Feuerwehr : Voller Einsatz

In der Silvesternacht herrscht bei der Berliner Feuerwehr Hochbetrieb. Wer dort arbeitet, braucht gute Nerven – die Aufnahmeprüfung schaffen nur fünf Prozent

Anne Meyer
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Brennen für den Job. Feuerwehrleute müssen an Silvester oft mit dem Löschschlauch anrücken. An anderen Tagen werden sie meist zu...ddp

Viele kleine Jungs träumen davon, einmal als Feuerwehrmann zu arbeiten: mit einem großen Auto und heulendem Martinshorn durch die Stadt düsen, Drehleiter ausfahren, Feuer löschen, Menschen retten. Mit diesem Bild hat der Alltag eines Feuerwehrmanns oder einer Feuerwehrfrau zwar nur entfernt zu tun. Dennoch ist die Zunft auch unter den Großen beliebt. So genießt kein Beruf in Deutschland höheres Ansehen als der des Feuerwehrmanns, ergab eine kürzlich durchgeführte Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes.

Entsprechend groß ist der Andrang auf eine Stelle im „mittleren feuerwehrtechnischen Dienst“, so die offizielle Bezeichnung. Die Laufbahn beginnt nicht mit einer herkömmlichen Ausbildung, sondern einem sogenannten Vorbereitungsdienst, der zwei Jahre dauert. Dafür müssen Bewerber schon eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen. Doch lange nicht jeder Interessent ist für den Feuerwehrdienst geeignet.

Um ihre Arbeit gut zu verrichten, müssen die Einsatzkräfte gesund, körperlich fit, nervenstark und teamfähig sein. Gute Augen und eine Körpergröße von mindestens 165 Zentimetern – das gilt für Frauen genauso wie für Männer – sind ebenfalls Bedingungen dafür, bei der Feuerwehrschule genommen zu werden. Ob ein Bewerber all diese Voraussetzungen erfüllt, wird in umfangreichen und anspruchsvollen Tests ermittelt.

„Nur fünf Prozent aller Kandidaten bestehen die Aufnahmeprüfungen“, sagt Stephan Fleischer, Pressesprecher der Berliner Feuerwehr. Während sich die meisten beim Autoreifen wechseln und dem Klettern auf hohe Drehleitern noch wacker schlagen, hapert es oft an anderen Dingen, so Fleischer: „Viele Bewerber scheitern schon an fehlenden Deutschkenntnissen oder Schwächen in den Grundrechenarten.“ Wer besteht, kann sich freuen: Er wird sogleich als „Brandmeister-Anwärter“ in ein Beamtenverhältnis auf Widerruf übernommen.

Geschenkt bekommt man allerdings nichts: Zusätzlich zur feuerwehrtechnischen Grundausbildung an der Feuerwehrschule in Schulzendorf, wo die Gesetzesgrundlagen, vorbeugender Brandschutz, Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung auf dem Lehrplan stehen, absolvieren die Neulinge mehrere Praktika auf verschiedenen Berliner Wachen und in Krankenhäusern. Ganz nebenbei erfolgt eine Ausbildung zum Rettungsassistenten, Rettungsschwimmer, Maschinisten und im richtigen Umgang mit der Drehleiter. Außerdem machen sie den LKW-Führerschein. Weil all diese Kurse viel Zeit in Anspruch nehmen, dauern die vielen Lehrgänge auch über die eigentliche Vorbereitungszeit hinaus. Nach einem Jahr Schule erfolgt die Prüfung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst, an der jedes Jahr etwa 120 Berliner teilnehmen.

Wie wird man ein guter Feuerwehrmann? „Man muss teamfähig und hilfsbereit sein“, sagt Fleischer – seiner Ansicht nach sind das die wichtigsten Eigenschaften, die man als Bewerber mitbringen muss. Und was die formalen Voraussetzungen betrifft, sind ausgebildete Handwerker und Rettungssanitäter bei der Feuerwehr gern gesehen.

Hier erkennt Fleischer jedoch auch ein Problem: „Wer gut ist, bleibt normalerweise in seinem erlernten Beruf“, erklärt der Brandoberinspektor. „So gehen uns viele gute Leute verloren.“ Deshalb startet die Berliner Feuerwehr gemeinsam mit der Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und der Handwerkskammer im März 2010 ein neues Ausbildungsprojekt, an dem auch Jugendliche mit Realschulabschluss direkt nach der Schule teilnehmen können. Der Bildungsgang kombiniert handwerkliche und feuerwehrtechnische Inhalte – so müssen die Bewerber keine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen. Der eigentlichen Feuerwehrausbildung ist stattdessen eine anderthalbjährige handwerklich-technische Grundqualifizierung in den Bereichen Holz, Metall, Elektro- und Installationstechnik vorgeschaltet. Die zweite Stufe bildet dann aus der reguläre feuerwehrtechnische Vorbereitungsdienst. Auch hier gilt: Die Jugendlichen müssen zunächst eine Aufnahmeprüfung bestehen, und zwar für beide Stufen.

„Wir möchten gerne mehr Frauen für den Beruf gewinnen“, so Fleischer. Bislang gebe es in ganz Berlin, wo insgesamt 3900 Berufsfeuerwehrleute arbeiten, nur dreizehn Frauen. Außerdem wünscht sich Fleischer mehr Bewerber mit Migrationshintergrund. „Wir brauchen sie allein schon wegen ihrer Fremdsprachenkenntnisse und interkulturellen Kompetenz. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn wir Einsätze in Vierteln mit hohem Migrantenanteil fahren.“

Bewerber, die frisch von der Schule kommen, sollten sich genauso wie ältere mit abgeschlossener Ausbildung klar machen, wie der Alltag eines Feuerwehrmanns wirklich aussieht: „Manche bewerben sich nur, weil sie die große Drehleiter fahren wollen“, so Fleischer. Die meisten Einsätze seien aber Rettungsdienste: Da gehe es darum, Verletzte bei Verkehrsunfällen zu bergen oder hilflose Menschen aus ihren Wohnungen zu holen. Fleischer empfiehlt Interessenten, einfach mal bei einer Wache in der Umgebung zu klingeln. „Wenn man höflich fragt, geben die Kollegen vielleicht einen Einblick in ihre Arbeit.“

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