Karriere : Im Hörsaal spielt die Musik

Ob als Kunsttherapeut oder Theaterpädagoge: Wer nach dem Studium das Lernen nicht aufgibt, kann eine Nische finden

Tina-Marlu Kramhöller
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Als Schauspieler wilde Verfolgungsjagden zwischen Polizei und Verbrecher nachstellen, auf Opernbühnen Arien singen oder erfolgreich eigene Gemälde verkaufen. Das sind die Traumberufe vieler Absolventen künstlerischer Studiengänge – die oft ein Traum bleiben. Viele diplomierte Künstler verdienen ihre Brötchen nicht mit großen Auftritten oder Ausstellungen, sondern mit kleinen Engagements und Gelegenheitsjobs. Wer sich nicht mit Kellnern oder Taxifahren über Wasser halten will, für den könnte eine Weiterbildung der richtige Weg sein.

Wie man geeignete Kurse findet, weiß Andreas Reinhardt, geschäftsführender Vorstand von „Kontinuum“. Die Gesellschaft für Organisationsentwicklung und Personalberatung in Berlin bietet Hochschulabsolventen kostenlose Hilfe an – von der Suche nach Seminaren bis zum Start in den neuen Job.

„Ein erheblicher Teil der Leute hat gar kein Ziel und ist relativ orientierungslos“, sagt der Berufsberater. Absolventen sollten jedoch nicht nur ihr Studium, sondern auch die bisherigen Erfahrungen aus Nebenjobs in die Berufswahl mit einbeziehen. Eine Sängerin, die ihr Studium als Messe-Hostess finanziert hat, könnte durch eine Weiterbildung zur Eventmanagerin ihre Kenntnisse miteinander verknüpfen. Ein Schauspieler, der während des Studiums Kurse im Bereich Psychodrama belegt hat, könnte mit einer Weiterbildung zum Mediator richtig liegen.

Neben der Auswahl der passenden Weiterbildung bei einem seriösen Anbieter – etwa über die Weiterbildungsdatenbank Berlin (www.wdb-suchportal.de) – sollte aber auch der Bedarf am Arbeitsmarkt geprüft werden. Neben der Recherche auf dem Stellenmarkt ist es ratsam, Kontakt zu Unternehmen zu suchen. „So können Sie direkt testen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind, und ihre wichtigsten Fragen stellen“, sagt Andreas Reinhardt. Idealerweise ruft man zwischen 17 und 19 Uhr in kleineren Unternehmen an. „Dann ist die Sekretärin daheim und der Chef vielleicht in Feierabendstimmung und hat Zeit zu plaudern.“

Wer jedoch zunächst nach Kursideen sucht, findet hier einige Anregungen.

FÜR MUSIKER

Absolventen einer musikalischen Ausbildung können sich zum Beispiel für den therapeutischen Bereich fortbilden: Die Universität der Künste Berlin bietet einen sechssemestrigen Teilzeit-Studiengang zum Musiktherapeuten mit Master-Abschluss an. Dieser ist in verschiedene Module gegliedert, die in Intensivwochen oder Wochenendblöcken stattfinden. Der Lehrgang kostet 300 Euro pro Monat. Einsatzgebiete eines Musiktherapeuten liegen in Kliniken, vor allem in kurativen und präventiven Bereichen sowie in der Rehabilitation.

An der Berliner Akademie Campus Naturalis wird ein nicht-akademischer Lehrgang angeboten, der 22 Monate dauert. Vorausgesetzt wird die Beherrschung mindestens eines Instrumentes. Neben Grundlagen der Musiktherapie und Alchemie werden auch Kenntnisse der musikalischen Früherziehung und Musikpädagogik sowie in Anamnese und Diagnose vermittelt. Am Ende stehen eine Abschlussarbeit und ein Kolloquium. Die Ausbildungsgebühren liegen bei rund 10 000 Euro. Eine Förderung ist über die Deutsche Rentenversicherung und die Arbeitsagentur ist möglich.

Wer eher ins Musikgeschäft einsteigen will, hat an der Business Akademie für Medien, Event und Kultur (Ebam) die Möglichkeit, einen vierwöchigen Lehrgang zum „Music Business Manager“ zu absolvieren. Vermittelt wird Fachwissen in den Bereichen Konzertveranstaltung, Booking, Sponsoring und Existenzgründung in der Musikwirtschaft. Der Lehrgang wird mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung beendet. Die Kosten liegen bei 2580 Euro. Der Ebam-Abschluss ist staatlich nicht anerkannt.

FÜR SCHAUSPIELER UND TÄNZER

Für Schauspieler und Tänzer könnte der Pädagogikbereich eine berufliche Alternative sein. Ein Masterstudium Theaterpädagogik in vier Semestern bietet die Universität der Künste Berlin an. Die Weiterbildung konzentriert sich auf die Bereiche Körper-Bewegung-Stimme, szenisches Arbeiten, Improvisation und Spielleitung. Die Studierenden qualifizieren sich als Spielleiter für das Amateurtheater, können beispielsweise an Volkshochschulen unterrichten.

Rund 21 Monate dauert die Fortbildung zum Tanz- und Ausdruckstherapeuten an der Akademie Campus Naturalis. Vermittelt werden unter anderem Methoden der Tanztherapie, Grundlagen der Psychoanalyse und Therapieplanung. Die Kosten liegen bei rund 10 000 Euro.

Die Fortbildung zum Sound- und Videodesigner an der Berliner Cimdata Medienakademie richtet sich an alle, die im Bereich Film, Fernsehen oder Werbung arbeiten möchten. In bis zu 12 Modulen werden hier Fertigkeiten aus den Bereichen digitaler Videoschnitt, Bildbearbeitung, 3D-Animation, Webdesign und digitale Soundbearbeitung, aber auch Kostenmanagement vermittelt.

FÜR BILDENDE KÜNSTLER

Auch bildende Künstler haben verschiedene Möglichkeiten der Weiterqualifikation. Die Kunsthochschule Weißensee und die Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin etwa bietet eine Weiterbildung im Fachbereich Kunsttherapie an. Diese spezielle Psychotherapieform wird in psychiatrischen Kliniken oder Abteilungen, in psychosozialen Diensten und in ambulanten Praxen angewendet. Der Studiengang wird berufsbegleitend innerhalb von drei Jahren durchgeführt, die Studiengebühren liegen bei rund 8000 Euro.

Der postgraduale Studiengang „Art in Context“ wird von der Universität der Künste angeboten und richtet sich an Künstler, die mit kulturellen Institutionen wie Museen oder in den Medien arbeiten wollen. Der Studiengang kann in Vollzeit in vier Semestern oder berufsbegleitend in sechs Semestern absolviert werden und ist gebührenfrei.

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