Job-Interview : Vorsicht, Falle!

Fangfragen sind in Job-Interviews beliebt. Personaler versuchen, Bewerbern entlarvende Antworten zu entlocken. Wie Sie sich auf die gängigsten Fangfrage-Typen vorbereiten

Claudia Obmann
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Nicht verwirren lassen. Personaler versuchen, mit Frageketten die Merkfähigkeit zu testen. Antworten Sie auf das, was Ihnen am...

Alternative Frage



Warum möchten Sie sich denn beruflich verändern: Entspricht das jetzige Gehalt nicht Ihren Vorstellungen oder reizt Sie das internationale Umfeld bei uns?



Darum geht''s: Der Personaler will Ihre Überzeugungen aufspüren – und er sucht keinen Mitarbeiter, der nur durch ein hohes Gehalt zu motivieren ist. Aber: Weder die eine noch die andere angebotene Antwort muss die Sachlage tatsächlich treffen. Vermutlich gibt es zahlreiche weitere Gründe für einen Arbeitgeberwechsel. Nennen Sie also lieber einen, der sich mit dem Bedarf des neuen Arbeitgebers deckt und der sich vielleicht sogar von Ihnen konkret fassen lässt.

Clevere Antwort: „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit meiner jetzigen Stelle. Mein Einsatz bei der Firma x hat gezeigt, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand ist in meinem Team um 15 Prozent gesunken und die Fluktuation hat sich bei drei Prozent eingependelt. Ich suche nun nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann, und wünsche mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst noch weiterentwickeln kann.“


Hyptothetische Frage

Welchen alternativen Lebensplan können Sie sich für sich vorstellen?

Darum geht''s: Der Personaler checkt, ob der Job für Sie womöglich nur eine Übergangslösung ist.

Clevere Antwort: „Ich bin in einer sehr spannenden Branche tätig und mir sicher, dass ich auf einer Position mit persönlicher Entwicklungsperspektive wie Sie sie bieten, langfristig viel positiv bewegen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Ein alternativer Lebensplan ist daher in meinen Augen unnötig.“


Mehrfachfragen

Als Außendienstmitarbeiter leiden Sie sicher nicht unter Flugangst, oder? Wie Sie wissen, legen wir besonderen Wert auf Flexibilität. Sehen Sie Probleme, auch die nordischen Länder zu betreuen? Oder würden Sie aufgrund Ihrer Sprachkenntnisse lieber die Betreuung unserer südamerikanischen Kunden übernehmen?

Darum geht''s: Uff. Nicht verwirren lassen. Solche Frageketten erfordern von Ihnen hohe Konzentration und stellen Ihre Merkfähigkeit auf die Probe.

Clevere Antwort: Beschränken Sie sich auf die Beantwortung von Teilfragen und gehen Sie nur auf den Aspekt ein, auf den Sie am besten vorbereitet sind.


Provokante Frage

Es gibt Gerüchte, dass Ihr derzeitiger Arbeitgeber wirtschaftliche Probleme hat. Wollen Sie also schnell das sinkende Schiff verlassen?

Darum geht''s: Der Personaler möchte Sie aus der Reserve locken, um Ihre Frustrationstoleranz und Ihre Loyalität zu prüfen. Wer beleidigt oder aggressiv reagiert, hat verloren!

Clevere Antwort: „Sie wissen ja, dass in jeder Branche gern über Wettbewerber geredet wird. Ich persönlich kann nichts Schlechtes über meinen bisherigen Arbeitgeber sagen. Und seien wir einmal ehrlich: Wenn ich das täte, würde mich das doch aus charakterlichen Gründen für die Aufgabe in Ihrem Haus disqualifizieren.“


Frage zur Selbsteinschätzung

Bewerten Sie sich auf einer Skala von eins bis zehn.

Darum geht''s: Der Personaler will, dass der Bewerber sein Selbstbewusstsein und seine Selbstachtung unter Beweis stellt. Achtung: Sagen Sie zehn, werden Sie als unerträglich eingestuft, bleiben Sie unter sieben, können Sie sich auch verabschieden. Es wird ihnen dann fehlendes Selbstbewusstsein bescheinigt.

