Karriere : Heilen mit Hightech

In der Medizintechnik werden Experten gesucht – vom Ingenieur über den EDV-Fachmann bis zum Geräteprüfer

Anke Sprenger

Ob als Führungskraft eines Biotechnologieunternehmens oder als frisch gebackener Absolvent eines naturwissenschaftlichen Studiengangs: Interdisziplinäres Wissen wird in den Bereichen Chemie, Physik, Biologie und Medizin immer wichtiger. Wer mit den neuesten Entwicklungen aus verwandten Fachgebieten vertraut ist und sie in der eigenen Disziplin umsetzen kann, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Aufbaustudiengänge und Weiterbildungen vermitteln das nötige Fachwissen – nicht nur an Akademiker.

Life Sciences nennt sich die fächerübergreifende Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Biochemie, Biomedizin, Biophysik und Ingenieurswissenschaften. National und international stellen die „Lebenswissenschaften“ einen wichtigen Wirtschaftsfaktor – und eine enorme Wachstumsbranche – dar. „Naturwissenschaftliche Arbeitsbereiche mit interdisziplinärer Ausrichtung nehmen momentan stark an Bedeutung zu“, sagt Arnim Nethe, Professor für Elektrotechnik und Medizintechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus. „Spezialisierte und gut ausgebildete Fachkräfte sind jedoch rar.“

Beste Chancen also für Ingenieure, Mediziner und Naturwissenschaftler, die sich entsprechend weitergebildet haben. Die BTU Cottbus bietet zum Beispiel den Masterstudiengang „Biomedizinische Gerätetechnik – Biomedical Electronic Engineering“ an. Wer bereits ein ingenieur- oder naturwissenschaftliches Studium mitbringt, kann in dem Aufbaustudiengang lernen, wie man zusammen mit medizinischen Partnern neue Verfahren und Geräte zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten entwickelt.

„Nach einer aktuellen EU-Studie ist die Medizintechnik eine der zehn Spitzentechnologien des 21. Jahrhunderts“, sagt Arnim Nethe, „und damit ein prosperierender Hightech-Bereich mit großem Bedarf an spezialisierten Fachleuten.“

Die beruflichen Perspektiven seiner Absolventen schätzt der Studiengangleiter entsprechend gut ein. So können sie zum Beispiel in der medizintechnischen Industrie, der medizinischen und biologischen Forschung, in Behörden, Sachverständigen-Organisationen oder Kliniken tätig werden. Denn der Einsatz hochmoderner medizintechnischer Geräte ist nur unter ständiger Betreuung durch Ingenieure der Fachrichtung „Biomedizinische Technik“ möglich. Sie sind in den Krankenhäusern für Beschaffung, Wartung und Inbetriebnahme der Instrumente zuständig.

Wer sich parallel zum Job in den Bereichen Biotechnologie und Medizintechnik spezialisieren will, kann an der Universität Potsdam ein MBA-Programm mit dem Namen „BioMedTech“ belegen. Ingenieure, Naturwissenschaftler, aber auch Gründer und Führungskräfte aus der Branche erhalten in dem berufsbegleitenden Studiengang den letzten Schliff für das Management in Bio- und Medizintechnikunternehmen, erklärt Guido Reger, wissenschaftlicher Leiter des Programms. „Dazu werden betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, aber auch branchenspezifische Methoden und Ansätze vermittelt. Besonderen Wert legen wir auf eine enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis.“

Auch Produktentwicklung, Fertigung, Vermarktung und Unternehmensfinanzierung stehen auf dem Lehrplan. Außerdem geht es um die rechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen der Biotechnologie und Medizintechnik. Bewerber müssen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, ein Diplom oder einen vergleichbaren Abschluss sowie gute Englischkenntnisse mitbringen. Der nächste Durchgang startet am 1. März 2008; ein Einstieg ist aber auch unabhängig von diesem Termin möglich.

Neben Ingenieuren und Naturwissenschaftlern stehen auch medizinischen Fachkräften ohne Hochschulabschluss interessante Qualifizierungsmöglichkeiten offen. Eine davon ist die Weiterbildung zum medizinischen Kodier- und Dokumentationsassistenten, die die Tüv Akademie in Berlin Hohen Neuendorf anbietet. Der administrative Aufwand im stationären Versorgungsbereich sei in den letzten Jahren erheblich gestiegen, so der Bildungsträger. Laut einer Studie des deutschen Krankenhausinstituts aus dem Jahre 2002 würden bereits jetzt täglich drei bis vier Stunden der ärztlichen Arbeitszeit für Dokumentationszwecke benötigt – und das bedeute eine Verschwendung von Ressourcen, die sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses auswirke.

Die Lösung: Der lästige Papierkram wird mehr und mehr von Fachleuten, den medizinischen Dokumentationsassistenten, erledigt. Sie sorgen für einen reibungslosen Informationsfluss in allen Bereichen des Gesundheitswesens, erfassen medizinische Daten, erstellen und archivieren Krankenakten. Auch bei der Verschlüsselung von Patientendaten sowie der Erstellung und Präsentation von Statistiken wirken sie mit. Der berufsbegleitende Lehrgang der Tüv Akademie soll die Teilnehmer genau hierfür fit machen. Außerdem vermittelt der Kurs die relevanten gesetzlichen Grundlagen und führt in die Grundzüge der Medizintechnik ein.

Die Weiterbildung richtet sich vor allem an Menschen mit entsprechenden Vorkenntnissen: Krankenschwestern, medizinische Fachangestellte, Laborassistenten oder Mitarbeiter aus der Patientenverwaltung. Aber auch Quereinsteiger mit Abitur, Realschulabschluss oder gleichwertiger Qualifikationen können sich für den sechsmonatigen Kurs anmelden. Ein Einstieg ist noch bis zum 8. Januar 2008 möglich. Der Lehrgang kann von der Arbeitsagentur gefördert werden.

Von der elektronischen Datenverwaltung zur technischen Wartung: Medizinische Geräte müssen – wie alle anderen elektrischen Anlagen und Betriebsmittel – regelmäßig überprüft werden. So schreiben es die Unfallverhütungsvorschriften vor. Einen entsprechenden Kurs für Elektrofachkräfte bietet zum Beispiel die Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe an. In dem 16-stündigen Lehrgang, der in Berlin das nächste Mal am 29. und 30. Januar 2008 stattfindet, geht es neben rechtlichen Grundlagen und Arbeitsschutzbestimmungen vor allem um die Praxis, also um Prüfverfahren, -techniken und -geräte sowie die Auswertung der ermittelten Ergebnisse.

„Prüfung ortsansässiger Betriebsmittel und ausgewählter medizinischer Geräte“ lautet der Titel der Schulung. Sie richtet sich an Elektrofachkräfte aus Handwerk, Servicebetrieben, Kliniken oder anderen Unternehmen, die mit der Wartung elektrischer Anlagen betraut sind.

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