kündigung wegen Vertragsbruch. Pauschal verbieten dürfen Arbeitgeber Zweitjobs nicht. Entsprechende Klauseln im Arbeitsvertrag sind nichtig.

Steht zum Thema Nebentätigkeit nichts im Arbeitsvertrag, muss der Chef nicht informiert werden. Doch auch dann ist nicht jeder Zweitjob okay. Jobbt der Mitarbeiter etwa nebenher bei der Konkurrenz, darf der Chef das verbieten. „Auch wenn der Nebenjob die Leistungsfähigkeit des Angestellten beeinträchtigt, etwa wenn der Doppeljobber unter der Woche bis spät in der Nacht in einer Disco Cocktails mixt oder Platten auflegt und deshalb am nächsten Morgen im Büro kaum die Augen aufbekommt, muss das der Chef nicht tolerieren“, sagt Juristin Becker. Das gilt auch für ehrenamtliche und gemeinnützige Tätigkeiten. Strenger sind die Regeln für Angestellte im öffentlichen Dienst und Beamte: Sie sind immer verpflichtet, sich ihren Nebenjob von der Dienststelle genehmigen zu lassen.

Tabu ist der Zweitjob, wenn man im Hauptjob krankgeschrieben ist. „Da Arbeitsunfähigkeit verschiedene Ursachen haben kann, sind zwar theoretisch Konstellationen denkbar, in denen man im Hauptjob krankgeschrieben ist, aber den 400-Euro-Job durchaus noch machen kann“, sagt Becker. Zu empfehlen sei es aber nicht, „denn der Arbeitnehmer muss sich dann unter Umständen den Vorwurf gefallen lassen, die Krankheit nur vorzutäuschen oder die Heilung zu verzögern.“

Während des Urlaubs darf der Nebenjob weiterlaufen. Die Ferien im Hauptjob für einen zweiten Vollzeitjob zu nutzen, ist allerdings nicht in Ordnung. „Die freien Tage dienen der Erholung – schließlich werden sie deshalb ja auch von dem Arbeitgeber bezahlt“, so Becker. „Wer dagegen verstößt, riskiert eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung.“

Auch wenn der Boss nichts gegen den Zweitjob hat, darf nicht rund um die Uhr gearbeitet werden. Laut Arbeitszeitgesetz sind pro Woche maximal 48 Stunden und höchstens acht Stunden pro Tag erlaubt – für alle Jobs zusammen. Zweitjobber nutzen dies aus, auch über die Grenzen hinaus: Laut DIW arbeiten etwa 40 Prozent der Doppeljobber 46 und mehr Stunden, jeder fünfte sogar mehr als 51 Stunden pro Woche.

Damit sich das Jobben nach Dienstschluss finanziell lohnt, sollte der Zweitjob im Idealfall ein Mini-Job sein. In diesem Fall bleibt der Verdienst für den Arbeitnehmer abgaben- und steuerfrei. „Es gibt also brutto für netto", sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine. „Daher sind Mini-Jobs als Zweitjob ideal.“ Der Arbeitgeber zahlt pauschal 15 Prozent in die Renten-, 13 Prozent in die Kranken- und Pflegeversicherung und zwei Prozent an den Fiskus.

Wichtig ist, dass der Nebenjobber maximal 400 Euro im Monat verdient, sonst gilt die Abgabenfreiheit nicht mehr. Bekommen die anderen Mitarbeiter Weihnachtsgeld, hat auch der Nebenjobber Anspruch darauf. Liegt das monatliche Salär bereits bei 400 Euro und kommen im Dezember weitere 100 Euro Weihnachtsgeld dazu, wird man unfreiwillig mit dem Jahresverdienst abgabenpflichtig.

Wer mehr als 400 Euro im Monat nebenbei verdient, muss im Zweitjob eine zweite Steuerkarte mit der unattraktiven Klasse VI abgeben. Erst mal bleibt damit vom Nebeneinkommen nicht viel übrig. Wer etwa 500 Euro auf Steuerklasse VI verdient, bekommt 70 Euro Steuern abgezogen. Hinzu kommen noch rund 100 EuroSozialabgaben. „Da kriegt man bei der ersten Lohnabrechnung natürlich einen Schock, weil so wenig übrig bleibt“, sagt Steuerfachmann Nöll.

Bei der jährlichen Steuererklärung werden am Jahresende alle Einkünfte erfasst. So zahlen Nebenjobber mit Steuerkarte auf ihren Extraverdienst wegen des progressiven Steuertarifs einen höheren Steuersatz als auf das Gehalt aus dem Erstjob. „Der Zweitjob bringt dann keinerlei steuerliche Vorteile“, gibt Nöll zu Bedenken. Unter Umständen mache es daher Sinn, lieber etwas weniger zu arbeiten oder sogar auf etwas Stundenlohn zu verzichten, um unter der 400-Euro-Grenze zu bleiben. Steuerlich lohnend ist auch ein gemeinnütziger Nebenjob, etwa als Übungsleiter, Ausbilder, Chorleiter, Betreuer oder Kirchenmusiker. Die Aufwandsentschädigungen für solche Tätigkeiten sind bis zu 2100 Euro pro Jahr steuerfrei.

Wer seinen Zweitjob selbstständig ausübt – und das sind laut DIW fast die Hälfte aller Doppeljobber –, muss am Jahresende seine Gewinne mit Hilfe einer Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln – und diese in der Steuererklärung angeben. Sie werden, wie die Einnahmen aus dem Hauptjob, versteuert. Besonders einfach haben es nebenberufliche Journalisten, Künstler, Wissenschaftler oder Dozenten. Sie können pauschal 25 Prozent ihrer Einnahmen als Betriebsausgaben absetzen, maximal 612 Euro jährlich.

Beitrag aus der Novemberausgabe des Handelsblatt-Magazins „Junge Karriere“

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