Jobchancen : Nicht ohne meinen Laptop

Wer jetzt eine Ausbildung beginnt, hat nach dem Abschluss beste Chancen auf einen Job. Die Krise sei dann längst vergessen, sagen Experten – und geben Tipps, wie man sich für die Branche fit macht.

Achim Fehrenbach
289647_3_xio-fcmsimage-20090724150902-006000-4a69b26e38ad5.heprodimagesfotos812320090726dscf7931.jpg
Schnell gefunden. Nach dem Studium ist François Wurmus als Software-Entwickler bei der Firma Infopark eingestiegen.Foto: Kai-Uwe...Kai-Uwe Heinrich tsp

François Wurmus sitzt vor dem Laptop und blickt auf Befehlskolonnen, die sich auf dem Bildschirm eng aneinanderreihen. Die Magnettafel an der Wand hängt voller handbeschriebener Notizen für das Software-Projekt, an dem er gerade arbeitet. „Es gibt viel zu tun“, sagt der 24-Jährige. Er ist Mitarbeiter der mittelständischen Softwarefirma Infopark im Süden von Berlin. Durch die breite Fensterfront im zweiten Stock guckt die Sonne herein. Von seinem Arbeitsplatz aus, kann er das Grün einer Baumreihe sehen.

Wurmus hat seinen Job bei Infopark vor zwei Jahren über eine Online-Börse gefunden. Er hatte an der „Beuth-Hochschule für Technik Berlin“, die damals noch Technische Fachhochschule Berlin hieß, seinen Abschluss gemacht und musste nicht lange suchen. Damals war es noch relativ leicht unterzukommen. Es gab viele offene Stellen. Doch werden die Absolventen in Zukunft ähnlich gute Jobchancen haben? Kann man mit einer Ausbildung im IT-Bereich noch sicher sein, später auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen?

Zwar hat die Krise auch bei den IT-Unternehmen Spuren hinterlassen, räumt Stephan Pfisterer vom Branchenverband Bitkom ein: „Ein Drittel der Firmen denkt über Entlassungen nach, ein Drittel expandiert weiter, ein Drittel wartet ab.“ Doch er ist optimistisch. Wer jetzt mit einer Ausbildung beginne, für den arbeite die Zeit: „Am Ende des Studiums wird von dieser Krise niemand mehr sprechen.“

Außerdem ist Berlin mit seinen vielen kleinen und mittelständischen Software-Häusern und Agenturen ohnehin krisenfester als Regionen mit großen Hardware-Unternehmen, sagt Pfisterer. Auch wenn der IT-Fachkräftebedarf leicht zurückgegangen sei, würden in ein paar Jahren wieder vermehrt IT-Fachleute gesucht, ist er sicher. Denn: Die geburtenschwachen Jahrgänge werden sich dann auf dem Arbeitsmarkt auswirken – und die IT-Fachleute der ersten Generation bald in Rente gehen.

Der IT-Markt kennt vielfältige Berufsbilder: Neben dem Software-Entwickler werden besonders Systemadministratoren gesucht, IT-Sicherheitsmanager, Datenbank-Architekten und Support-Spezialisten. Der Weg in den Job führt oft über ein Informatik-Studium: Laut einer Studie des Finanz- und Versicherungsconsulters PPI wird in 67 Prozent aller IT-Stellenanzeigen ein Informatik-Studium gefordert. Personalverantwortliche schätzen an dem Studiengang vor allem die Breite der vermittelten IT-Grundlagen.

Gefragt ist es inzwischen auch, wenn Bewerber dazu eine abgeschlossene Berufsausbildung, etwa eine Banklehre, vorweisen können. Auch „Bindestrich-Informatiker“ wie Absolventen der Wirtschafts- oder Medieninformatik stehen hoch im Kurs. Duale Studiengänge wiederum werden wegen ihres hohen Praxisanteils geschätzt: Mehrmonatige Praktika und eine praxisbezogene Abschlussprüfung sind hier Teil des Lehrplans.

Gerade in Berlin gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich für die IT-Branche zu qualifizieren. Man kann sowohl an der Technischen Universität (TU) als auch an der Freien Uni und auch der Humboldt-Uni Informatik studieren. Außerdem haben mehrere Fachhochschulen, Privathochschulen und Berufsakademien das Fach im Programm. Man kann zwischen verschiedenen spezifischen IT-Studiengängen wählen oder sich in den sechs von der Industrie- und Handelskammer geprüften IT-Ausbildungen für die Branche qualifizieren: Schulabgänger können etwa „Fachinformatiker Systemintegration“ oder „IT-Systemkaufmann“ werden.

François Wurmus hat „Communication Systems“ studiert. Eigentlich qualifiziert das duale Studium zum Elektrotechnik-Ingenieur. Dass er heute als Software-Entwickler arbeitet, ist aber nicht ungewöhnlich, sagt Wurmus. Informatik gehöre schließlich zur Ausbildung dazu.

Mit einem IT-Abschluss sei es jedoch längst nicht getan. „Das Studium vermittelt bestenfalls theoretische Grundlagen und Arbeitsmethoden. Und man lernt ein paar Leute kennen. Aber auf einen Beruf spezialisiert ist man damit noch lange nicht“, ist seine Erfahrung. Um die Vertiefung der Kenntnisse hat er sich selbst gekümmert. Er lernte weitere Programmiersprachen und informierte sich im Internet über das, „was gerade aktuell war“.

Hardware und Programmiersprachen entwickeln sich so rasant, dass es viel Eigeninitiative braucht, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. „Weiterbildung ist das Überlebenselixier der Generation IT“, sagt die Karriereberaterin und Autorin Svenja Hofert. Bei François'' Arbeitgeber Infopark sind zwei Tage im Monat für Fortbildungen und gemeinsame Workshops reserviert. Ständiger Wissensaustausch ist Teil der Unternehmenskultur.

„Die IT-Branche bietet für Freie enorme Möglichkeiten“, glaubt Dennis Kersten von der Firma „Voip-go BIC“. Das Unternehmen bietet Linux-basierte Telefonanlagen an und hat sich mit sieben kleineren und mittelständischen IT-Firmen am Neuköllner Weigandufer zum „Büro 2.0“ zusammengeschlossen. „Man sollte versuchen, sich in einem Marktsegment zu spezialisieren, etwa in einer Programmiersprache oder einem Betriebssystem“, rät er. Kaufmännisches Denken, Eigenverantwortung und Flexibilität seien für die Auftraggeber ebenfalls sehr wichtig – diese Eigenschaften würden in universitären Informatik-Studiengängen jedoch nur unzureichend gefördert.

Voll des Lobes ist Kersten für seine zwei Werkstudenten vom Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) in Potsdam. „Der Praxisbezug dort ist viel höher als etwa an der TU“, lobt er. Auch Helga Krüger, Geschäftsführerin beim Internet-Provider http.net setzt auf Praxiskenntnisse: „Am liebsten nehmen wir Bewerber von Fachhochschulen, weil die Unis sehr theoretisch sind“, sagt sie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben