Hartz IV : Kurz-Seminare oft nutzlos

Bewerbungstrainings führen selten zu Jobs

Bewerbungstrainings bringen Hartz-IV- Empfängern in der Regel nichts. Das ergibt sich aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. „Im Schnitt haben solche Trainings keinen vorteilhaften Effekt auf die spätere Beschäftigungsquote“, sagte IAB-Experte Joachim Wolff. Das Institut hatte untersucht, ob Empfänger von Arbeitslosengeld II nach einem Bewerbungstraining eher einen regulären Job finden als ähnliche Arbeitslose ohne Training.

In Westdeutschland stieg die Beschäftigungsquote bei den Teilnehmern zwar leicht: Bei Männern wurde nach 28 Monaten ein Plus von 1,0 und bei Frauen von 1,7 Prozentpunkten verzeichnet. In Ostdeutschland war der Effekt aber negativ: Dort sanken die Werte um 0,4 (Männer) sowie 0,7 Prozentpunkte (Frauen).

Auch die Aussichten auf ein stabiles Arbeitsverhältnis steigen durch ein Bewerbungstraining in der Regel nicht. Im Gegenteil: Die Teilnehmer fanden im Schnitt sogar seltener als andere Hartz-IV-Empfänger innerhalb von 17 Monaten eine Beschäftigung, die mindestens zwölf Monate dauerte. So war die Bilanz für die Teilnehmer im Westen ein Nullsummenspiel: Bei Männern veränderte sich der Anteil der längerfristig Beschäftigten um 0,0 Prozentpunkte, bei Frauen ergab sich ein Minus von 0,1 Punkten. Im Osten sanken die Werte sogar um minus 2,9 Prozentpunkte bei den Männern und um minus 1,4 Prozentpunkte bei den Frauen.

Ein Grund dafür könne sein, dass die Schulungsinhalte womöglich zu wenig auf die Probleme der einzelnen Teilnehmer bei der Stellensuche zugeschnitten sind, sagte Wolff. So deuteten die Daten darauf hin, „dass da zum Teil Leute reingesteckt werden, die das nicht brauchen“. Denn ein Bewerbungstraining sei in erster Linie etwas für Arbeitslose, die noch nicht lange berufstätig waren. „Oder für diejenigen, die vorher zehn Jahre gearbeitet haben, dann hat sich unter Umständen viel geändert.“ Anderen Arbeitslosen bringt es nicht unbedingt etwas, das Verfassen von Lebensläufen zu üben.

Eine lohnende Alternative sind laut dem IAB dagegen betriebliche Trainings wie ein Praktikum. Sie erhöhen die Beschäftigungschancen von ALG-II-Empfängern deutlich. Verglichen mit ähnlichen Arbeitslosen ohne Training liegt die Beschäftigungsquote der Teilnehmer nach 28 Monaten bis zu rund 21 Prozentpunkte höher. Durch schulische Maßnahmen wie PC-Kurse verbessern sich die Chancen für einige Gruppen immerhin um gut vier Prozentpunkte.

Eine Praxisphase im Betrieb steigert auch die Aussicht auf eine mindestens zwölfmonatige Beschäftigung um bis zu rund 19 Prozentpunkte. Der Vorteil sei hier der direkte Kontakt zum potenziellen Arbeitgeber, erläutert Wolff. „Das ist natürlich die Chance, das Signal zu geben: Man ist jemand, der auf diesem Posten Leistung zeigen kann.“ Bisher werden aber nur rund ein Drittel der Trainingsmaßnahmen für Hartz-IV-Empfänger in Betrieben angeboten.dpa

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