Karriere : Eine gute Wahl

Top-Arbeitgeber 2008 in Deutschland ist Carl Zeiss. Auch die Citibank und die Deutsche Bahn liegen in der Studie vorn

Gero Lawecki

Den ersten Kontakt zu ihrem späteren Arbeitgeber nahm Inge Glatz in der Schule auf. Genauer gesagt im Biologieunterricht. Durch ein Lichtmikroskop von Carl Zeiss beobachtete sie die Faserstruktur eines Blattes. „Das hat mir schon Spaß gemacht. Aber was genau hinter der Marke Zeiss steckt, wusste ich damals noch nicht“, sagt die 27-Jährige.

Mittlerweile ist Glatz im Bilde. Seit Dezember 2007 absolviert sie ihr 15-monatiges Traineeprogramm Finance & Controlling in Oberkochen. Dort, im beschaulichen Ostalbkreis in Baden-Württemberg, hat die Unternehmensgruppe Carl Zeiss, die in der optischen und optoelektronischen Industrie zur Weltspitze zählt, ihren Hauptsitz.

Carl Zeiss ist nicht nur Weltspitze, sondern auch der „Top-Arbeitgeber Deutschland 2008“. Den Titel vergibt die Corporate Research Foundation (CRF) gemeinsam mit Handelsblatt Junge Karriere. Die nächsten Plätze auf dem Podest sicherten sich die Deutsche BP und die Citibank. Weitere Top-Arbeitgeber sind unter anderem Bosch-Rexroth, Sanofi-Aventis und die Bausparkasse Schwäbisch Hall (siehe Tabelle).

88 Unternehmen hatten sich in der Studie für den Härtetest der Corporate Research Foundation qualifiziert. Gute Gehälter allein reichen längst nicht mehr, um zufriedene und hochmotivierte Mitarbeiter zu finden und zu binden. Die Analyse basiert auf einem Erhebungsbogen mit insgesamt 101 Fragen. „Unter anderem wurde die Analyse der Bereiche Entwicklungsmöglichkeiten, Jobsicherheit und Unternehmenskultur verstärkt und erstmals untersucht, wie gut beispielsweise die Firmen bei der Nachfolgeplanung der strategisch wichtigen Stellen oder auch in dem Bereich Knowledge-Management aufgestellt sind", erklärt CRF-Projektleiterin Gitta Haßenbürger. Alle Antworten wurden in den sechs Hauptkategorien Vergütung, Marktführerschaft, Work-Life-Balance, Jobsicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und Klima & Kultur zusammengefasst.

Für Carl Zeiss ist die Auszeichnung Lohn kontinuierlicher Personalarbeit. „Die Auszeichnung bestätigt unser Engagement, im Wettbewerb um die besten Talente ganz vorne dabei zu sein“, sagt Zeiss-Vorstandschef Dieter Kurz. „Carl Zeiss wird von jungen Leistungsträgern als Top-Adresse angesehen, weil unsere Internationalität und die Stärke unserer Marke im globalen Wettbewerb hervorragende Entwicklungschancen bieten.“

In allen Kategorien sammelte das Unternehmen Bestnoten ein. „Das zeigt, dass unsere Bemühungen fruchten“, sagt Personalchef Bernhard Just. Unter anderem hat Zeiss im vergangenen Jahr das neue Traineeprogramm eingerichtet, das nun auch Inge Glatz durchläuft. Während der gesamten Ausbildung stehen ihr ein Mentor sowie verschiedene Paten zur Seite. Ihre erste dreimonatige Station hat die BWL-Absolventin der Fachhochschule Konstanz gerade hinter sich gebracht – in der Industriellen Messtechnik (IMT). Die dort entwickelte Technologie kommt im Automobilbau zur Anwendung.

Für drei Monate wird Glatz für Zeiss in Minneapolis (USA) arbeiten. „Mir war wichtig, dass ich internationale Erfahrungen machen kann“, sagt sie. Diese Chance bietet sich ihr in vielen Facetten: 15 Produktionsstandorte hat Zeiss in Europa, Nord- und Mittelamerika und Asien. Dazu kommen noch 30 Vertriebsgesellschaften weltweit.

