INTERNATIONALE ORGANISATIONEN Was Bewerber brauchen : Von Berlin in die Welt

Wer bei der EU, Uno oder der OECD Karriere machen will, sollte mobil sein, studiert haben und zwei Fremdsprachen beherrschen – dafür winken ein gutes Gehalt und ein spannender Job

Peter Disch

Seine erste Stelle bei der Europäischen Kommission trat Gerhard Sabathil 1984 an. 20 000 Interessenten haben sich damals auf 150 Stellen beworben. Der promovierte Volkswirt und Historiker war einer der wenigen, die den Zuschlag bekamen. Seine Laufbahn begann bei der Generaldirektion Wettbewerb in Brüssel, er war damit betraut, in den EU-Vertretungen in Prag und Oslo die Auslandsbeziehungen der Institution zu pflegen. 20 Jahre arbeitete Sabathil im Ausland. Seit 2004 nun leitet er in Berlin die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. „Ich freue mich, wieder im Land zu sein“, sagt der 53-Jährige. Als Botschafter der EU vertritt er vor Ort die Politik Brüssels, begleitet EU-Kommissare, die Berlin besuchen, oder hält in Sprechstunden den Kontakt zu den Bürgern.

Neben der EU haben sieben staatliche, internationale Organisationen ein Büro in Berlin. Das Welternährungsprogramm (WFP) und das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Internationale Organisation für Migration (IOM), die EU-Kommission, die Weltbank und die Arabische Liga sind mit Außenstellen in der deutschen Hauptstadt vertreten.

„Die Möglichkeiten, seine Karriere bei einer dieser Einrichtungen in Berlin zu starten, sind aber sehr begrenzt“, sagt Brita Wagener. Sie ist beim Auswärtigen Amt (AA) Koordinatorin für Internationale Personalpolitik. Die Berliner Büros seien sehr klein, die Anforderungen für eine Tätigkeit bei internationalen Organisationen allgemein hoch und die Bewerber müssten nicht nur mobil sein, sondern sich auch gegen die in langen Schlangen anstehenden Konkurrenten durchsetzen.

„Momentan läuft die Auswahl für 125 höhere Beamtenstellen im Bereich Information, Kommunikation und Medien“, berichtet zum Beispiel der EU-Vertreter Sabathil: „Europaweit haben sich 15 000 Interessenten gemeldet“. Die Stellen sind für viele ein Traumjob – und außerdem finanziell reizvoll.

Die deutsche Regierung hat durchaus ein politisches Interesse daran, dass Deutsche in den Organisationen vertreten sind. „Politische Entscheidungen werden zunehmend in internationalen Organisationen vorbereitet. Deshalb ist es wichtig, nicht nur in den Gremien, sondern auch dort präsent zu sein, wo die Konzepte entstehen“, sagt die AA-Koordinatorin Wagener. Immerhin verfügen die internationalen Organisationen über 60 000 reguläre Arbeitsplätze, die dem höheren Dienst hierzulande entsprechen. 5400 Deutsche sind dort beschäftigt. Die Tendenz ist steigend, 1998 noch waren es nur 3400. Besonders bei der Europäischen Union und den Vereinten Nationen gibt es viele deutsche Mitarbeiter. Bei der OECD, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der European Space Agency (ESA) sind es aber nach den Vorstellungen der Regierung noch zu wenige.

Um die Chancen hiesiger Bewerber auf die internationalen Jobs zu erhöhen, wurde im Jahr 2000 Wageners Stelle eingerichtet. Außerdem sind auf dem Gebiet noch das „Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen“ (BFIO) der Arbeitsagentur in Bonn und das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze tätig, das Wahlbeobachter und Teilnehmer an Friedensmissionen vorbereitet. Das Auswärtige Amt und das BFIO konzentrieren ihre Bemühungen auf Akademiker – zumal ein Hochschulabschluss bei vielen internationalen Organisationen Grundvoraussetzung für Bewerber ist.

Gute Chancen zum Beispiel bei der Europäischen Union hat, wer flexibel, weltoffen, tolerant und anpassungsfähig ist, sagt Gerhard Sabathil. Semester und Praktika im Ausland sowie internationale Berufserfahrung seien aber unabdingbar. Direkt von der Uni komme man nur schwer an eine Stelle. Durch die EU-Erweiterung werden besonders in neuen Mitgliedsstaaten Mitarbeiter gesucht. „Zur Zeit ist die ideale Aspirantin eine junge Bulgarin, die viele Sprachen spricht.“

Über die Aussichten von Bewerbern entscheiden nicht zuletzt die spezifischen Anforderungsprofile ausgeschriebener Jobs. Deutsche hätten im Allgemeinen gute Chancen, da sie oft gut ausgebildet seien. Ein „Geheimtipp“ für Interessenten sei das Europa-Kolleg in Brügge, das Studium dort werde auf die Beamtenlaufbahn bei der EU zugeschnitten. Ein Einstieg ist vor dem 35. Geburtstag empfehlenswert, sagt Sabathil, auch wenn die Altersgrenze abgeschafft wurde.

Auslandserfahrung, Berufspraxis, zwei Fremdsprachen fließend in Wort und Schrift, interkulturelle Kompetenz – vieles was bei der EU Standard ist, setzen auch andere internationale Organisationen voraus, sagt Brita Wagener vom Auswärtigen Amt. „Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen oder Ethnologie zu studieren ist zwar eine gute Vorbereitung, häufig kommt es aber auf spezielle Vorkenntnisse und Erfahrungen an, die auf das jeweilige Stellenprofil passen“. Gerade auch Naturwissenschaftler, Mediziner oder Ingenieure hätten für entsprechende Posten gute Karten.

Wer es dann endlich geschafft hat, kann sich auf das erste Gehalt freuen. Bei der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit zum Beispiel verdient ein Beamter mit der Einstufung A 4 (das entspricht der deutschen BAT-Stufe A 15) 6401,41 Euro. Ein verheirateter Berufsanfänger bei den Vereinten Nationen kommt auf 4600 bis 5600 Dollar. Der steinige Weg in den Job kann sich also finanziell lohnen – vom unbezahlbaren Reiz, sich auf internationalem Parkett zu bewegen und mit Kollegen aus aller Welt zu arbeiten, ganz zu schweigen.

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