Gehaltsgespräche : Wie viel bin ich wert?

Worauf Sie bei Gehaltsgesprächen achten sollten – und wie Einsteiger beim Geldpoker punkten.

Steffi Sammet

Wenn sich Lars Neumeier selbst charakterisiert, erklärt der 26-jährige Wirtschaftsingenieur gerne, dass er „spontan, ehrgeizig und dynamisch“ ist. Vor fast einem Jahr, im vergangenen Dezember, bewies der gebürtige Koblenzer zudem, dass er auch sehr gelassen sein kann. Der Wirtschaftsingenieur hatte sich damals beim Handelskonzern Procter & Gamble auf eine freie Stelle beworben. Als Neumeier nach gut einem halben Tag Vorstellungsgespräch das Werk des Konzerns in Euskirchen mit einer Zusage in der Tasche verließ, hatte er nur eine ungefähre Ahnung, wie viel ihm das Unternehmen für seine Aufgaben im Bereich der Beschaffungslogistik zahlen würde.

Als er eine Woche später den Arbeitsvertrag vorliegen hatte, war Neumeier zufrieden: „Inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld verdiene ich rund 44 000 Euro im Jahr. Das ist eine tolle Basis“, sagt er.

Derzeit profitieren sehr viele Arbeitnehmer in Deutschland vom Wirtschaftswachstum. Nach der jahrelangen Flaute am Arbeitsmarkt stellen viele Unternehmen nicht nur wieder ein, sondern belohnen den Einsatz ihres Personals mit einem satten Plus beim Gehalt. „In jüngster Vergangenheit haben Arbeitgeber die Gehälter maximal um zwei bis 2,5 Prozent erhöht“, erklärt Christian Näser, Partner bei der Vergütungsberatung Kienbaum. „Jetzt zahlen sie im Durchschnitt zwischen drei und vier Prozent.“

Die neue Großzügigkeit kommt auch Hochschulabsolventen wie Lars Neumeier und jungen Nachwuchskräften zugute: Die Einstiegseinkommen liegen quer durch alle Positionen im Vergleich zum Vorjahr rund 1800 Euro pro Jahr höher. So konnten beispielsweise Einsteiger in der Forschung und Entwicklung im Jahr 2006 mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 43 000 Euro rechnen. 2007 kassieren sie bereits gut 44 900 Euro; für Neulinge im Personalwesen ist das durchschnittliche Jahresgehalt von 40 000 auf 41 800 Euro gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gehälter-Guide 2007, den das Magazin Junge Karriere des Holtzbrinck-Verlages, bei dem auch der Tagesspiegel erscheint, zusammen mit der Managementberatung Kienbaum jährlich neu ermittelt (siehe Kasten).

Die Chancen auf ein lukratives Einstiegsgehalt schätzt Kienbaum-Vergütungsspezialist Näser aktuell vor allem für Absolventen von naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen sehr gut ein: „Gerade in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Chemie und Pharmazie ziehen die Einkommen derzeit deutlich an.“ In Einzelfällen seien einige Unternehmen inzwischen sogar bereit, das Jahreseinkommen ihrer jungen Verfahrenstechniker, Chemiker oder Bauingenieure um mehr als die derzeit üblichen drei bis vier Prozent zu verbessern. Der Grund für die teilweise attraktiven finanziellen Angebote: Nahezu alle Unternehmen, die Ingenieure einstellen, spüren den Mangel an Technikern und Naturwissenschaftlern schon jetzt deutlich. „Unternehmen, die mit ihren Einstiegsgehältern nicht auf diese Situation reagieren, haben kaum Chancen, gut ausgebildeten Nachwuchs zu finden“, sagt Näser.

Von Einstiegsgehältern von mehr als 40 000 Euro können andere Hochschulabsolventen indes nur träumen. Bei Sozial- und Kulturwissenschaftlern, Pädagogen oder Volkswirten sind Unternehmen nicht sehr spendabel. „Ein Sprachwissenschaftler beispielsweise kann zu Anfang nur ein Jahresgehalt von etwa 30 000 Euro erwarten“, erläutert Heike Friedrichsen von der Vergütungsberatung Personalmarkt die großen Differenzen bei den Einstiegsgehältern für Absolventen.

Mit ähnlich niedrigen Gehältern wartet auch die Bundesrechtsanwaltskammer für ihre Klientel auf: Der durchschnittliche Verdienst von jungen Einzelanwälten liegt derzeit gerade einmal bei etwa 29 000 Euro. Ebbe in der Kasse herrscht auch bei jungen Architekten: Ihr Einstiegsgehalt liegt nur bei etwa 28 000 bis 30 000 Euro. Kienbaum-Experte Näser ergänzt, „speziell im Handel und der Finanzdienstleistungsbranche hat die gute Konjunktur bisher kaum Auswirkungen auf das Gehalt der Arbeitnehmer“.