Die Internationalität seines Arbeitgebers weiß auch Andreas Seibold zu schätzen. In Holland war er schon, in einigen Monaten geht er nach England. Seine berufliche Heimat ist die Energiebranche. Der 29-jährige Wirtschaftsingenieur, der zudem einen Master in International Business vorweisen kann, arbeitet für die Deutsche BP, die in der Studie den zweiten Platz belegt. Die Freude über die gute Platzierung teilt er mit einem Vorgesetzten. „Das haben wir wirklich toll gemacht“, sagt Michael Schmidt, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor. Für 2008 sucht die Deutsche BP mindestens 50 Hochschulabsolventen. „Wen wir jetzt einstellen, der hat seinen Job natürlich längerfristig sicher.“ Daran ändere auch die jüngste Entscheidung des Mutterkonzerns, weltweit 5000 Stellen abzubauen, nichts.

Andreas Seibold wechselt im Sommer ins BP-Handelszentrum nach London. Der Raffinerieplaner in Lingen (Emsland) hat derzeit aber noch eine andere Aufgabe: Er muss mit den Vertriebskollegen in London und Bochum abstimmen, welche Mengen und Sorten von Rohöl für die Herstellung unterschiedlicher Produkte in der Raffinerie benötigt werden. Der tägliche Gesamtbedarf liegt bei 12 000 Tonnen Rohöl. Für die Produktion kommen bis zu 20 verschiedene Angebote in Betracht. Eine südamerikanische Sorte Rohöl enthält aber zehn Prozent Benzin, eine in der Nordsee geförderte Sorte hingegen 40 Prozent. „Deshalb muss der Rohölmix genau berechnet werden, damit die vereinbarten Produktmengen in den Verkauf kommen.“ Seibold schwärmt von seiner Branche: „Das Erdöl- und Energiegeschäft ist sehr reizvoll. Immerhin ist es täglicher Spielball der Weltpolitik.“ Was Seibold an seinem Arbeitgeber noch so schätzt: „Vom ersten Tag an habe ich viel Verantwortung übernommen.“

Christiane Rennenberg hat bei der Citibank, der Nummer drei im Ranking der „Top-Arbeitgeber 2008“, Ähnliches erlebt. Schon als Praktikantin nach dem Studium konnte sie relativ eigenständig arbeiten, erzählt die studierte Betriebswirtin. Seit 2005 ist sie fest angestellt, kümmert sich von Düsseldorf aus um die Betreuung der Kreditkartenkunden – und kann ihre Kreativität einbringen. Auf Rennenberg und einen ihrer Kollegen geht die Idee zurück, bei Vorlage der Citibank-Kreditkarte in einem Designer-Outlet einen 25-Euro-Gutschein zu bekommen. Besonders gut gefällt der 27-Jährigen das Betriebsklima. Und das ist länderübergreifend gut. Als sie im Februar 2007 für sechs Monate nach Moskau wechselte, um die russischen Kollegen bei der Einführung einer neuen Kreditkarte zu unterstützen, gingen diese mit ihr sofort eine dickere Winterjacke kaufen. Denn in Moskau herrschten zu diesem Zeitpunkt minus 24 Grad Celsius. Aber auch im Rheinland stimmt der Zusammenhalt. In ihrer Freizeit trifft sich Christiane Rennenberg häufig mit Kolleginnen. „Karneval haben wir natürlich auch zusammen in Düsseldorf gefeiert.“

Die Vorzüge einer Landeshauptstadt kann das kleine Oberkochen nicht bieten. Dafür punktet der Carl-Zeiss-Hauptsitz mit seiner familiären Campus-Atmosphäre und die 68 000-Einwohner-Stadt Aalen ist nur wenige Kilometer entfernt. Elektroingenieur Peter Christ, 29, der in Dortmund studierte und als Zeiss-Entwickler in der OP-Technik arbeitet, sagt: „Wer neu dazukommt, wird sofort integriert. Wir arbeiten hier mit einem Japaner und einem US-Amerikaner zusammen und das Team ist super.“

Das Einstiegsgehalt für Hochschulabsolventen liegt bei Zeiss zwischen 40 000 und 55 000 Euro. Gute Bezahlung und Entwicklungschancen sind für High Potentials aber nur eine Seite der Medaille. Für Maschinenbauingenieur Thomas Meenken war ein anderer Aspekt bei der Wahl des Arbeitgebers wichtiger: „Carl Zeiss ermöglicht es mir, Familie und Job unter einen Hut zu bringen.“ Seit Januar ist er Vater einer Tochter. Nun schätzt er die Gleitzeit und die betriebseigene Kindertagesstätte ganz besonders.

Beitrag aus dem Handelsblatt-Magazin „Junge Karriere“

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