Fundraising : Spenden sammeln als Beruf

Fundraiser brauchen viel Überzeugungskraft, um Geld für wohltätige Zwecke einzuwerben.

Ihre Aufgabe ist es, so viel Geld wie möglich zu beschaffen und dabei so wenig Geld wie nötig auszugeben: Fundraiser sind professionelle Spendensammler, die etwa für Umweltverbände, Sportvereine oder Kirchen arbeiten. Sie finden sich bei allen Organisationen, die mit ihren Einnahmen keinen Gewinn machen möchten, sondern die Mittel für gute Zwecke einsetzen. Diese so genannten Non-Profit-Organisationen brauchen zum Teil Millionen, damit sie nach Erdbeben den betroffenen Menschen unter die Arme greifen oder weltweit gegen das Abschlachten von Delfinen kämpfen können.

Zwar gibt es derzeit in Deutschland keine anerkannte Berufsausbildung zum Fundraiser. Aber Unternehmensberater und Bildungseinrichtungen bieten Seminare, um Profi-Spendensammler zu werden. An der Fundraising Akademie in Frankfurt können Interessierte sogar einen zweijährigen Studiengang berufsbegleitend absolvieren.

Fundraising als Fulltime-Job

„Immer mehr Non-Profit-Organisationen schaffen für Fundraising Stellen und richten Abteilungen ein“, sagt Akademieleiter Thomas Kreuzer. Wer kreativ ist und Abwechslung liebt, sollte sich in diesem Bereich ausprobieren. „Aber es ist ein Fulltime-Job“, warnt Barbara Crole, Dozentin für Fundraising aus Lütjenburg in Schleswig-Holstein.

Fundraiser sind meist fest angestellt und verdienen etwa so viel wie Marketingfachleute oder Öffentlichkeitsarbeiter. „40 000 bis 55 000 Euro brutto im Jahr können drin sein“, sagt Kreuzer. Jobs gibt es vor allem bei Organisationen wie Umweltschutzverbänden, die auf staatliche Unterstützung verzichten müssen. Aber auch Kirchen, die Diakonie, Caritas oder Ärzte ohne Grenzen brauchen Geld, um ihrer gemeinnützigen Arbeit nachzugehen - und somit Fundraiser, die diese Mittel sammeln.

Wie kommt man an Geld?

„Bei unserer Arbeit dreht sich alles ums Geld“, sagt Dozentin Barabara Crole. Um an die nötigen Mittel zu kommen, müssen sich Fundraiser allerdings einiges einfallen lassen. „Der Hauptteil der Arbeit ist das Direct-Mailing.“ Das sei aber mehr als der einfache Versand von Briefen. Die Spender müssen sich angesprochen fühlen - dafür bedarf es einer Menge Kreativität und Einfühlungsvermögen.

Der Spender erhält mit dem Brief einen Zahlschein - Barbara Crole zufolge der wichtigste Teil des Gesamtpakets. Auf dem Briefumschlag muss schon ein Text stehen, damit er auch geöffnet wird. Zudem bekommen die Spender einen Prospekt über das Projekt, das sie unterstützen sollen. „Der Spender hat keine Pflicht zu geben, sondern macht es, weil er ein gutes Herz hat und sich etwas erhofft“, sagt Barbara Crole. „Es ist aber kein Betteln, sondern eigentlich eine Bitte um Unterstützung.“ Ob der Fundraiser einen guten Job gemacht hat und genügend Menschen für das Projekt gewinnen konnte, entscheidet der Stand des Spendenkontos am Jahresende. Spendensammler sollten sich mit der Organisation identifizieren können, für die sie arbeiten. „Fundraiser müssen kommunikativ sein und flexibel, um Möglichkeiten zu finden, verschiedene Leute auf verschiedene Weise anzusprechen“, erläutert Simone Pott von der Deutschen Welthungerhilfe in Bonn. Sprachliche Versiertheit, Ideenreichtum, Überzeugungskraft und Beharrlichkeit seien Voraussetzung dafür, um in diesem Job erfolgreich zu sein.

Spender finden leicht gemacht

Um viel Geld zu sammeln, braucht es viele Spender. „Neue Spender findet man zum Beispiel über Fernsehgalas. Hier erreicht man die Leute, die ein Mal im Jahr spenden“, weiß Pott, bei deren Organisation rund ein Dutzend Fundraiser arbeiten. Ziel der meisten Non-Profit-Organisationen sei aber, Spender dauerhaft zu binden - auch Großspender.

Manche Geldgeber wollen nur einmalig einen „großen Batzen“ geben, andere dauerhaft kleinere Beträge. Diese Zielgruppen müssten gesondert angesprochen werden, erklärt Pott. Die meisten Non-Profit-Organisationen machen hierfür keine Hausbesuche mit der Sammelbüchse - sie setzen eher auf Instrumente wie Spendermagazine, Prospekte, Briefe und Mails oder leisten Überzeugungsarbeit am Telefon. Bevor sie loslegen, sollten Fundraiser sich dabei fragen, ob ihr Anliegen einleuchtend und bekannt genug ist. Denn letztlich sei es für viele Spender entscheidend, dass sie genau wissen, wofür sie ihr Geld geben und wo die Mittel hinfließen.Während auch das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes mit Hilfe von Fundraisern Geld für die Auslandsarbeit einwirbt, werben die lokalen Kreisverbände meist direkt in der Öffentlichkeit mit Ehrenamtlichen - und einer Spendendose in der Hand. <i>(Von Von Angelika Röpcke mit dpa)</i>

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