Clevere Antwort: Am besten mit acht oder neun einstufen und hinzufügen: „Es gibt immer Raum für Verbesserungen. Daher arbeite ich kontinuierlich an der Erweiterung meiner Fähigkeiten.“ Das ist eine günstige Gelegenheit, um auf die aktuellste Fortbildung zu verweisen.


Situative Frage

Beschreiben Sie eine Situation, in der Ihre Arbeit oder eine Ihrer Ideen kritisiert wurde.

Darum geht''s: Der Personalmanager will Ihre Erfahrung und Ihre Kritikfähigkeit ausloten. Auf gar keinen Fall schlechte Arbeit schildern, lieber die Anekdote zu einer schlechten Idee erzählen.

Clevere Antwort: Beginnen Sie mit „Es schien damals eine ganz gute Idee zu sein …“, und zum Schluss erläutern Sie, wie Sie die Kritik aufnahmen. Sie könnten zum Beispiel sagen: „Ich hörte den Einwänden meines Chefs aufmerksam zu, stellte noch einige Nachfragen. Gemeinsam spielten wir einige Ansätze durch, und ich kam später zurück und unterbreitete meine Idee in einer praxisnäheren Form. Die Kritik meines Vorgesetzten war sehr nützlich für das Projekt.“


Spiegelfrage

Ich habe den Eindruck, dass es neben Ihrem Wunsch nach einem internationalen Umfeld zwischenmenschliche Gründe gibt, die Sie zu einem Jobwechsel veranlassen. Habe ich Recht?

Darum geht''s: Der Personaler spiegelt den Eindruck, den er von Ihnen gewonnen hat, und erhofft sich eine Bestätigung oder Widerlegung. Aber Obacht, einen notorischen Nörgler oder Nestbeschmutzer will er nicht in seine Firma holen.

Clevere Antwort: „Verbessern lässt sich immer etwas, das gilt auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Das Wichtigste ist aber, so denke ich, dass man auf sachlicher Ebene gemeinsam daran arbeitet, gesteckte Ziele zu erreichen.“


Suggestivfrage

Sie arbeiten doch lieber im Team, wie die meisten anderen auch, oder?

Darum geht''s: Diese Art der Frage ist eine getarnte Vermutung und scheint praktischerweise die Antwort gleich mitzuliefern. Doch Vorsicht: Man tappt sehr leicht in die Mainstream-Falle. Erst prüfen, welche Arbeitsweise die jeweilige Stelle erfordert.

Clevere Antwort: „Das hängt ganz von der Aufgabenstellung ab. Manche Ziele lassen sich wie beim Sport nur in einer gemeinsamen Anstrengung erreichen, indem man sich gegenseitig den Ball zuwirft. Dann wiederum gibt es Aufgaben, die man schneller und besser allein bewältigt. Das ist eine Frage der Selbstmotivation und Disziplin.“


Unterschiedsfrage

Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern?

Darum geht''s: Der Personaler will wissen, ob Sie über ein realistisches Bild des neuen Jobs verfügen. Hier dem Gesprächspartner unbedingt eine für ihn wertvolle Eigenschaft für den zu besetzenden Posten servieren.

Clevere Antwort: „Ich halte meine Kommunikationsfähigkeit für überdurchschnittlich ausgeprägt. Und ich kann Menschen begeistern. Beides ist für den ausgeschriebenen Job von enormem Vorteil. Denn ich begegne Kunden nicht nur fachlich auf Augenhöhe, ich schaffe es dadurch auch, überdurchschnittliche Geschäftsabschlüsse zu erzielen.“


Triadische Frage

Wie würde Ihr Lebenspartner Ihre größte Schwäche beschreiben?

Darum geht''s: Hier werden nicht anwesende Dritte wie Partner, Freunde, Kollegen oder Vorgesetzte in das Gespräch einbezogen. Das Ziel: Der Personaler will Charakterzüge kennenlernen, wie die Fähigkeit zur Selbstkritik und die, eine Beziehung zu führen.

Clevere Antwort: „Das ist eine gute Frage. Mein Partner würde wahrscheinlich sagen, dass ich manchmal sehr direkt sein kann. Das stimmt auch, denn ich bringe die Dinge gern auf den Punkt. Ich habe mir aber angewöhnt, mehr zu hinterfragen und anderen mehr Zeit zu geben.“

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“

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