Fernstudium : Locken drehen bei Youtube

Kann man wirklich alles am Computer lernen? Ja, meinen Experten. Wenn die Mischung stimmt.

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Manche Fernlernanbieter bringen angehenden Friseuren ihr Handwerk per "Youtube"-Video bei.
Manche Fernlernanbieter bringen angehenden Friseuren ihr Handwerk per "Youtube"-Video bei.Foto: Imago

Für die Sprechstunde mit ihren Studenten braucht Hedwig Griesehop nur einen Internetanschluss und ein Telefon. Ein Büro als Treffpunkt ist nicht nötig, keiner muss auf dem Flur der Fakultät ausharren, bis er an die Reihe kommt. Griesehop ist Professorin an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Sie leitet den berufsbegleitenden internetbasierten Fernstudiengang Bachelor of Arts Soziale Arbeit – kurz Basa-online. „Der Studiengang setzt auf den Einsatz des Internets als Lehrmedium in Kombination mit Präsenzeinheiten“, sagt Griesehop.

Zur Zeit sind etwa 330 Studierende eingeschrieben. Sie alle lernen vor allem per Selbststudium. Zum Beispiel die theoretischen Grundlagen der Sozialen Arbeit, die Schwerpunkte der Kinder- und Jugendhilfe oder Organisation und Management. Die Studenten treffen sich zur virtuellen Arbeitsgruppe im Chat, im Forum oder erledigen gemeinsame Arbeiten per Email. „Doch alles kann nicht im Fernstudium erlernt werden“, sagt die Studiengangsleiterin. Zum Beispiel: Kommunikationsformen oder konkrete Hilfsangebote. Gemeinsam werden Fälle durchgespielt, wie Hilfen für Suchtkranke aussehen können oder Konflikte mit Eltern und Kindern in der Jugendarbeit gelöst werden. An fünf Wochenenden pro Halbjahr treffen sich die Studierenden im Seminarraum an der Uni.

Basa-online gehört zu den Ausnahmen auf dem Markt der Fernstudiengänge. Einer Umfrage des Fachverbands für Fernlernen und Lernmedien, des Forums Distance E-Learning, zufolge werden bundesweit vor allem Studiengänge und Weiterbildungen mit Wirtschaftsschwerpunkt oder für Kaufleute nachgefragt. Dann folgen Techniker, Übersetzer, Informatiker. Doch das Interesse an Fächern wie Psychologie, Pädagogik oder Familienbildung sowie an Kursen für die Gesundheitsbranche steigt. Zwar sind die Zeiten, in denen man sich allein durch den Studienbrief quälte, vorbei. Doch bei diesen Fächern gehört der direkte Austausch zu den Grundlagen.

Treffen sind wichtig, gerade bei "menschelnden" Fächern

Für den Präsidenten des Fachverbands, Mirco Fretter, ist der Bezug zum Ausbildungsinstitut bei solchen Angeboten besonders wichtig. „Die Studierenden müssen Vertrauen zum Dozenten aufbauen“, sagt er. Denn die Themen sind nicht nur „näher am Menschen dran“. Häufig haben sich die Studenten aus ganz persönlichen Gründen für eine Ausbildung zum Berater oder Heilpraktiker entschieden. Das muss sich im Studienplan widerspiegeln – mit regelmäßigen Treffen, Beratungen und Diskussionen.

Grundsätzlich können laut Fretter die meisten Inhalte über mediengestützte Elemente vermittelt werden. „Es gibt Anbieter, die bringen Friseuren ihr Handwerk per Youtube-Video bei.“ Sogar wer Weinsommelier werden will, kann das per Webinar schaffen. Die Technik, die Anbieter und Nutzer dazu benötigen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vereinfacht und verbessert.

Ähnlich sieht das die Stiftung Warentest. Fast alle Themen lassen sich aus der Ferne lernen, heißt es in einer Bewertung über Fernstudien. Probleme sehen die Experten bei handwerklichen oder praktischen Fähigkeiten. Schließlich kann man Maschinen, Labore oder Werkstätten nicht per Post verschicken. Auch die Tester verweisen auf DVDs mit Schritt-für- Schritt-Anleitungen, Audio-CDs oder Computersimulationen. Allerdings sind diese Methoden nicht für jeden geeignet. Sie versprechen zwar Flexibilität, aber ob die Inhalte auch hängenbleiben, müssen die Teilnehmer ausprobieren.

Hedwig Griesehop von der Alice-Salomon-Hochschule setzt auch auf die Berufserfahrung, die die Studierenden mitbringen. Viele arbeiten bereits in der Jugendarbeit oder für Selbsthilfegruppen. „Das fließt auch in das Studium ein“, sagt sie. Nicht zuletzt haben so auch diejenigen eine Chance, die kein Vollzeitstudium machen können. Lernen wann und wo man will – so lassen sich Job, Familie und Studium schließlich leichter vereinbaren.

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