Karriere : Frau Leutnant

Die Bundeswehr sucht Bewerberinnen. Wer sich verpflichtet, hat beim Militär die Wahl zwischen mehr als 400 Berufen

Die Armee galt lange als Männerdomäne. Doch Fernsehaufnahmen vom Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan oder im Kosovo zeigen regelmäßig, dass Frauen sie längst erobert haben. Man sieht sie im Turm eines Panzers oder auf Patrouille. Seit gut sieben Jahren verrichten bei den deutschen Streitkräften auch Frau Feldwebel oder Frau Leutnant, wie die korrekte Anrede lautet, Dienst in den Kasernen oder im Auslandseinsatz. Im Umgang mit den Männern zählt der militärische Dienstgrad, nicht das Geschlecht.

„Bewerbungen von Frauen sind für alle Laufbahnen ausdrücklich erwünscht“, heißt es bei der Bundeswehr. Dieser uneingeschränkte Zugang zu den Streitkräften gilt seit dem 1. Januar 2001. Bis dahin gab es für Bewerberinnen lediglich im Sanitätsdienst und bei der Militärmusik Arbeit. Die ersten Ärztinnen und Apothekerinnen kamen 1975. Inzwischen stellen Frauen etwa acht Prozent aller Berufs- und Zeitsoldaten. Von den rund 15 000 Soldatinnen stehen etwa zehn Prozent im Offiziersrang.

Katrin Stelzer, 25 Jahre, hat sich frühzeitig für die Bundeswehr entschieden. „Ich habe mich nach dem Abitur mit 19 für eine militärische Laufbahn interessiert und wurde Zeitsoldatin“, erzählt sie an ihrem Dienstort nahe Koblenz. „Inzwischen bin ich Oberleutnant. Und ich würde mich wieder für diesen Beruf entscheiden.“ Sie ist nach entsprechender Ausbildung derzeit im Medienbereich der Streitkräfte tätig.

Mindestens ein Hauptschulabschluss ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung. „Die angehenden Soldatinnen werden dann einem dreitägigen Eignungstest unterzogen“, sagt Wilfried Stolze vom Bundeswehrverband (DBWV) in Berlin, der unabhängigen Interessensvertretung aller Angehörigen der Bundeswehr. „Mehr als 50 Prozent der Bewerberinnen werden schließlich aufgenommen.“ Eine Verpflichtung auf Zeit dauert mindestens vier Jahre. Das Höchstalter liegt bei 25 Jahren.

Anwärterinnen für die Laufbahn eines Unteroffiziers müssen den Hauptschulabschluss plus Berufsausbildung oder den Realschulabschluss vorweisen. Von Offiziersanwärtern wird Abitur oder Fachhochschulreife beziehungsweise Realschule plus abgeschlossene Berufsausbildung verlangt. Ein Hochschuldiplom ermöglicht den Einstieg als Hauptmann. Einzelheiten dazu erfahren die Interessentinnen bei den örtlichen Wehrdienstberatern der Streitkräfte.

In der Bundeswehr sind Fachleute für mehr als 400 Berufe gefragt. Entsprechend breit ist die Palette an Ausbildungsmöglichkeiten. So gibt es Werkstätten, zwölf vom Militär betriebene Fachschulen und zwei Universitäten.

Am Anfang steht bei der Bundeswehr die militärische Grundausbildung. Sie ist für Frauen und Männer gleich. Da geht es mit 15 Kilogramm Marschgepäck auf dem Rücken und dem Sturmgewehr durchs Gelände. Die Unterbringung in den Kasernen ist spartanisch, die Uniform hat kein hippes Design. Allerdings lassen die Dienstvorschriften für Frauen längere Haare zu als für Männer.

Bei den Streitkräften ist Disziplin angesagt. „Der Umgangston ist oft rauer als im Zivilen. Doch die Soldatinnen gewöhnen sich daran“, sagt Stolze vom Bundeswehrverband. „Zu 99 Prozent kommen Männer und Frauen miteinander zurecht.“ Oberleutnant Stelzer kann über „keine negativen Erfahrungen bei der Ausbildung“ berichten. „Im Führungspraktikum war ich die einzige Frau in leitender Funktion unter Männern“, erinnert sie sich.

Frauen arbeiten nach ihrer Ausbildung überwiegend im Logistikbereich, im Nachrichtenwesen, in Stäben und in den Fachdiensten. Nach Untersuchungen sind nur etwa 20 Prozent von ihnen bei den Kampfunterstützungs- und Kampftruppen im Einsatz. Doch alle müssen damit rechnen auch in Krisengebieten eingesetzt zu werden. So war Stelzer nach entsprechender Vorbereitung bereits für einige Zeit in Afghanistan.

Für die Bezahlung der Zeitsoldaten gilt die Bundesbesoldungsordnung, die das monatliche Gehalt nach Dienstgrad, Alter und Familienstand festlegt. Die Bezüge werden versteuert, bleiben aber frei von Sozialabgaben und Krankenkassenbeiträgen. Für die ärztliche Versorgung ist die Bundeswehr zuständig.

Nach Ablauf der militärischen Verpflichtung bestehen sehr gute Chancen für Jobs im Öffentlichen Dienst.   Die Vergütungsliste für einen Unteroffizier der Gruppe A 5 weist einen Grundsold von 1640 Euro aus, ein Hauptfeldwebel (A 8) kann mit 1800 Euro rechnen und ein Leutnant (A 9) mit etwa 2000 Euro. Hinzu kommen Erschwerniszulagen für Dienste zu ungünstigen Zeiten oder Zahlungen bei Auslandseinsätzen. dpa

www.bundeswehr-karriere.de, www.bundeswehr.de         

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