Karriere : Feste feiern

Ob vor Weihnachten oder an Silvester: Die Eventbranche braucht qualifizierte Mitarbeiter

Annette Leyssner
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„Als der Tiger einfach nicht über die Brücke laufen wollte, da lagen die Nerven blank“, erinnert sich Silvana Richter an ihre größte Herausforderung als Eventmanagerin. „Der Tiertrainer wollte ihn auf die Insel führen, wo ein Fest stattfand. Auf einmal blieb der Tiger stehen, weil er eine Ente gesehen hatte. Der Trainer zog und zog, und die Passanten wurden ungeduldig, weil wir die Straße gesperrt hatten.“ Das war zwar Stress. Aber auch ein Abenteuer. Die 27-Jährige Veranstaltungskauffrau arbeitet gerne für die Agentur „Cate & Eve“. „Die Aufgaben sind vielseitig. Manchmal organisiert man Richtfeste, rustikal mit Spanferkel vom Grill. Das nächste Projekt kann ein Firmenevent sein, wo die Mitarbeiter mit einer Tiger-Show überrascht werden.“

Was für ein Traumjob, könnte man meinen: Party machen und damit Geld verdienen. Doch mit dem Berufsalltag des Eventmanagers hat das wenig zu tun: „Es reicht nicht, gute Stimmung zu verbreiten“, sagt Alexander Schmidt, Trainer bei der Business Akademie für Medien, Event und Kultur (Ebam). Denn für Events gilt das Eisbergprinzip: Unter der sichtbaren Spitze ist ein gigantischer Unterbau verborgen – die Planung. Wie weit fliegen Funken bei der Pyrotechnik-Show? Welche Versicherung zahlt das zertanzte Parkett? Das sind Sorgen, mit denen sich die Mitarbeiter herumschlagen.

Dabei muss man kein Veranstaltungskaufmann sein, um in die Eventbranche einzusteigen. Zahlreiche Fortbildungen bereiten ebenfalls auf den Job vor.

Voraussetzungen für eine Karriere sind Verhandlungsgeschick und Ausdauer. „Die Branche lebt von Quereinsteigern, zum Beispiel Gastronomen, Hoteliers und Kaufleuten“, sagt Uta Goretzky vom Branchenverband Forum Marketing-Eventagenturen (FME). Wichtige zusätzliche Kenntnisse brauche man in den Bereichen Recht und Betriebswirtschaftslehre, Veranstaltungsmarketing und -management, Rechnungswesen, Rhetorik, Datenverarbeitung und Englisch.

Auch Berliner Institute bieten Kurse an, mit denen Quereinsteiger den Einstieg schaffen können. Das Spektrum reicht vom dreitägigen Seminar bis zum mehrmonatigen Lehrgang. Katja Kühnel von der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) empfiehlt Interessenten, sich einen Überblick über die Angebote zu verschaffen, zum Beispiel über die Weiterbildungsdatenbank der Senatsverwaltung wdb-berlin.de.

Dort sind auch einige umfassendere Lehrgänge verzeichnet – zum Beispiel von der Ebam oder der Deutschen Pop-Akademie. Die Kurse der Ebam zum „Eventmanager“ dauern neun Monate und umfassen Wochenendseminare und eine Abschlusspräsentation der Teilnehmer. An der Deutschen Pop-Akademie dauert die Weiterbildung sechs Monate bei vier Stunden Unterricht pro Woche.

Kein besonders intensives Training für einen qualifizierenden Lehrgang. Doch Kontakte zu Praktikern seien das A und O in der Branche, sagt Trainer Schmidt von der Ebam. Daher mache es für Quereinsteiger Sinn, sich einen Job, zum Beispiel in einem Club, zu organisieren und dann am Wochenende Aufbauseminare zu belegen, um betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse zu lernen.

Zwischen 1400 und 2500 Euro kosten die Kurse bei den beiden Bildungsanbietern. Einen staatlichen Abschluss gibt es nicht, dafür ein Zertifikat der jeweiligen Schule. Die Berufsbezeichnung „Eventmanager“ ist schließlich nicht geschützt.

Ob sich ein solches Abschlusszertifikat trotzdem rentiert, kann die IHK-Expertin Kühnel nicht sagen. Zu unterschiedlich sind die Biografien der Mitarbeiter in der Eventbranche. „Bevor Sie sich für einen Kurs entscheiden, unterhalten Sie sich mit Absolventen. Seriöse Anbieter haben kein Problem damit, Ansprechpartner zu vermitteln“, rät Kühnel.

Die Industrie- und Handelskammer bietet ebenfalls eine Fortbildung zum Einstieg in die Branche an – zwar nicht in Berlin, aber zum Beispiel am Bildungszentrum der IHK Potsdam. Der Lehrgang zum Fachmann für Veranstaltungs- und Eventmanagement umfasst 300 Unterrichtsstunden – und damit etwa drei Mal so viele Lektionen wie die Deutsche Pop-Akademie. Wer alle Module absolviert, erhält ein IHK-Zertifikat. Die Kosten: knapp 2000 Euro.

Neben Eventmanagern sind auch „Konzepter“ in der Branche gefragt. Sie liefern Ideen für Messeauftritte, Führungskräfte-Meetings, Händlerpräsentationen, Kundenveranstaltungen und weitere Medien-Events. Unter dem Namen „Treibhaus 0.8“ haben elf Agenturen kürzlich eine Ausbildung für dieses Berufsbild entwickelt. „Man lernt, Unternehmen und Botschaften in Szene zu setzen“, sagt Sabine Clausecker, Mitglied im Beirat von Treibhaus 0.8. Das Studium ist kostenlos und läuft parallel zu einem Volontariat bei einer Partneragentur. Die Teilnehmer kommen in der Regel nicht frisch von der Schule, sondern haben bereits ein Studium, in ganz unterschiedlichen Fächern von Theaterwissenschaft bis Architektur. Die Ausbildung dauert ein Jahr und findet in Vollzeit statt. Dafür hat sie einen großen Vorteil: Die Partneragenturen übernehmen das Schulgeld – und zahlen zudem eine Vergütung für ihre Volontäre.

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