Fotomedienfachleute : Bitte recht freundlich

Azubis können heute Fotomedienfachleute werden. Zum Job gehören Fotografie, Technik und Beratung.

Es gibt fast keine Woche ohne eine neue Kamera, die mit erweiterten Funktionen und höherer Auflösung auf den Markt kommt. Egal ob Film, Foto oder Mobiltelefon: „Die Entwicklung ist rasant“, sagt Klaus Kirchwehm. „Es war höchste Zeit für einen neuen Beruf“, meint der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Landesberufsschule Photo+Medien in Kiel. Kirchwehm ist Fotohändler.

In seinem Betrieb verkauft er Kameras, macht Bewerbungsfotos und druckt diese gleich aus, kleine Retuschierungen inklusive. Das sind mindestens drei Funktionen in einer Person, für die es jetzt auch eine entsprechende Ausbildung gibt: Fotomedienfachleute verbinden kaufmännisches Handeln, Kreation und Fototechnik, erklärt Benedikt Peppinghaus, Referent beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. „Aber im Mittelpunkt des neuen Berufsbildes steht die Beratung.“ Kompetentes Fachpersonal und zusätzliche Serviceangebote wie das biometrische Passbild oder das Hochzeitsfoto sollen die Zukunft der Fachgeschäfte sichern.

Eine Zukunft, um die es viele Jahre düster aussah, weil die Betriebe den Trend zur Digitalisierung nicht wahrhaben wollten, bestätigt der Kieler Landesberufsschulleiter Jörg Leppin: „Wir mussten die Ausbildung von drei auf eine Klasse zurückfahren. Aber jetzt ist die Talsohle durchschritten.“ Jahrelang hatte der Fotohandel Kaufleute für den Einzelhandel ausgebildet – bis der Schwerpunkt „Photo, Kino, Video“ abgeschafft wurde. Aber mit dem Motto „Kaufmann ist Kaufmann, und das Fachwissen kommt aus der Praxis“ wollte sich die Branche nicht zufriedengeben. Sie verlangte nach Fachkräften, die auch Bilder aufnehmen, bearbeiten und ausgeben können.

„Das ist nur ein kleiner Ausbildungsberuf, aber er hat Chancen, weil er der Entwicklung am Fotomarkt Rechnung trägt“, sagt Diplom-Handelslehrer Leppin. Das erste Ausbildungsjahr steht noch ganz im Zeichen des Verkaufs, und die zukünftigen Fotomedienfachleute werden gemeinsam mit den Einzelhandelskaufleuten unterrichtet. Erst im zweiten Jahr geht es an einer auf das Berufsbild spezialisierten Schule auch um Bildaufnahmen und Technik. „Aber das Kaufmännische bleibt“, betont Leppin.

Für die verschiedenen Lernfelder arbeitet die Landesberufsschule eng mit dem industrienahen Photo- und Medienforum am Ort zusammen: „Wir bekommen hier stets die neuesten Kameras zur Verfügung gestellt“, sagt der Lehrer. Die Spezialisierung ermöglicht es dem Standort, jetzt schon die Ausbildung für Fotomedienfachleute im zweiten Lehrjahr anzubieten, obwohl der neue Beruf erst offiziell zum ersten August an den Start gegangen ist: „Die Mehrheit der Einzelhandelskaufleute aus dem ersten Lehrjahr ist in den neuen Ausbildungsberuf gewechselt“, erklärt der Schulleiter dieses Phänomen. Zu den 33 Auszubildenden aus Schleswig-Holstein kommen 15 aus anderen Bundesländern.

Schulangebote gibt es bisher in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. „Es läuft vermutlich auf eine Splitterberufsliste hinaus“, sagt Kirchwehm. Der Begriff steht für eine länderübergreifende Berufsschulorganisation und verlangt eine gewisse Mobilität bei den Auszubildenden. Zum Blockunterricht reisen sie in andere Bundesländer, lernen und wohnen dann dort.

Neben der Bereitschaft zur Mobilität sollten Auszubildende Interesse an Technik und Fotografie sowie Offenheit für wirtschaftliche Fragen mitbringen. Klaus Kirchwehm legt außerdem Wert auf sicheres Auftreten und gute Umgangsformen. Die Eignung seiner Auszubildenden überprüfe er per Praktikum: „Ich habe hier schon Realschüler mit schlechten Schulnoten gehabt, die durch ihr technisches Know-how überzeugten“, erzählt er.

„Die haben sich an den Rechner gesetzt und mal eben Probleme gelöst, die uns seit Tagen zu schaffen machten.“ Wie die neue Ausbildung bezahlt wird, dazu will sich der Sachverständige der neuen Ausbildungsverordnung noch nicht festlegen: „Das liegt im Ermessen der Ausbildungsbetriebe.“ BIBB-Referent Peppinghaus verweist auf den statistischen Mittelwert für Fotomedienlaboranten, der bei 557 Euro liegt.

Die Offenheit des neuen Berufsbildes für Handel und Handwerk, Labore und Agenturen sei eine Chance, so Klaus Kirchwehm. Etwa für seine Auszubildende Silja Kruse. Die Abiturientin ist durch Fotofachhandel und Fotografie familiär geprägt und konnte sich lange nicht für eine Richtung entscheiden: „Als Fotomedienfachfrau bin ich Kauffrau und Kreative zugleich“, sagt sie, „und halte mir eine spätere Schwerpunktsetzung offen.“ dpa

Informationen: Landesberufsschule Photo und Medien Kiel , Feldstraße 9-11, 24105 Kiel, Tel. 0431/579 70 23, Internet: www.lbs-photo.de, www.bibb.de

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