Immobilienwirtschaft : Hoch hinaus

Kaufleute und Akademiker haben Chancen in der Immobilienwirtschaft – denn die erweist sich in Berlin als krisenfest

Günter Bartsch
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Stabile Verhältnisse. In der City-West wird das „Zoofenster“-Hochhaus mit einem Luxushotel der Marke Waldorf-Astoria neu gebaut...

Die Immobilienbranche bietet gute Chancen für Quereinsteiger – selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise. Zumindest in Berlin und Potsdam ist ein Einbruch auf den Immobilienmärkten ausgeblieben, wie kürzlich das Marktforschungsinstitut Bulwien Gesa in einer Studie feststellte. Das macht sich auch bei den Jobs in der Branche bemerkbar: Der Arbeitsmarkt sei „relativ stabil und von der Krise nicht so stark betroffen wie andere Bereiche“, so Ina Gorzolka, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Berlin-Mitte.

VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN EINSTIEG

Quereinsteiger hätten in der Immobilienwirtschaft generell gute Chancen, wenn sie über umfangreiche Kenntnisse im kaufmännischen Bereich verfügten, so Gorzolka. Von Vorteil sei daher eine kaufmännische Ausbildung. Noch besser seien die Chancen für diejenigen, die darüber hinaus über die rechtlichen Grundlagen Bescheid wüssten. Daher seien Weiterbildungen auf diesem Gebiet empfehlenswert.

Seminare zum Mietrecht lassen sich über das „Kursnet“ der Arbeitsagentur finden. So bietet etwa die Haufe Akademie einen zweitägigen Grundlagen-Kurs an, in dem es um Verträge, Mietvertragsklauseln, Mängel, Instandhaltung und anderes mehr geht. Eine weitere Schulung wird zum Wohneigentumsrecht angeboten, die Verwaltungs- und Rechtswissen auf diesem Gebiet vermitteln soll. Teilnehmen können Mitarbeiter aus Verwaltungsgesellschaften, Betreuer von Immobilienanlagen oder Immobilienmakler. Das nächste Grundlagenseminar in Berlin findet im Januar 2010 statt. Immobilienprofis, die sich lediglich für neueste Rechtsänderungen interessieren, können auch einen eintägigen Kurs wählen. Die Kosten liegen zwischen 490 und 860 Euro.

FACHWISSEN UND STUDIUM

Allzu leicht sollte man sich den Wechsel in die Branche allerdings nicht vorstellen, betont Martina Heger, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Berliner BBA-Akademie der Immobilienwirtschaft: „Die Branche ist anspruchsvoll.“ Auf höherer Ebene komme man ohne spezielles Fachwissen nicht weiter, in den Bereichen Controlling, Asset- und Portfoliomanagement gehe es kaum ohne Hochschulabschluss. Ohne Studium habe man dort Chancen, wo die Themen miteinander verwandt seien. Ein Bankangestellter könne durchaus als Sachbearbeiter im Bereich Finanzierung tätig werden. Gerade Führungskräfte seien stark nachgefragt – zumal das Durchschnittsalter in vielen Unternehmen hoch sei: „In den kommenden Jahren werden viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Und nicht jedes Unternehmen wird es schaffen, den Nachwuchs selbst heranzuziehen.“

MASTER IN IMMOBILIENWIRTSCHAFT

Die Akademie selbst bietet zusammen mit der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft ein dreisemestriges MBA-Studium in „Real Estate Management“ an. Dabei handelt es sich um ein berufsbegleitendes Studium mit jeweils zehntägigen Präsenzphasen und Unterrichtsblöcken am Wochenende. Der Lehrplan enthält etwa die Grundlagen des Managements, des Wirtschafts- und Unternehmensrechts, der Rechnungslegung und der Besteuerung. Daneben gibt es unter anderem Module zur Immobilienbewertung, zum Projektmanagement und zu Fondskonzepten.

Einschreiben können sich Absolventen aus den Bereichen Architektur, Ingenieurswissenschaften und Wirtschaft. Der nächste Lehrgang beginnt im April 2010. Doch: Wer sich für dieses Programm entscheidet, muss tief in die Geldbörse greifen. Rund 4500 Euro kostet das Studium pro Semester. Angestellte sollten sich daher bei ihrem Chef über einen möglichen Zuschuss informieren.

VERKAUFSTALENT UND TEAMARBEIT

Ohne soziale Kompetenz geht in der Immobilienbranche kaum etwas: „Eine der wichtigsten Fertigkeiten, die ein Bewerber mitbringen sollte, ist sicherlich Verkaufstalent“, sagt Ina Gorzolka von der Arbeitsagentur. Laut Martina Heger ist Kommunikationsfähigkeit unabdingbar – immer mehr komme es neben der Fachkompetenz auf Fähigkeiten in der Team- und Projektarbeit an.

Zur Kommunikation gehören auch Sprachkenntnisse: Beim BBW Bildungswerk der Wirtschaft etwa gibt es einen zweimonatigen Abendkurs in „English for Real Estate“, dessen Teilnehmer das englische Fachvokabular für die Immobilienbranche erlernen wollen.

AUSSICHTEN IN DER REGION

Offene Stellen gibt es laut Gorzolka in der Region derzeit vor allem direkt in Berlin. David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, relativiert die Hoffnungen für jene Unternehmen, in denen die Wohnungsvermietung im Mittelpunkt steht: Dort sei das Angebot an freien Stellen „nicht so groß“. In den vergangenen Jahren seien die Wohnungsverwaltungen „verschlankt“, also Arbeitsplätze abgebaut worden. 2008 waren es mit gut 9500 Beschäftigten in den Mitgliedsunternehmen 300 weniger als 2007. In einigen Bereichen wie dem Vermietungsservice würden jetzt aber in mehreren Unternehmen wieder Stellen geschaffen.

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