Gründerinnen : Jetzt ist meine Zeit

Frauen, die sich selbstständig machen, zweifeln häufiger am Erfolg als Männer. Netzwerke beraten Unternehmerinnen - und machen ihnen Mut

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Endlich offen: Viele Frauen gründen aus Leidenschaft, verkaufen ihre Leistungen aber unter Wert. Foto: imago/Westend61
Endlich offen: Viele Frauen gründen aus Leidenschaft, verkaufen ihre Leistungen aber unter Wert.Foto: imago/Westend61

 

Sie brennen für ihr Projekt, das Produkt ist gut und sinnvoll. Doch warum bringt die Geschäftsidee kaum Geld ein? Eine Frage, die viele Unternehmerinnen umtreibt. Um selbstständige Frauen zu unterstützen, hat Tanja Lenke die Plattform „she-preneur“ gegründet. „Frauen fehlen oft die betriebswirtschaftlichen Grundlagen für ein erfolgreiches Unternehmen“, sagt sie. Es hake häufig an der Marktkenntnis, am Wissen über den Kundenkreis.

Ein Beispiel: Eine junge Unternehmerin will sich mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Tourismusbranche selbstständig machen. Für ihre mobile Reiseagentur wirbt sie auf Facebook, spricht Freunde und Bekannte an. Doch in Zeiten, in denen viele ihren Urlaub online selbst buchen, muss sie sich mit ihrem Angebot von anderen Anbietern deutlich unterscheiden. Spezialisierung statt breites Sortiment - dann hat sie mit ihrer Geschäftsidee eine Chance. Lenke analysiert mit ihr den Markt, überlegt, welche Zielgruppen Interesse haben könnten. Am Schluss steht der Plan, sich auf nachhaltige Reisen zu konzentrieren. Die Neu-Chefin will sich an Kunden wenden, die ökologische und soziale Ansprüche an ihren Urlaub stellen.

Rund jede dritte Firma wird von Frauen gegründet

„Frauen zweifeln viel häufiger“, sagt Lenke. „Männer stellen trotz Misserfolg ihr Geschäftsmodell nicht in Frage.“ Lenke will mit ihrer Plattform eine Lücke schließen. Sie will beraten, unterstützen und vernetzen. „Frauen brauchen Mut und Selbstbewusstsein. Wir können mehr, als wir denken.“

Laut Bundeswirtschaftsministerium starten jährlich bundesweit rund 300 000 neu gegründete gewerbliche Unternehmen. Nur etwa jede dritte Firma wird von Frauen gegründet. Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, ist für Frauen nicht leicht. „Viele bevorzugen eine vermeintlich sichere Festanstellung“, sagt Theresa Tarassova vom Bundesvorstand des Verbandes selbstständiger Frauen „Schöne Aussichten“. Hinzu kommt: In vielen männerdominierten Branchen, etwa technischen Berufen, ist der Kampf um Aufträge groß. Die meisten selbstständigen Frauen bieten Dienstleistungen an, sind als Beraterinnen, als Coach, als Mediatorin tätig. Sie arbeiten als Grafikdesignerin, als Architektin, als Heilpraktikerin oder organisieren Veranstaltungen. Vor allem, wenn die Kinder größer sind und die Familienphase abgeschlossen ist, wagen mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit.

Männer riskieren mehr - holen sich aber zu selten Hilfe

Vor 25 Jahren wurde Tarassovas Verband gegründet. Heute gibt es bundesweit Regionalgruppen, in denen Freiberuflerinnen sich unterstützen. „Viele sind Einzelkämpferinnen“, sagt sie. „Wir brauchen mehr gute Netzwerke.“ Ihr geht es nicht nur um den Austausch mit anderen Frauen. Wo bekomme ich Aufträge her? Wie vermarkte ich mich? Wie schultere ich die Altersvorsorge und die Steuererklärung? Tarassova trifft immer wieder auf Unternehmerinnen, die darauf keine Antworten haben. Doch im Gegensatz zu Männern holen sich Frauen die Hilfe, die sie brauchen. „Frauen geben eher zu, dass sie bestimmte Aspekte der Selbstständigkeit zu wenig kennen. Männer riskieren eher etwas und gehen davon aus, dass es irgendwie hinhaut.“

Dauerproblem bleibt das Geld. „Viele Frauen verkaufen ihre Leistungen unter Wert“, sagt sie. Um den Auftrag zu bekommen, lassen sich Unternehmerinnen häufig darauf ein, einen geringeren Preis für ihre Arbeit aufzurufen. „Dabei ist es doch ganz normal, dass Leistungen etwas kosten“, sagt Tarassova. Männer ließen ihren Preis nicht so leicht drücken. Sie wünscht sich, dass Frauen beim Thema Geld selbstbewusster auftreten. Der Verband unterstützt sie dabei, angemessene Honorarforderungen durchzusetzen.

Gründerinnen beantragen und erhalten deutlich seltener Kredite

Um Geld geht es nicht nur bei Aufträgen, sondern bereits vor der Gründung. Kredite von der Bank oder anderen Geldgebern beantragen und erhalten Frauen deutlich seltener als Männer. „Frauen wollen es alleine schaffen“, sagt Unternehmensberaterin Karin Kirschner. Als Kooperationspartnerin des Berliner Vereins Raupe und Schmetterling unterstützt sie Frauen beim Schritt in die Selbstständigkeit. „Der Fokus geht immer sehr stark auf den Einsatz der eigenen Ressourcen“, sagt Kirschner. Dahinter stecke oft eine „gesunde Portion Vorsicht“, aber auch die Sorge, die Familie mit der Geschäftsidee nicht belasten zu wollen. Die junge Unternehmerin mit Mitte zwanzig denkt dabei genauso wie die Mittfünfzigerin, die nach vielen Arbeitsjahren raus aus der Festanstellung will. Bevor Frauen durchstarten, planen sie jeden Schritt und versuchen, negative Entwicklungen mitzudenken. „Gute Planung ist wichtig“, sagt Kirschner. „Aber die Gefahr ist groß, sich zu breit aufzustellen.“

Ohne Unterstützung ist jeder Firmenstart schwierig. Auch die Behörden müssen einspringen, sagt Kirschner. „Allerdings ist die Förderung von Existenzgründung in den vergangenen Jahren zurückgegangen.“ Stattdessen setzen Förderprogramme verstärkt auf Start- ups und schnell wachsende Unternehmen. „Frauen, die gründen, sind nicht unbedingt auf schnelles Wachstum aus“, sagt Kirschner.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat nun die Förderbedingungen für Gründerstipendien und den Forschungstransfer verbessert. Laut Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) ist die Unterstützung für Frauen ein zentraler Punkt.

ANLAUFSTELLEN UND FÖRDERUNG

Die Expertinnen in der Gründerinnenzentrale bieten Seminare zu Fachthemen, geben eine erste Orientierung und vermitteln an Beratungsstellen.

Eine Anlaufstelle für Chefinnen ist die Frauengenossenschaft Weiberwirtschaft in Berlin.

Die Bundesregierung hat verschiedene Programme aufgelegt, um Gründerinnen und Gründer finanziell zu unterstützen.

Förderung für Gründerinnen und Gründer aus Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen gibt es über Exist.

Finanzierungstipps zu Mikrokreditfonds, High-Tech-Gründerfonds, Zuschüssen für Wagniskapital findet man auf den Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums.

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