Karriere : Fast wie Urlaub

Sprachreisen gibt es nicht nur für Teenies. Auch Ingenieure, Juristen und Kaufleute verbessern im Ausland ihre Englischkenntnisse

Christian Schnohr

Der Geruch nach Kreide und Schiefertafeln: Hendrik Hagenauer erinnert sich wieder an ihn. 15 Jahre nach dem Abitur hat er drei Wochen lang die Schulbank gedrückt. Mit einem Unterschied: Beim Pauken der Vokabeln schnupperte der 35-jährige Ingenieur aus Berlin den salzigen Duft von Sandstrand und Mittelmeer. Zusammen mit einem Kollegen absolvierte er auf Malta einen Intensivsprachkurs in Business-Englisch.

Den Urlaub mit einem Sprachkurs zu verbinden ist beliebt. Ob Englisch am Big Ben oder Französisch unter dem Eiffelturm – pro Jahr buchen rund 160 000 Deutsche eine Sprachreise. In der Bundesrepublik gibt es 160 Anbieter. „Durch bessere Englischkenntnisse hoffe ich, im Job vorwärts zu kommen“, begründet Hagenauer seine Reiselust.

Damit der Ingenieur Hendrik Hagenauer nach drei Wochen das richtige Vokabular für seinen Job drauf hat, kann er zwischen verschiedenen Modulen wählen. „Bei uns gibt es auf einzelne Berufsgruppen zugeschnittene Trainings mit entsprechendem Fachvokabular, zum Beispiel Englisch für Juristen oder Kaufleute“, sagt Jaana Rüppel vom Veranstalter Carpe Diem. Bei der Organisation Studiosus gibt es neben den normalen Businesskursen auch die Möglichkeit, in so genannten Plus-Kursen Gruppen- und Einzelunterricht zu kombinieren.

Wie viel Unterricht es in den Ferientagen sein soll – auch das entscheidet der Sprachschüler. Wer neben dem Kurs noch genügend Zeit für Land und Leute sucht, sollte einen Kurs mit 15 bis 20 Wochenstunden buchen. Manche Anbieter kümmern sich sogar um die Animation: Nach dem Büffeln gehen die Sprachschüler gemeinsam auf Skifahrten, schwimmen mit dem Floß im Wildwasser oder tanzen Flamenco bis in den Morgen. Für Hendrik Hagenauer kam das nicht in Frage: „Ich wollte in möglichst kurzer Zeit möglichst viel lernen.“ Daher kamen für ihn nur Intensivkurse ab 25 Wochenstunden in Frage. Freizeit gibt es dort auch – aber nur abends.

Die Preise zwischen den Anbietern variieren zum Teil erheblich: Die Kosten hängen davon ab, ob das Reiseziel weit entfernt liegt, wie umfangreich der Kurs ist – und wie die Sprachschüler untergebracht werden. Eine Woche Hauptkurs im irischen Cork gibt es zum Beispiel bei LAL, dem größten Anbieter für Sprachreisen, ab 443 Euro. Für eine Woche „Business-Sprachtraining für Ingenieure“ in London mussten die Schüler bei Carpe Diem das dreifache bezahlen: Rund 1250 Euro kostet der Kurs, inklusive Einzelzimmer in einem englischen Privathaushalt und Frühstück.

Grundsätzlich lassen sich Sprachkurse noch wenige Tage vor Abreise buchen. Sogar in der Hauptsaison für Sprachreisen, die in den Ferienzeiten liegt. „Sprachtests vor Kursbeginn haben wir nicht – und ein Visum sind für unsere Ziele nicht nötig“, sagt Monika Düngemann von LAL Sprachreisen.

Hendrik Hagenauer musste sich nicht nach den Schulferien richten: Er beantragte bei seinem Arbeitgeber Bildungsurlaub. Jedem Arbeitnehmer stehen pro Jahr fünf Tage bezahlter Extra-Urlaub zu, wenn die Kurse mehr als 30 Wochenstunden umfassen. Voraussetzung ist, dass der Teilnehmer seit mindestens sechs Monaten beim Betrieb in Vollzeit beschäftigt ist. Diese freien Tage mindern nicht den normalen Urlaubsanspruch, der Lohn wird fortgezahlt.

In Berlin werden die Sprachkurse von den Arbeitgebern als berufliche Weiterbildung anerkannt. Das bedeutet jedoch auch, dass der Chef dem Bildungsurlaub zustimmen muss: Er entscheidet, ob ein Sprachkurs für den Mitarbeiter relevant ist. Ein Angestellter, der nie mit fremdsprachiger Kundschaft umgehen muss, könnte also leer ausgehen.

Wer dagegen die berufliche Notwendigkeit der Kurse nachweist, kann sich einen Teil der Ausgaben vom Finanzamt wieder holen: Sprachreisen innerhalb der Europäischen Union sind steuerlich absetzbar. Allerdings sollte man Verhandlungsgeschick mitbringen: Auch innerhalb Berlins entscheiden die Finanzämter unterschiedlich. Daher sollte man bereits vor Buchung bei seinem Steuerberater oder dem Finanzamt klären, ob der Tripp ans Mittelmeer bezuschusst wird. Die meisten Veranstalter stellen ohne weiteres einen Schein fürs die Finanzbehörden aus.

Wem Malta, London oder Südfrankreich zu weit entfernt ist, kann auch im Umland seine Sprachkenntnisse verbessern: Der Berliner Veranstalter „English for Professionals“ bietet mehrtägige Seminare in Hotels in Berlin und Brandenburg an. Hier spricht sogar das Personal ausschließlich Englisch mit den Teilnehmern. Wem statt „Enjoy your meal!“ ein „Guten Appetit!“ zu den Mahlzeiten rausrutscht, den ruft ein Glöckchen zur Ordnung: Er muss für jedes deutsche Wort fünf Cent Strafgebühr in die Gemeinschaftskasse zahlen.

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