Karriere : Guter Lohn, bessere Arbeit

Bezahlte Praktikanten sind motivierter

Ellen Köhrer

Von Praktikanten die nur kopieren und Kaffee kochen hält Steffi Saueracker wenig. Die Projektmanagerin bei der Berliner Beraterfirma co2online findet es unfair, wenn Firmen Praktika ausschreiben und kein Geld dafür bezahlen. „Ein Ausbeuterverhältnis bringt nichts, weder für den Praktikanten noch für das Unternehmen,“ weiß sie aus eigener Erfahrung, „ich habe selber während des Studiums schon unbezahlte Praktika gemacht.“

Dass die „Generation Praktikum“ niemandem nützt, meint auch der Saarbrücker BWL-Professor Christian Scholz. In einem Interview mit der Zeitschrift Neon erklärt er, dass sich unbezahlte Dauerpraktikanten negativ auf das Betriebsklima auswirken. Sie signalisierten den normalen Angestellten, dass auch ihr Arbeitsplatz in Zukunft durch Hungerlöhner ersetzt werden könnte. Außerdem verschlechtert es das Image eines Unternehmens, wenn Praktikanten ausgebeutet werden: Im Internet gibt es mittlerweile zahlreiche Foren, Praktikantenvereinigungen oder Gewerkschaften, die Erfahrungsberichte von gebeutelten Studenten veröffentlichen.

Die ersten Unternehmen schließen sich dieser Einschätzung an: Praktika seien ein Geben und Nehmen für beide Seiten, findet Steffi Saueracker. Junge, engagierte Praktikanten bringen neuen Schwung in die Firma – und stellen auch mal unbequeme Fragen. Für langjährige Mitarbeiter können sie inspirierend sein. Auf der anderen Seite nehmen Praktikanten Praxiswissen mit, lernen dazu, können herausfinden, ob ihnen die Tätigigkeit liegt und haben am Ende eine gute Referenz, weiß Saueracker.

Nach ihrem Biologie-Studium machte sie ein dreimonatiges Praktikum in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei co2online und hat an verschiedenen Projekten mitgearbeitet. „400 Euro bekam ich pauschal jeden Monat, inklusive zwei Urlaubstage – und am Ende ein Zeugnis wie es im Vertrag stand.“ Saueracker hatte Glück und wurde nach ihrem Praktikum vor drei Jahren übernommen.

Auch die Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft KPMG erklärt, auf ethische Maßstäbe gegen die Diskriminierung von Praktikanten zu achten. Sie ist eines der Gründungsmitglieder der Initiative „Fair Company“, die seit Herbst 2004 Unternehmen auszeichnet, bei denen Praktikanten echte Chancen haben. Überdurchschnittliche Bezahlung, ein Mentor, ein Feedbackgespräch am Ende des Praktikums und Unterstützung bei der Diplomarbeit seien für Ulf Hellert, Direktor Human Ressources, selbstverständlich. 1000 Euro verdienen die Praktikanten im Monat. Trotzdem befinden sich alle Schnupper-Mitarbeiter noch im Studium, „das macht das Kennenlernen für beide Seiten leichter.“ Wer sich bewährt, kann nach dem Studienabschluss mit einer Festanstellung rechnen.

So wie Andreas Raschka, der seit einem halben Jahr als angehender Wirtschaftsprüfer bei KPMG in München arbeitet. Er hat in Bamberg Betriebswirtschaft studiert und wollte im sechsten Semester wissen, ob der Beruf des Wirtschaftsprüfers etwas für ihn ist. In seinem dreimonatigen Praktikum konnte er Kollegen bei der Prüfung eines großen deutschen Fondsanbieters unterstützen – das hat ihm gefallen. KPMG gefielen seine Leistungen ebenfalls: Raschka wurde in das Nachwuchsförderprogramm „HighQ“ für die besten Praktikanten aufgenommen.

Ein fünfmonatiger Arbeitsaufenthalt in New York war die Belohnung für den motivierte Studenten. Im Big Apple half Raschka mit Finanzunternehmen zu prüfen. Wieder zurück machte er sich an die Diplomarbeit, bei der die Firma ihn mit einem Ansprechpartner und Literatur unterstützte. „Mit einem unbezahlten Praktikum wäre ich unzufrieden gewesen,“ sagt Raschke. Ellen Köhrer

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