Karriere : Europas beste Unis

In einer neuen Serie stellt der Tagesspiegel am Sonntag die besten Hochschulen und die wichtigsten Länder für den Wirtschafts-Master im Ausland vor. Heute: Die Top-Adressen in Großbritannien.

Ulrike Fricke[Dorothee Heitze]

Dass mehr Studenten einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen, ist Ziel des so genannten Bologna-Prozesses. Dafür werden überall in Europa Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt und die Studienleistungen mit Kreditpunkten bewertet. Doch in den kurzen Bachelorstudiengängen bleibt oft wenig Zeit für einen Auslandsaufenthalt, so dass sogar weniger Leute für ein Semester die Koffer packen als in den alten Diplomstudiengängen. Eine Riesenchance, den verpassten Auslandsaufenthalt nachzuholen, ist es, den Master gleich ganz im Ausland zu absolvieren. Ohnehin sind unsere Nachbarn teilweise um einiges weiter als die deutschen Hochschulen, wenn es um die Entwicklung von spezialisierten Masterprogrammen geht.

Der Tagesspiegel am Sonntag stellt in einer Serie die wichtigsten Länder und die besten Schulen für einen Master im europäischen Ausland vor: Da es den Rahmen sprengen würde, das gesamte Fächerspektrum abzudecken, konzentrieren wir uns auf wirtschaftswissenschaftliche Programme. Doch auch für Bachelors, die ihren ersten Abschluss in einem anderen Fach gemacht haben und nun die Grundbegriffe des Managements draufsatteln wollen, bietet das Ausland – insbesondere Großbritannien und die Niederlande – gute Möglichkeiten, einen allgemeinen Wirtschaftsmaster zu machen.

Ulrike Fricke, Dorothee Heitze

EIN MASTER VON DER INSEL

Zahlreiche britische Hochschulen haben einen hervorragenden Ruf, nicht nur die Elite-Unis Oxford und Cambridge. Leider müssen Studenten für die Studiengebühren und die Lebenshaltung vergleichsweise viel Geld einplanen.

Vor einiger Zeit sorgte eine Meldung für Aufregung: Die britischen Hochschulen würden den dreijährigen deutschen Bachelor nicht für ein Masterstudium anerkennen, hieß es. Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet: Mit deutschen Bachelorabsolventen habe man sehr gute Erfahrungen gemacht, heißt es übereinstimmend aus den britischen Universitäten.

Die endgültige Auswahl treffen die Hochschulen aber selbst. Voraussetzung für die Aufnahme ist in der Regel mindestens ein „Upper Second Class Degree“ (entspricht etwa einem guten Zweierschnitt), der Nachweis von sehr guten Englisch-Kenntnissen und teilweise ein Graduate Management Admission Test (GMAT) oder eine Graduate Record Examination (GRE). Referenzen, etwa von Professoren, sind keine Formsache, sondern spielen eine wichtige Rolle im Auswahlprozess. Bei der Suche nach dem richtigen Programm sollte die umfangreiche Datenbank unter www.prospects.ac.uk, der offiziellen Seite für Graduierte des Higher Education Careers Services Unit (HECSU), die erste Anlaufstelle sein. In Großbritannien wird zwischen „Taught Master“ und „Research Master“ unterschieden. Der „Taught Master“ besteht vor allem aus Kursen und Vorlesungen und ist stärker anwendungsorientiert, die Abschlüsse sind meist der Master of Science (MSc) oder der Master of Arts (MA). Im „Research Master“ wird stärker auf eigenständige Forschungsarbeit gesetzt, die Abschlüsse sind oft Master of Philosophy (MPhil) oder Master of Research (MRes).

Ein Knackpunkt sind allerdings die vergleichsweise hohen Studiengebühren für Masterstudenten: Sie liegen pro Jahr zwischen 5000 und 20 000 Pfund (rund 6700 bis 27 000 Euro). Je nach Anspruch und Wohnort sollte man pro Studienjahr außerdem etwa 10 000 Pfund für die Lebenshaltung einplanen – das sind etwa 1125 Euro pro Monat. Trotzdem sollte man nicht verzweifeln: Die Chancen, ein Stipendium zu ergattern, sind gut.

