Karriere : Im Alter gut beraten

Weiterbildung zum Demografie-Experten

Deike Uhtenwoldt (dpa)

„Deutschland hat einen neuen Beruf erfunden: den Demografieberater“, titelte die französische Tageszeitung „Les Echos“ im Sommer. Aber das war übertrieben: Genau genommen ist es nur eine neue Qualifizierung für Berater, die Unternehmen helfen können, auf die Alterung der Gesellschaft zu reagieren.

   Der Unternehmensberater Hans-Jürgen Dorr aus Wuppertal gehörte vor zwei Jahren zu den ersten Teilnehmern der staatlich anerkannten und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierten Qualifizierung zum Demografieberater. Eine Woche lang befasste sich Dorr mit demografischen Fragestellungen und Daten seiner Region und erlernte das Handwerkszeug, wie Fragebogenerstellung oder Interviewtechnik.

   Demografieberater müssen sich mit Themen wie Weiterbildung vor allem älterer Arbeitnehmer genauso auskennen wie mit Mitarbeitermotivation oder der Suche nach Nachwuchskräften. Und sie brauchen Kenntnisse in Arbeitsplatzgestaltung und im betrieblichen Gesundheitsmanagement, erklärt Nadine Köttendorf. Sie müssen außerdem die spezifischen Bedingungen des Wandels in der jeweiligen Region erkennen und darstellen können.

   Für den Berater ist die Altersstrukturanalyse in einem Musterbetrieb ein wichtiger Bestandteil der Qualifizierung. „Daran kann man sehr effizient Probleme erkennen und Lösungen entwickeln.“ Dorr nennt dafür das Beispiel der Metoba Metalloberflächen GmbH in Lüdenscheid: Obwohl sie mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren über eine junge Belegschaft verfügt, holte sie sich den Demografieberater ins Haus. Denn die homogene Altersstruktur und die geringe Fluktuation bargen auch Gefahren: „Wie sieht es mit dem Wissensstand der Mitarbeiter und der Leistungsfähigkeit des Unternehmens in zehn Jahren aus?“, fragte der Geschäftsführer.

   Demografieberater unterstützen die Unternehmen dabei, auf solche Fragen Antworten zu finden und entdecken Problembereiche: „So mancher Betrieb musste nach der Demografieanalyse feststellen, dass er in zehn Jahren gar nicht mehr existieren könnte“, sagt Karl Kuhn. Für den wissenschaftlichen Leiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund besteht gerade in kleinen und mittleren Betrieben hoher Beratungsbedarf.

Deike Uhtenwoldt (dpa)

 Informationen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Friedrich-Henkel-Weg 1-25, 44149 Dortmund (Telefon: 0231/907 10, Internet: www.baua.de).

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