Karriere : Hand in Hand an die Arbeit

Junge Mitarbeiter sind motiviert und kreativ. Ältere Kollegen bringen Lebenserfahrung mit. Altersgemischte Teams liegen daher im Trend

Katharina Schönwitz

Jung, flexibel und gut ausgebildet – mit diesen Qualitäten haben Bewerber meist die besten Voraussetzungen, einen Job zu finden. Schon mit vierzig Jahren zählen viele Arbeitnehmer zu den Greisen: Lediglich 55 Prozent der über Fünfzigjährigen sind noch berufstätig. Damit liegt Deutschland unter dem Durchschnitt der OECD-Saaten. Nicht nur gesundheitliche Gründe sind dafür verantwortlich: Ursache für die Arbeitslosigkeit ist der altersselektive Personalabbau. Wenn Entlassungen anstehen, müssen meist ältere Mitarbeiter gehen.

Die „Phoenix Contact GmbH“ für Elektrische Verbindungs- und Automatisierungstechnik im nordrhein-westfälischen Blomberg schätzt dagegen die Erfahrung älterer Kollegen. Im Mittelstandswettbewerb „Top Job“ wurde sie dafür zum Arbeitgeber des Jahres 2008 gewählt. „Phoenix zeigt sich im Personalmanagement außergewöhnlich zukunftsorientiert, besonders in der Vorbereitung auf den demografischen Wandel“, begründet Jurymitglied Silvia Dermitzel ihre Entscheidung. „Das 4500 Mitarbeiter starke Unternehmen setzt auf altersgemischte Teams. 15 Prozent der Neueinstellungen würden mit über 50-Jährigen besetzt.“ Daneben bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern Fitnessprogramme, Nichtraucherkurse und medizinische Checks an. Uwe Loof, ebenfalls Jurymitglied, sieht das Unternehmen sogar in einer Vorreiterrolle: „Phoenix Contact hebt sich von der breiten Masse mittelständischer Betriebe ab, die das Personalmanagement noch immer nicht als Erfolgsfaktor anerkennen und dementsprechend würdigen wollen.“

Doch auch in Berlin gibt es zahlreiche Unternehmen, die ältere Arbeitnehmer nicht nur als Belastung ansehen. So wie beim Elektromarkt „Saturn“ in Spandau. Die Altersspanne der 65 Mitarbeiter reicht von 17 bis 58 Jahren. „Wir legen besonderen Wert auf Kundenservice – darin sind ältere Mitarbeiter meist erfahrener", erklärt der Geschäftsführer Stefan Schneider. „Jüngere Kollegen nehmen viele Reklamationen einfach zu persönlich.“ Das Klischee, unter 40-Jährige würden automatisch mehr Ahnung von Technik haben, wiegelt Stefan Schneider schnell ab: Über ein Portal im Internet müssen sich alle Mitarbeiter über neue Entwicklungen informieren – ob jung oder alt.

Dennoch verteilen sich die Mitarbeiter in seinem Elektromarkt je nach Altersgruppe in unterschiedliche Abteilungen. Bei den „Weißgeräten“, also Kühlschränken, Backöfen und Küchenmaschinen sind die meisten Mitarbeiter über vierzig zu finden. „Aber auch bei den Fernsehern, Hifi-Anlagen und in der Foto-Abteilung werden sie von den Kunden geschätzt – sie kennen einfach mehr Details.“ Anders sieht es da schon bei Handys, Computerspielen und Konsolen aus. „Da ist bei den Jüngeren oft das Interesse größer. Somit fällt es vielen von ihnen auch leichter, sich in die Thematik einzuarbeiten.“ Bei den Einstellungsgesprächen zählt für Stefan Schneider dagegen nur eines: „Die Leistungsbereitschaft muss da sein und das Interesse.“

Bei der SRQ Finanzpartner AG an der Tauentzienstraße ist das Motto noch deutlicher. „Je älter desto besser“, sagt der Vorstandsvorsitzende Claus Quahl. 120 Vermögensberater kümmern sich um die Finanzen solventer Kunden. Bei Neueinstellungen wird stets darauf geachtet, dass junge Kollegen nicht Überhand nehmen. Wer unter dreißig ist, der hat bei der SRQ FinanzPartner AG sowieso keine Chance.

„Wenn ein Vermögensberater seit zwanzig Jahren im Geschäft ist, hat er vor allem eines: Erfahrung. Die kann ein 27-Jähriger mit Betriebswirtschaftsstudium und Harvard Abschluss nicht vorweisen“, sagt Quahl. Am meisten schätzt er die Besonnenheit älterer Kollegen. „Sie haben einfach die Gelassenheit und Ruhe. Jüngere Kollegen können schon mal hektisch werden, wenn die Börsenkurse fallen.“ Im vergangenen Jahr wurde ein Mitarbeiter eingestellt, der Jahrgang 1945 ist. Diesem „alten Hasen“ wurde ein Juniorberater an die Seite gestellt, der von den Erfahrungen seines Mentors profitiert – und nach dessen Ruhestand die bestehenden Kunden übernehmen kann. Doch auch die älteren Kollegen profitieren von der Teamarbeit. „Die Jüngeren kennen sich mit Informationstechnologien und Zertifikaten besser aus. Die Arbeit ist ein ständiges Geben und Nehmen.“

Dagmar Vogt von der „ib Vogt GmbH“ aus Tiergarten spricht generell lieber von Berufserfahrung als vom Alter. Sie ist die Geschäftsführerin des Ingenieur- und Projektmanagementunternehmens mit Schwerpunkt auf Fotovoltaik. Die Hälfte ihrer Mitarbeiter ist über vierzig Jahre alt. Auch sie schätzt deren größere Erfahrung und die Gelassenheit in kritischen Situationen. „Das wirkt sich auch gegenüber Kunden und Partnern aus: Ältere Mitarbeiter wirken in der Regel kompetenter und seriöser“, sagt Vogt. Viele ältere Kollegen sind dazu bereit, ihr Wissen weiterzugeben. Sie sind gute Lehrmeister für die jungen.

Doch auch jüngere Ingenieure haben ihre Vorzüge. „Die Hochschulabsolventen sind durch ihre Ausbildung auf dem neuesten Stand und wissen über moderne Methoden und Technologien Bescheid. Das bringt wichtige Impulse ins Unternehmen“, so Vogt. „Außerdem sind gerade Berufseinsteiger in der Regel hoch motiviert und voller Tatendrang, sie wollen sich im Arbeitsleben beweisen.“ Genau aus diesen Gründen gibt es viele altersgemischte Teams in ihrem Unternehmen. Auch für ältere Quereinsteiger ist die Geschäftsführerin offen: Bei einer Taxifahrt unterhielt sie sich mit dem Fahrer und stellte fest, dass er von Beruf Architekt ist. Mittlerweile ist er für die Gebäudeplanung von Fabriken mitverantwortlich. „Solche Menschen mit ungeraden Lebensläufen sind spannend und bringen neben der Berufserfahrung auch eine ganze Menge Lebenserfahrung mit ins Unternehmen.“

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