Bewerber sollten die Kriterien kennen, nach denen Personaler die Höhe des Gehalts bemessen. Neben den gängigsten Aspekten wie Praktika, soziale Kompetenz oder bisherige individuelle Leistungen ziehen sie seit neuestem auch die Art des Abschlusses als Maßstab heran. „Grundsätzlich sind alle Studienwege in den Unternehmen willkommen“, sagt Personalmarkt-Expertin Friedrichsen. Sobald es jedoch um die Höhe des Gehalts geht, ist die Abschlussart entscheidend.

Absolventen, die einen Master in der Tasche haben, kommen nach Erhebungen der Vergütungsberatung Personalmarkt auf ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von knapp 40 000 Euro. Damit verdienen sie im Vergleich zu anderen Absolventen am besten, denn Bewerber mit einem Bachelor- oder Diplom-Abschluss erhalten im Durchschnitt nur rund 35 000 beziehungsweise 39 500 Euro. Nach ersten Erfahrungen bleiben diese Gehaltsunterschiede auch im weiteren Verlauf des Berufslebens bestehen – selbst wenn die FH- oder Bachelor-Kollegen in ihren Jobs Top-Leistungen bringen. Während die Lohntüte des Master-Absolventen nach zwei bis fünf Jahren im Job mit im Schnitt 49 800 Euro gefüllt ist, gehen auf die Konten der Nachwuchskräfte mit einem Bachelor- oder FH-Abschluss nur 40 000 beziehungsweise 42 000 Euro ein.

„Man muss einfach wissen, was der Jobmarkt hergibt. Natürlich ist man als Bewerber im Vorteil, wenn man durch diskretes Ausspionieren weiß, was das Unternehmen Einsteigern zahlt“, sagt der Karrierexperte Gerhard Winkler. Nachwuchskräfte sollten sich akribisch auf anstehende Gehaltsverhandlungen vorbereiten. „Oft versäumen es Berufseinsteiger und Young Professionals, ihr Jahreseinkommen auf 1000 Euro genau zu bestimmen und zu begründen“, sagt Winkler. In vielen Fällen scheuten sie auch davor zurück, ihre Forderungen mit fester Stimme vorzutragen. „Am wichtigsten ist es jedoch, den Gehaltswunsch aus den eigenen Verdiensten und dem eigenen Profil abzuleiten und sich nicht nur auf das marktübliche Gehalt zu berufen.“ Jungen Arbeitnehmern rät er, regelmäßig Mitarbeitergespräche zu führen.

Läuft es bei dem Arbeitgeber finanziell rund, darf der Nachwuchs in den ersten ein, zwei Jahren nach seinem Einstieg durchaus „mit jährlichen Gehaltssteigerungen von fünf bis sieben Prozent rechnen“, sagt Kienbaum-Partner Näser. Die Höhe dieses zusätzlichen Gehalts machen die Unternehmen seit einiger Zeit allerdings immer häufiger von dem persönlichen Einsatz und Engagement der Mitarbeiter abhängig. „Inzwischen erhält jeder fünfte Hochschulabsolvent, der bis zu zwei Jahren Berufserfahrung hat, einen variablen Gehaltsanteil“, sagt Friedrichsen. Nach mehr als zwei Jahren im Job wird schon knapp jeder dritte mit variablen Anteilen entlohnt. Wer nach zwei bis fünf Jahren immer noch von größeren Gehaltssprüngen träumt, kann sich seine finanziellen Wünsche normalerweise nur erfüllen, wenn er den Arbeitgeber wechselt.

Nicht immer jedoch müssen Nachwuchskräfte Gehaltserhöhungen mit Nachdruck einfordern – manchmal ergeben sie sich von selbst. So war beispielsweise für den Pfälzer Andreas Kamm durch seinen Entschluss, nach seinem BWL-Studium in Mannheim zu promovieren, automatisch ein Weg vorgezeichnet: Im Februar 2003 nahm der heute 34-Jährige für 1800 Euro Bruttogehalt im Monat eine Doktoranden-Stelle bei der BMW Group in München an. Als er den Doktortitel in der Tasche hatte, wechselte er im März vergangenen Jahres als Vorstandsreferent zum Baukonzern Bilfinger Berger.

Inzwischen ist Kamm seit knapp einem dreiviertel Jahr kaufmännischer Leiter der Bilfinger Berger Real Estate Management GmbH, einer Tochtergesellschaft des Konzerns. „Von meinem Anfangsgehalt bin ich inzwischen weit entfernt“, erzählt der Manager. Den genauen Betrag will er nicht nennen, aber angesichts seines Lächelns lässt sich erahnen, dass er mit seinen Gehaltssteigerungen der vergangenen zwei Jahre durchaus zufrieden ist. Kein Wunder, promovierte Hochschulabsolventen erhalten für ihren ersten Job ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von rund 47 000 Euro.

Mitarbeit: G. Lawecki, D. Fröhlich, K. Stricker; Beitrag aus dem Karriere-Magazin

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