Fortbildung : Schlecht in der Schule, erfolgreich im Job

Schulabbrecher können über eine Fortbildung in den Beruf einsteigen. Junge Erwachsene werden pädagogisch.

Horst Heinz Grimm (dpa)
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Hilfe zur Selbsthilfe. Abbrecher können den Abschluss nachholen.-Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fehlt Bewerbern um einen Ausbildungsplatz der Schulabschluss, geht der Daumen bei vielen Personalchefs nach unten. Selten ist das nicht: Anja Huth von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg schätzt die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss auf jährlich etwa 66 000. Wirtschaft und Politik haben das Problem erkannt und unternehmen einige Anstrengungen, den Jugendlichen einen Berufsstart zu ermöglichen.

Offiziell schreibt das Gesetz für eine Ausbildung im dualen System keinen bestimmten Schulabschluss vor. Aber als Minimum verlangen Arbeitgeber den erfolgreichen Besuch einer Hauptschule. „Man kann den Schulabschluss nachholen oder sich um einen Ausbildungsplatz mit einem niedrigen Ausbildungsprofil bewerben“, sagt Thilo Pahl, Ausbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

„Seit Anfang 2009 haben junge Menschen ohne Schulabschluss einen Anspruch, im Rahmen einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses vorbereitet zu werden“, erklärt Anja Huth. Zum Teil ist dabei auch eine finanzielle Unterstützung möglich.

Das heißt in der Praxis, dass Teilnehmer solcher Fortbildung zehn Monate oder sogar länger eine Vollzeitausbildung bekommen. Sie ist auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zugeschnitten und wird sozialpädagogisch begleitet. Vermittelt werden unter anderem die Inhalte anerkannter Ausbildungsberufe, von denen es rund 350 gibt.

Auch ein direkter Weg in einen Beruf ist nach Angaben von Pahl möglich: „Dabei sind besonders zweijährige Ausbildungsberufe geeignet wie Verkäufer oder Teilezurichter.“ Teilezurichter arbeiten überwiegend in Betrieben der Metallindustrie und werden bei der Herstellung von Werkstückteilen, der Maschinenpflege und zu Montagearbeiten eingesetzt. Nach Bestehen der jeweiligen Abschlussprüfung vor der Kammer ist eine weitere Qualifizierung möglich.

Dieser Weg in einen Beruf eignet sich auch für junge Menschen, die in der Schule Schwierigkeiten hatten. Doch auch für sie ist der Besuch der Berufsschule Pflicht, die Kenntnisse beispielsweise in Mathematik und Deutsch vermittelt. „Um Lerndefizite auszugleichen, gibt es begleitende Hilfe“, erläutert Thilo Pahl. „In bestimmten Fächern können die Arbeitsagenturen Nachhilfeunterricht bezahlen.“ Das Programm heißt Ausbildungsbegleitende Hilfe (ABH).

Eine weitere Möglichkeit, lernschwache Jugendliche an einen Beruf heranzuführen, ist die Einstiegsqualifizierung für Jugendliche (EQJ), die seit 2004 angeboten wird. Das Programm bieten die Spitzenverbände der Wirtschaft im Rahmen des Ausbildungspaktes jährlich 40 000 Menschen als eine Brücke in die Berufsausbildung in Handel, Industrie und Handwerk an. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer bekommen Pahl zufolge bei erfolgreichem Abschluss einen Ausbildungsvertrag.

Die Jugendlichen absolvieren dabei ein qualifiziertes Langzeitpraktikum einer bestimmten Fachrichtung in einem Ausbildungsbetrieb. „Die Dauer beträgt sechs bis maximal zwölf Monate“, so der DIHK-Ausbildungsexperte. Während dieser Zeit sind die Praktikanten sozialversichert und erhalten ein „Taschengeld“ von 212 Euro im Monat.

Junge Leute, die mit dem Schulunterricht nicht zurechtgekommen sind, können auf diese Weise in einem Betrieb ihre praktischen und auch sozialen Kompetenzen unter Beweis stellen. Beispielsweise im Baugewerbe bei der Wartung von Geräten, im Kfz-Service, im IT-Bereich oder auch im Handel. Sie lernen, im Team zu arbeiten. Sie müssen sich an einen regulären Tagesablauf gewöhnen. Welche der angebotenen Maßnahmen infrage kommt, darüber informieren die entsprechenden Fachleute. Gespräche bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur sind dafür genau richtig. Sozialpädagogen ermitteln dort die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen und machen Vorschläge für den weiteren Weg.

In früheren Jahrzehnten hatten Jugendliche mit Problemen beim Berufseinstieg immer noch die Alternative, auf einem Schiff anzuheuern. Alexandra Pohl vom Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg zerstört solche Hoffnungen: „Ungelernte Arbeit gibt es nicht mehr an Bord, auch nicht in den einfachen Tätigkeitsbereichen. Und ein Schiff ist auch nicht der richtige Ort für Erziehung.“ Horst Heinz Grimm (dpa)

Weitere Informationen im Internet:

www.arbeitsagentur.de

www.dihk.de

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