Karriere : Eine Frage des Stils

Imageberater mit guten Fachkenntnissen verhelfen Führungskräften zum modischen Auftritt

Selina Byfield
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Da staunt die Kollegin. Farb- und Stilberater helfen Führungskräften auch beim Einkauf. Eine geregelte Fortbildung auf diesem...

Beate Gutke ist 45 und krempelt gerade ihr Leben um. „Manche nennen das Midlifecrisis. Ich sage, ich befinde mich im Umbruch.“ Sieben Jahre lang hat sie bei einem großen IT-Unternehmen gearbeitet, ein eigenes Team geleitet und gut verdient. Doch als die Firma ihr gegen eine ordentliche Abfindung die Entlassung anbot, beschloss sie, sich selbständig zu machen. Ihre Geschäftsidee: Neben klassischem Business-Coaching und Entspannungtechniken des Qigong will sie die Manager auch Tipps zu Stilfragen anbieten. Deshalb besucht sie eine Weiterbildung zur Imageberaterin.

„Denken Sie nur an all die Programmierer, die jahrelang mit Birkenstocks und Tennissocken vor ihren Bildschirm gesessen haben und plötzlich Projektleiter Kundenkontakt haben sollen“, sagt Gutke. „Da könnten viele eine Stilberatung gebrauchen.“

Ob angeleitete Shoppingtour oder Stilseminar für Vertriebsleiter – längst hat sich ein Markt für Dienstleistungen etabliert, die „Farb- und Typberatung“ heißen oder „Style-Coaching und Image Consulting“. Was jeweils dazu gehört, interpretiert jeder Experte anders. Die Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Angelika Enke vom Beratungsteam Imago Berlin erklärt: „Bei der Farbberatung werden Kleidung, Brille und Make-Up individuell auf Teint und Haarfarbe abgestimmt. Bei der Typ- und Stilberatung geht es um Körperformen, Schnitte und Materialien.“ Image-Consulting beziehe sich auf den Gesamtauftritt von Person und Firma. Hier prüfen die Profis nicht nur das Outfit, sondern auch, ob Designs von Visitenkarte und Internetauftritt zum Unternehmensprofil passen. Doch wie wird man eigentlich Berater in Sachen Farbe, Stil und Image?

Grundsätzlich gilt: Es gibt keine staatlich geregelte Aus- oder Weiterbildung. Wer sich für den Beruf interessiert, kann sich in zahlreichen Kursen Fachwissen aneignen. Umfang, Qualität und Preis sind allerdings sehr unterschiedlich. Das Angebot reicht vom Wochenendseminar bis zum mehrmonatigen Lehrgang mit Praxistraining.

Die Magdeburger Handwerkskammer etwa bietet einen viertätigen Lehrgang Farb- und Stilberatung an. Die Berliner Vital Kosmetikakademie verspricht, dass man in zwei Tagen über Farbe alles Wichtige lernen kann. „Danach können die Teilnehmer schon selbständig arbeiten“, sagt Akademieleiterin Steffi Umbreit.

Für selbständige Kosmetikerinnen, Friseure oder Modedesigner, die Stilberatungen als Zusatzleitung anbieten wollten, seien solche Kurs durchaus sinnvoll, sagt Nina Gerstenberg von der Stiftung Warentest. „Eine Fremdsprachensekretärin, die sich beruflich neu orientieren will, sollte jedoch zusätzlich ein Praktikum in der Modeboutique oder eben beim Stilberater zu machen“, so die Weiterbildungsexpertin. „Nur so bekommt man einen realistischen Eindruck, worauf es in diesem Beruf ankommt.“

Wer sich mehr Zeit für die Weiterbildung nehmen will, sollte die Kursangebote auf ihren Praxisbezug hin abklopfen. So kombiniert Imago Berlin alle Seminare mit einer dreimonatigen Übungszeit. In dieser Phase befindet sich auch Beate Gutke. Das achttägige Basismodul zur Farb- und Stillehre des Kompaktkurses „Imageberatung“ hat sie abgeschlossen. Ein sechstätiges Profimodul zu Themen wie Image, Beratungspsychologie und Kundenakquise folgt im Sommer.

Bis dahin muss sie zu Hause an mindestens zwölf verschiedenen Freiwilligen üben. Zum Test legt sie ihnen Farbtücher um und analysiert, ob das Modell Marlenehose vorteilhafter ist, als die Röhrenjeans. Ihre Ergebnisse schreibt sie auf, schießt Fotos, schickt die Dokumentationen an die Dozentin und bekommt ein telefonisches Feedback. „Ob man das auch nebenberuflich schafft, hängt wahrscheinlich vom Job und dem eigenen Durchhaltevermögen ab. Denn so eine Beratung nimmt schon einige Stunden in Anspruch“, so Gutke.

Die aufwändige Betreuung durch die Dozenten hat allerdings ihren Preis. Während die Handwerkskammer Magdeburg für vier Schulungstage 354 Euro verlangt, kostet der Imago-Kompaktkurs 3950 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Teilnehmerzahl ist pro Dozentin auf vier Personen begrenzt. Die Schulung findet an insgesamt 14 Tagen vor und nach den Praxismonaten statt.

Die Einzelseminare zur Farb- und Typberatung sind entsprechend günstiger. Grundsätzlich fallen jedoch Kosten für das Arbeitsgerät an, das viele Anbieter gleich mitverkaufen. Für Farbtücher, Materialproben und Stativ-Spiegel mit Lampen kommen leicht einige hundert Euro zusammen.

Die Weiterbildung zum Image Consultant an der Limburger Typ Akademie ist noch umfassender. Mit 8000 Euro ist sie aber am kostspieligsten. Für diesen Preis bekommt man ein auf zwei Jahre angelegtes Paket aus neun mehrtätigen Seminaren sowie vier praktischen Trainings.

Nach der Basisausbildung Farb- und Stilberatung belegen die Teilnehmer auch Kurse zu Themen wie Visagismus und Hairstyling. Die Abschlussarbeit beinhaltet einen schriftlichen Test und eine praktische Beratung. Das von der Akademie verliehene „Diplom“ ist allerdings ebenso wenig staatlich anerkannt wie alle anderen Abschlüsse dieser Art.

Ob Intensivkurs oder Langzeitausbildung – wer von der Arbeit als Stilberater leben will, muss zahlungskräftige Kunden gewinnen. Dafür hat Beate Gutke schon ein Konzept: „Ich halte zum Beispiel Vorträge an der Volkshochschule und nutze die Bühne zur Selbstvermarktung. Außerdem erzähle ich allen Bekannten davon – ob sie es hören wollen oder nicht.“

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