Existenzgründung : Geldgeber gesucht – und gefunden

Wie Existenzgründer Investoren locken und worauf beim Einstieg eines Finanziers zu achten ist.

Tanja Könemann

Die ersten 25 000 Euro waren kein Problem. Marc Struhalla und sein Partner Thomas Greiner-Stöffele fragten einfach ihre Familien und trieben das Kapital für die Gründung ihrer Firma schnell auf. Doch den beiden Biochemikern war klar, dass sie mehr Geld benötigen würden in den nächsten Jahren. 25 000 Euro sind schnell aufgebraucht, wenn man Enzyme für die Industrie anbieten will.

Darauf hat sich die 2004 gegründete C-Lecta GmbH in Leipzig spezialisiert. Ihre Produkte, die mit einem handelsüblichen Mikroskop nicht zu sehen sind, finden sich in Waschmitteln, wo sie helfen, den Schmutz von der Kleidung zu entfernen, oder sie werden in der chemischen Industrie und in Biokraftstoffen eingesetzt.

Um aus den ersten Ideen und Forschungsergebnissen ein Geschäft aufzubauen, arbeiteten die Gründer zweigleisig: Sie entwickelten ihre Enzyme zur Marktreife und ließen sich ihre Technologie patentieren, um sie vor Nachahmern zu schützen. Und sie suchten nach Investoren. Vier Finanzierungsrunden hat C-Lecta inzwischen hinter sich, und jedes Mal floss mehr Geld in das junge Unternehmen.

Die erste Finanzspritze kam von der Stadt Leipzig. 250 000 Euro erhielt das Start-up in Form einer stillen Beteiligung eines Gründer-Fonds. Der Vorteil: Struhalla und Greiner-Stöffele mussten keine Anteile ihrer Firma abgeben, sondern beteiligten den Fonds an ihrem Gewinn.

Für den nächsten Wachstumsschritt nahm das Duo einen neuen Partner auf. Im Jahr 2005 konnten sie das ehemalige Vorstandsmitglied des Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon, Klaus Warning, zum Einstieg bewegen. Die Kontakte des branchenerfahrenen Business Angels waren Gold wert: Warning öffnete bei der Kundenakquise und der Suche nach Geldgebern die Türen zu Führungsetagen und zu Venture Capital Fonds, also Wagniskapitalgebern, die Geld in riskante, aber auch chancenreiche Unternehmen stecken. „Ich verfügte über die nötige Glaubwürdigkeit“, sagt der 59-Jährige. „Schließlich hatte ich selbst investiert.“

Wenige Monate später folgte der nächste Finanzierungsschritt: Der High-Tech-Gründerfonds des Wirtschaftsministeriums und die Sächsische Beteiligungsgesellschaft kauften sich mit mehr als 1,5 Millionen Euro ein. Im Dezember 2008 schossen eine weitere Beteiligungsgesellschaft und die KfW-Bank mehr als zwei Millionen Euro nach.

Eine solche Finanzierung mit Eigenkapital zur GmbH-Gründung über den Einstieg eines Business Angels bis hin zum Wagniskapital, sei typisch für junge Firmen, sagt Marco Winzer, der C-Lecta beim High-Tech-Gründerfonds als Investment Director betreut. „Eine Finanzierung über Kredite eignet sich nur für Unternehmen mit einem geringen Risiko oder wenn hohe Sicherheiten eingebracht werden.“

Am Anfang und für Beträge zwischen 50 000 Euro bis 200 000 Euro helfe der Gang zum Business Angel. „Für größere Beträge sollten sich Gründer an Venture Capital Fonds wenden“, empfiehlt Winzer. Um potenzielle Investoren kennen zu lernen, sollten sie an Businessplan-Wettbewerben teilnehmen (siehe Kasten).

Gründer und Investoren sollten darauf achten, dass möglichst viele Unternehmensanteile bei den Gründern bleiben, sagt Business Angel Warning. Die unternehmerische Freiheit bestimme ihre Motivation. Je mehr Anteile sie halten, desto mehr Entscheidungen können sie ohne die Zustimmung ihrer Geldgeber treffen.

Marc Struhalla rät, die Finanzierung dem Wachstum anzupassen. Mit jedem Entwicklungsschritt steige normalerweise der Unternehmenswert, und je höher sich dieser in den Verhandlungen mit Investoren ansetzen ließe, desto mehr Geld bringe der einzelne Anteil ein. Wer gleich zu Beginn eine hohe Summe fordere, läuft Gefahr, früh die Eigenständigkeit zu verlieren. Andererseits: „Bevor man sich zu gering finanziert, sollte man lieber auf einige Anteile mehr verzichten.“

Bei C-Lecta ging die Rechnung auf. Zusammen mit Klaus Warning, den sie zum Gründerteam zählen, haben sie ein Vielfaches des anfänglichen Familienkredits eingesammelt. Knapp 50 Prozent des Unternehmens gehört dem Trio noch. Das sei zwar keine einfache Mehrheit, sagt Struhalla. Aber eine Entscheidung könne nur dann gegen das Trio getroffen werden, wenn sich alle anderen Eigner einig seien. Und das genügt den Gründern völlig, um sich als Herren im eigenen Haus zu fühlen.

Beitrag aus der Augustausgabe von „Junge Karriere“. Weitere Tipps und Hinweise für Gründer unter www.karriere.de/firmengruendung

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