Karriere : Im Bilde

Wer sich als freier Fotograf Wirtschafts- und IT-Kenntnisse aneignet, verdient mehr

Annette Leyssner
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Neu positionieren. Die Arbeitsbedingungen für Fotografen haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, die Honorare sind...mike wolff

Heute zu Besuch bei isoliert lebenden Volksgruppen in der Ukraine, kommende Woche auf den Weg nach Thailand, um den Alltag von Demenzkranken zu dokumentieren: Diese Vielseitigkeit fasziniert viele am Beruf des Fotografen.

Allerdings: Der Blick fürs Detail, das Gespür, im richtigen Sekundenbruchteil den Auslöser zu betätigen – heute reicht dies nicht mehr, um ein Auskommen zu garantieren. „Man muss flexibel sein“, sagt die freie Fotografin Kathrin Harms. Nur mit einem Mix von „Brot-und-Butter“-Jobs und Liebhaberprojekten könne man überleben: Die 29-Jährige verdient ihr Geld zum Beispiel auch damit, Mitglieder großer Unternehmen für Firmenpublikationen abzulichten. „Das ist zwar künstlerisch nicht so anspruchsvoll, wird aber gut bezahlt“, sagt sie.

FREIBERUFLER IN DER KLEMME

„Dumping bei den Honoraren und Enteignung von Urheberrechten: In den vergangenen Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert“, sagt Lutz Fischmann, Geschäftsführer von Freelens, der nach eigenen Angaben größten Fotojournalistenvereinigung in Deutschland. Früher sei es üblich gewesen, dass die Bilder nur in der auftraggebenden Zeitschrift veröffentlicht werden. Dann konnten Fotografen nach einer Sperrfrist entscheiden, wem sie ihre Bilder zur Verfügung stellen. Doch in den vergangenen Jahren hätten zahlreiche Verlage ihren Fotografen neue Verträge vorgelegt, in denen sie sich mit einem einmaligen Honorar sämtliche Nutzungs- und Weiterverkaufsrechte sichern.

Zusätzlich spülen Werbe- und Medienkrisen ehemals fest angestellte Fotografen zurück auf den freien Markt. „Früher konnten viele Fotografen zum Beispiel bei Bildagenturen gutes Geld verdienen“, so Fischmann. „Aber ein Bildredakteur, der per Stichwort 100 gute Bilder im Netz findet, beauftragt keine Agentur.“ Doch auch wenn es Agenturen und Printmedien nicht gut gehe, würden noch nie so viele Bilder gebraucht wie heute: Firmen wollen schöne Webauftritte, Geschäftsberichte werden zunehmend aufwändig gestaltet.

WEITERBILDUNG ZAHLT SICH AUS

Mit Fähigkeiten in Sachen Bildbearbeitung verbessern Fotografen ihre Verdienstaussichten, sagt Ditmar Schädel, Experte für Aus- und Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Photographie. „Viele Auftraggeber erwarten, dass Fotografen die Bilder druckfertig vorbereitet anbieten. Da hat man bessere Chancen, Bilder zu verkaufen, als wenn man nur einen Abzug von einem Negativ hat.“ Ein Wachstumsbereich sei Computer-Imaging, das Erzeugen von Bildern am Computer. Dabei werden beispielsweise für die Werbekampagne eines Autoherstellers die Wagen nicht mehr in eine exotische Gegend gefahren, sondern digital in diese Landschaft eingefügt.

Seminare und Workshops bieten unter anderem Volkshochschulen an. Es gibt es eine Vielzahl von Seminaren zu Grafikprogrammen wie Photoshop, Paint Shop Pro und Corel PhotoPaint. Wie man digitale Fotos als Fotoshow gestaltet oder sein Bildarchiv zeitsparend organisiert, wird dort ebenfalls vermittelt.

NEUE VERMARKTUNGSWEGE

Durch die Erweiterung ihrer Fähigkeiten können Fotografen sowohl inhaltlich als auch finanziell gewinnen. Seminare, zum Beispiel von Freelens, geben Tipps für die Ergänzung von Fotografie durch Video- und Tonaufnahmen. Auf Webportalen wie Media Storm (www.mediastorm.org) oder Bombay Flying Club (www.bombayfc.com) präsentieren sich Fotografen mit Portfolios aus Bildern, Tonspuren und Videosequenzen.

Wer eher künstlerisch dazulernen will, sollte sich die Weiterbildungsangebote des traditionsreichen Lette-Vereins ansehen, der einen Schwerpunkt auf Fotodesign legt. In Abendkursen können zum Beispiel Kenntnisse über Schwarz-Weiß-Fotografie vertieft werden. Ein größeres Projekt planen, Kosten kalkulieren und Bilder vermarkten kann man in Seminaren des Vereins „Gesellschaft für humanistische Fotografie“ lernen.

FÖRDERUNG FÜR MEISTER

Seit 2004 kann sich jeder auch ohne Meisterprüfung „Fotograf“ nennen. Diese Entwicklung begrüßt Hans Starosta, Vorsitzender des Centralverbands Deutscher Berufsfotografen, nicht. Sie habe dazu geführt, dass sich in Deutschland über 10 000 teils wenig qualifizierte freie Fotografen um Aufträge Konkurrenz machen. „Aufgrund der neuen Meister-BaföG-Bestimmungen wäre jeder Fotograf gut beraten, die Meisterprüfung abzulegen, um die finanziellen Vorteile auszuschöpfen“, rät auch Heide Schumann, Geschäftsführerin der Fotografen-Innung Focon. Sie bietet ab Februar 2010 kompakte Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung im Fotografenhandwerk an.

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