DIE TOP-HOCHSCHULEN

Oxford University: Die älteste Universität der englischsprachigen Welt ist zugleich auch eine der berühmtesten überhaupt. Der BWL widmete sie sich zwar erst relativ spät: Die aus der School of Management Studies hervorgegangene Said Business School wurde erst 1995 gegründet. Sie konnte sich aber – nicht zuletzt durch den guten Ruf der Uni – schnell etablieren. Neben dem MBA ist der einjährige MSc in „Financial Economics“ das wichtigste Programm. Außerdem gibt es einen Master in „Management Research“. 2010 geht der Master in „Law, Finance and Economics“ an den Start. Zusätzlich zu den Angeboten der Said Business Schools bieten die verschiedenen Departments stark forschungsorientierte volkswirtschaftliche Programme an (www.ox.ac.uk).



Cambridge University
: Eine nicht weniger schicke Adresse als Oxford ist Cambridge. Die angeschlossene Judge Business School, 1990 gegründet, ist in einem ehemaligen Krankenhaus untergebracht. Wer hier einen Master in „Finance“, „Innovation, Strategy and Organisation“, „Management Science“ oder „Technology Policy“ absolvieren möchte, sollte einen „First Class Degree“ mitbringen: Ohne Einserschnitt dürfte man es also schwer haben. Ähnlich hoch sind die Anforderungen am Department of Economics der Universität für den dort angebotenen MPhil: Neben einem sehr guten ersten Studienabschluss werden exzellente mathematisch-analytische Fähigkeiten verlangt, die durch einen GRE belegt werden müssen. Internet: www.cam.ac.uk.

London School of Economics and Politics John F. Kennedy, Romano Prodi, David Rockefeller oder auch Rockstar Mick Jagger haben hier studiert: Die London School of Economics and Politics (LSE), die formal der University of London angehört, hat nicht nur zahlreiche Staatsoberhäupter, Nobelpreisträger oder andere Größen hervorgebracht, sondern gilt vor allem als die beste Adresse volkswirtschaftlicher Forschung in Europa. Allein für Graduierte, die 58 Prozent der Studierenden an der LSE ausmachen, bietet die Hochschule an die 150 verschiedene Programme, darunter etwa 120 Masterprogramme von „Accounting & Finance“ über „Financial Mathematics“ und „Management and Regulation of Risk“ bis „Urbanisation & Development“. Internet: www.lse.ac.uk.

Cass Business School (London): Die Cass Business School ist die Business School der City University. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Finanzdistrikt der City of London. Die renommierte Wirtschaftshochschule ist bekannt für ihre engen Kontakte in die Wirtschaft – insbesondere in die Finanzwelt. Neben MBA-Programmen und einem „Master in Management“ kann man an der Cass Business School 20 spezialisierte MSc- und MA-Programme von „Actuarial Management“ (Versicherungsmathematik) über „Investment Management“ bis „Voluntary Sector Management“ (Management von Charity und Non-Profit-Organisationen) studieren. Internet: www.cass.city.ac.uk.

Warwick Business School (WBS): Die University of Warwick, die auf der grünen Wiese zwischen dem 25 000 Einwohner zählenden Städtchen Warwick und der Industriestadt Coventry liegt, ist eine vergleichsweise junge Uni. Sie wurde erst 1965 gegründet. Trotzdem hat sie sich inzwischen den Ruf als eine der besten britischen Forschungsuniversitäten erworben. Die nur zwei Jahre nach der Uni-Gründung eingeweihte Business School bekam als erste in Großbritannien die Akkreditierung der amerikanischen Agentur AACSB. Die Stärken der WBS liegen im strategischen Management, Marketing und Finance. Neben einem MBA führt die Schule zehn Masterprogramme im Portfolio: Zusätzlich zu den spezialisierten Programmen wie „Marketing & Strategy“ gibt es den „Master in Management“, eine Art pre-experience MBA für Nicht-Wiwis. Internet: www.wbs.ac.uk.

University of St. Andrews: St. Andrews ist die drittälteste Uni Großbritanniens und die erste Adresse in Schottland: Hier lernte nicht nur Prinz William seine Kate kennen, die altehrwürdige Hochschule hat auch für den Wirtschaftsnachwuchs einiges zu bieten. Stolz verweist man darauf, dass proportional zur Größe der Hochschule in keiner anderen Institution mehr Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen ausgebildet wurden. Die School of Management bietet sieben einjährige Masterstudienprogramme („Marketing“, „International Business“, „Finance and Management“, „Management and Information Technology“, „Management“, „Human Resource Management“ und seit 2008 „Managing in the Creative Industries“). Das Department für Economics & Finance bietet einjährige Masterprogramme in „Finance“, „Internal Strategy & Economics“ und „Analytical Finance“. Den 25 besten Masterstudenten der Fakultät winkt ein Stipendium. Internet: www.st-andrews.ac.uk.Dorothee Fricke

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