Elektrotechnik : Sie sehen sonnigen Zeiten entgegen

In Bereichen wie Anlagenbau, Elektrotechnik und Mechatronik haben Azubis gute Übernahmechancen.

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Solarenergie gehört zum Energiemix der Zukunft. Eine Lehre als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik ebnet den Weg in die Berliner Wachstumsbranche – auch wenn die Jobbezeichnung erstmal nicht so sexy klingt.Foto: picture-alliance/dpa
Solarenergie gehört zum Energiemix der Zukunft. Eine Lehre als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik ebnet den...Foto: picture-alliance / dpa

Während die Auszubildenden 2010 gerade in ihre Lehre gestartet sind, steht der nächste Jahrgang längst in den Startlöchern – zumindest im Idealfall. „Wir versuchen heute, die Kinder früher abzuholen als es noch vor ein paar Jahren üblich war“, sagt Erik Benkendorf von der Bundesagentur für Arbeit in Berlin. „Unsere Berufsberater gehen in die Schulen und sprechen schon mit Siebtklässlern über Beruf und Ausbildung, anfangs spielerisch natürlich. Aber mit zunehmendem Alter wird die Frage nach dem ‚was will ich mal werden‘ bei den Jugendlichen immer konkreter.“

In erster Linie gehe es darum, die eigenen Stärken herauszuarbeiten – und damit seien nicht nur die rein akademischen Fähigkeiten gemeint, sondern auch Stärken des tägliches Lebens wie Wortgewandtheit, Organisationstalent oder soziales Engagement. Auch Hobbies, Talente und sprachliche Kenntnisse jenseits von Deutsch und Schulenglisch spielen heute in der Berufsberatung eine Rolle, betont Benkendorf. „In einer Stadt wie Berlin sind zum Beispiel Kenntnisse in Türkisch oder Russisch für eine Karriere im öffentlichen Dienst von Vorteil.“

Zwar stehen Verwaltungsberufe nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste der meisten Ausbildungsplatzsuchenden. Aber bei näherem Hinsehen ist der öffentliche Dienst gar nicht mal so uninteressant. „Jugendliche orientieren sich in ihren Berufswünschen allerdings oft an der Welt, die sie umgibt“, sagt Erik Benkendorf. Auch das Fernsehen spiele dabei eine Rolle. „Je nachdem, was gerade erfolgreich ist, haben viele plötzlich den Wunsch, Koch oder Innenarchitekt zu werden.“ Oft machten sich Jugendliche aber falsche Vorstellungen vom Wunschberuf. Hier kämen dann wieder die Berufsberater ins Spiel, die vor Fehlentscheidungen bewahren können. „Niemand wird schließlich mit einem Beruf glücklich, für den er oder sie nicht geeignet ist.“

In Berlin gibt es zwar trotz Fachkräftemangel und Geburtenrückgang nach wie vor mehr Ausbildungsplatzsuchende als freie Ausbildungsstellen. Aber immerhin decken sich die Berufswünsche weitestgehend mit der Marktsituation, wie eine aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Demnach sind vor allem Dienstleistungsberufe gefragt, wie Kaufmann / Kauffrau im Einzelhandel, Bürokaufmann / Bürokauffrau oder Medizinischer Fachangestellter / Medizinische Fachangestellte. Wer auf der Suche nach einem Beruf mit Zukunftschancen ist, sollte darüber hinaus aber im gewerblich-technischen Bereich suchen – und über die Stadtgrenzen hinaus, wie Christoph von Knobelsdorff, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin meint. „In Bereichen wie Anlagenbau, Elektrotechnik oder Mechatronik haben Auszubildende gute Übernahmechancen“, sagt er. Hier habe Berlin einerseits Wachstumspotenzial, andererseits sei auch gerade hier künftig mit Fachkräftemangel zu rechnen.

Ähnlich beurteilt auch Katharina Schumann, Leiterin der Bildungsberatung bei der Handwerkskammer, die momentane Marktsituation– wobei sie betont, dass in den handwerklichen Betrieben überall Auszubildende gesucht werden. „Viele Jugendliche kennen nur leider eine ganze Reihe von Berufen nicht“, sagt sie. Das habe damit zu tun, dass sie im Alltag nicht mit ihnen in Berührung kommen. Auch seien viele eher an einer Ausbildung bei einem großen Unternehmen wie Siemens oder BMW interessiert als in einem Handwerksbetrieb.

Dabei könne es gerade hier sehr abwechslungsreich und spannend sein. So biete eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik eine Zukunft in der Berliner Wachstumsbranche Solarenergie – auch wenn die Jobbezeichnung auf den ersten Blick nicht sehr sexy klingt. „Oft schrecken die Bezeichnungen ab oder ziehen die falschen Bewerber an“, sagt Schumann. Wer vermutet schließlich hinter der Kauffrau für visuelles Marketing die Schaufenstergestalterin oder hinter dem Kaufmann für Dialogmarketing den Call-Center-Mitarbeiter? Eine Ausbildung im Handwerk kann einem später ganz unterschiedliche Berufschancen ermöglichen, so Schumann. „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“

Darüber hinaus gibt es für Berlin klare Wachstumsbranchen, in denen die unterschiedlichsten Fähigkeiten gebraucht und ganz verschiedene Berufsbilder vereint werden. Zu den zukunftsträchtigsten Sparten zählt Erik Benkendorf Bio-Technologie, Pharma, Alternative Energien, die Kreativwirtschaft, sowie Dienstleistungen in Tourismus und Gastronomie. „Hier ist das Wachstumspotenzial groß“, sagt er.

Egal, wofür sie sich letztendlich entscheiden: Jugendliche sollten wissen, dass sie neben guten Basiskenntnissen und den Grundtugenden wie Pünktlichkeit und ordentliches Auftreten auch Neugierde, Offenheit und Teamfähigkeit mitbringen sollten, betont Christoph von Knobelsdorff.

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