HIGHTECH Was in Berlin gefördert wird : Politik der kurzen Wege

Seit zehn Jahren unterstützt die Senatsverwaltung Zukunftsbranchen. Jetzt zeigen sich erste Erfolge

Henning Zander

Wenn es nach Jasdan Bernward Joerges geht, hätte er keinen besseren Standort für sein Unternehmen finden können. „Hier haben wir für die Produktion optimale Bedingungen“, sagt Joerges und meint damit den Standort Potsdam Babelsberg. Seit drei Jahren hat seine auf Handy-Videos spezialisierte Firma „Micro Movie Media“ hier seinen Sitz. Joerges schätzt vor allem die persönliche Atmosphäre in Potsdam. Auch die Nähe zu Berlin, wo viele seiner Kunden angesiedelt sind, sei ein Standortvorteil. „Es gibt in Berlin unglaublich viele Möglichkeiten, um Kontakte zu knüpfen“, sagt Joerges.

Vernetzung der wichtigsten Akteure in einer Branche – das ist das Ziel der Wirtschaftspolitik von Berlin und Brandenburg. Seit über zehn Jahren fördert die Berliner Senatsverwaltung daher gezielt Schwerpunktbranchen. Vor zwei Jahren veröffentlichte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) eine Innovationsstrategie für fünf Kompetenzfelder: Biotechnologie, Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie, Optische Technologie, Verkehrssystemtechnik. Durch eine gezielte Förderung dieser Branchen sollen so genannte Cluster entstehen.

Von Clustern spricht man dann, wenn ein Produkt in der Region sowohl entwickelt, als auch gefertigt und verkauft werden kann. Erfolgreiches Beispiel hierfür ist der Stuttgarter Raum mit einem engen Netz aus Autoherstellern und Zulieferern. Um solch ein Netz auch in Berlin aufzubauen, gibt es die Investitionsbank Berlin. Sie vergibt wichtige Fördermittel als Darlehen oder Zuschuss. In Wissenschaftsparks wie dem Biotechnologie-Campus Berlin-Buch werden somit günstiger Mietraum und wichtige Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

Das Projekt zeigt nun erste Erfolge. „Während die Umsätze und die Beschäftigungszahlen hinsichtlich der gesamten Berliner Industrie eher rückläufig sind, ist bei den Kompetenzfeldern das Gegenteil der Fall“, sagt Frauke Nippel von der Technologiestiftung Berlin. So wuchs die Zahl der Unternehmen in den Zukunftsbranchen nach einer Studie der Investitionsbank Berlin zwischen 2002 und 2005 um jährlich 4,1 Prozent, die Umsätze um durchschnittlich 7,8 Prozent.

Auch der Arbeitsmarkt zieht nun nach. So stieg 2006 etwa die Zahl der Beschäftigten in Biotechunternehmen im Vergleich zum Vorjahr um 210 Personen auf 3427. Ein Beispiel für die positive Entwicklung ist das Pharmaunternehmen Jerini. Dort vergrößerte sich die Belegschaft in den vergangenen drei Jahren von 80 auf heute knapp 150 Mitarbeiter. „Wir profitieren natürlich von der Ansiedlung weiterer Pharma- und Biotechunternehmen in der Region und von Berlin als Wissenschaftsstandort“, sagt Jerini-Sprecherin Stacy Wiedenmann. Eng arbeite man mit der Charité und anderen Forschungseinrichtungen zusammen.

„Das Kompetenzfeld Biotechnologie lebt von der Berliner Stärke auf dem Feld der medizinischen Biotechnologie“, sagt Thilo Spahl, Sprecher des Kompetenznetzwerkes Biotop Berlin-Brandenburg. Noch liegt der Schwerpunkt der Biotech-Unternehmen auf Forschung und Entwicklung von neuen Wirkstoffen für die Pharmabranche. Deshalb suchen die Unternehmen vor allem akademisches Personal, darunter Mediziner und Biochemiker. Aber auch medizinisch-technische Assistenten haben bei den High-Tech Unternehmen hervorragende Job-Aussichten.

Ein weiteres Kompetenzfeld der Berliner Wirtschaft ist die Verkehrssystemtechnik. Wichtige Zulieferer und Ingenieursgruppen haben sich in Berlin niedergelassen. Allen voran die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr mit mehr als 2600 Mitarbeitern weltweit. Sie entstand aus einer Kooperation der TU-Berlin und der Volkswagen AG. Auch in der Luft- und Raumfahrt kann die Hauptstadtregion punkten. Mehr als 2900 Menschen arbeiten derzeit für Rolls Royce in der Triebwerkproduktion in Dahlewitz. „Ausschlaggebend waren für die Wahl des Standortes die gut ausgebildeten Arbeitskräfte in der Region“, sagt Sprecherin Steffi Anders. Auch das gute Umfeld von Forschungseinrichtungen wirkt sich positiv auf den Standort aus. So befindet sich im nahgelegenen Wildau ein wichtiges Testzentrum für Triebwerksteile, das von der Firma Anecom Aerotest betrieben wird. „Kurze Wege sind wichtig für erfolgreiches Arbeiten“, sagt Steffi Anders. Daher suche man sich gezielt in nächster Umgebung Partner, die über entsprechende Fertigkeiten verfügten. Scheinbar mit Erfolg. Denn der Standort Dahlewitz wird ausgebaut. Im April wurde ein Operation Center eingerichtet, von dem aus Kunden in aller Welt betreut werden. Zudem werden seit 2005 Betriebsteile anstatt im englischen Derby nun in Dahlewitz hergestellt.

Ob die positiven Entwicklungen ausschließlich den Anstrengungen der Senatsverwaltung zu verdanken sind, ist nicht immer ganz deutlich. Thomas Becker vom Software-Unternehmen Init zum Beispiel arbeitet nicht mit der Technologiestiftung zusammen. Dennoch geht es seinem Unternehmen hervorragend. Anstatt sich auf Schützenhilfe der Politik zu verlassen, setzt er auf eigene Vernetzung. Innerhalb der vergangenen vier Jahre kletterte die Zahl seiner Mitarbeiter von 60 auf 130. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt Thomas Becker. Dasselbe gilt auch für die fünf Kompetenzfelder der Hauptstadt.

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