Frisör : Von der Hauptschule zur eigenen Firma

Sabrina Erdmann ist mit 22 Jahren schon Meisterin

W. Duveneck (dpa)
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Ohne Schneid geht’s nicht. Da das Geld für den Meister nicht reichte, musste Sabrina Erdmann einen Zweitjob annehmen. Die Prüfung...

So richtig Spaß an der Realschule hatte sie nicht. Die achte Klasse sollte sie wiederholen, weil sie mehrmals geschwänzt hatte. Da zog es die damals 14-jährige Sabrina Erdmann vor, auf die Hauptschule zu wechseln und dort ihren Abschluss zu machen. Schnell fertig werden und Geld verdienen – das war ihr Ziel.

Acht Jahre ist das jetzt her. Vor kurzem hat die Hamburgerin mit 22 die Meisterprüfung im Friseurhandwerk bestanden.

„Jährlich werden knapp 22 000 Meisterprüfungen abgelegt“, sagt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler. „Darunter finden sich viele Jungmeister mit Hauptschulabschluss. Ihnen ebnet der Meisterbrief viele Wege, bis hin zum Studium.“ Dass Frauen in Meisterberufen großen Ehrgeiz entwickeln, stellte Ende vergangenen Jahres die Handwerkskammer in Berlin fest: Mit 28,5 Prozent lag der Frauenanteil spürbar höher als der Bundesdurchschnitt von zuletzt 20,3 Prozent.

Das Durchschnittsalter aller neuen Meisterinnen und Meister im Handwerk lag in der Bundeshauptstadt bei 30,1 Jahren. Sabrina Erdmann gehört damit zu den jüngsten Meisterinnen in Deutschland. „Was ich will, das schaff'' ich auch“, sagt sie heute. „Man muss nur den richtigen Biss haben und nicht – wie manche – von vornherein sagen: Mit Hauptschule habe ich ja sowieso keine Chance.“

Trotzdem: Um ihr Ziel zu erreichen, musste sie hart arbeiten. Es begann mit der dreijährigen Lehre. Schnell erkannte ihr Chef ihr Talent und Engagement. Drei Monate nach der Gesellenprüfung wurde Sabrina mit 19 Jahren stellvertretende Leiterin einer Filiale.

Berufsbegleitend ging sie zweimal pro Woche zur Schule. Um die Weiterbildung zu finanzieren, reichte das Geld nicht. „Und so ganz auf alles verzichten wollte ich ja auch nicht“, gesteht sie. Sabrina entschloss sich, nebenbei zu kellnern. Und weil sie hier vorerst mehr verdienen konnte als im Friseurberuf, nahm sie den Gastronomie-Job in Vollzeit auf. Sobald sie das Geld komplett zusammen hat, will sich die junge Meisterin selbstständig machen. „Zuerst möchte ich aber alle meine Schulden loswerden“, erklärt sie. Bis zu 9000 Euro hat alles gekostet.

Für den ZDH-Präsidenten ist das Beispiel der Hamburgerin ein Beweis, dass es nicht allein auf den früheren Erfolg in der Schule ankommt. „Die berufliche Bildung kann wie kein anderer Bildungsweg Karrieren fördern. Viele Talente bleiben in der Schule leider auf der Strecke. Im Handwerk zählt jedoch nur die Leistung“, sagt Kentzler. Der Meisterbrief sei für junge Menschen auch weiterhin attraktiv – nicht nur als Voraussetzung für die Selbstständigkeit, sondern für die Berufsperspektive. W. Duveneck (dpa)

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