KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Habe ich mit Baby Teilzeitanspruch?

an Anja Mengel

Ich bin Pressesprecherin und Leiterin Unternehmenskommunikation für ein großes Unternehmen. Nun erwarte ich mein erstes Kind und möchte nach einer Pause von drei Monaten nach der Geburt in Teilzeit weiterarbeiten. Was muss ich beachten und kann ich nach meiner Rückkehr meinen alten Arbeitsplatz beanspruchen?

Das kommt auf den Einzelfall an. Eltern haben nach dem Bundeselterngeldgesetz (BEEG) Anspruch auf Elternzeit, also Ruhendstellung des Arbeitsverhältnisses bis zu einer Höchstdauer von drei Jahren nach der Geburt des Kindes: Auf Antrag der Arbeitnehmerin kann die Arbeit also über den Mutterschutzzeitraum von gewöhnlich acht Wochen nach der Geburt weit hinaus unterbrochen werden.

Der Arbeitnehmer, der Elternzeit beanspruchen will (Mutter oder Vater), muss den gewünschten Zeitraum spätestens sieben Wochen vor Beginn schriftlich beantragen. Außerdem muss er festlegen, wie viel Elternzeit er in den nächsten zwei Jahren und eventuell darüber hinaus zu beanspruchen gedenkt. Die ersten zwei Elternzeitjahre müssen bis zum zweiten Geburtstag des Kindes genommen werden, andernfalls verfallen sie.

Überdies hat der Arbeitnehmer in der Elternzeit Anspruch auf Teilzeittätigkeit von höchstens 30 Stunden pro Woche – wenn der Arbeitgeber zustimmt. Doch: Das muss er üblicherweise, falls dem Antrag keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. Problematisch kann Teilzeit aber zum Beispiel in Führungspositionen sein. Führungskräfte müssen der Geschäftsleitung zu den Geschäftszeiten und darüber hinaus oft jederzeit zur Verfügung stehen. Auch die Teilung einer derartigen Position ist in der Regel schwer möglich. Dies gilt umso mehr in Leitungspositionen mit vielen Außenkontakten wie bei einer Unternehmenssprecherin.

Daher lehnt der Arbeitgeber hier den Antrag auf Teilzeit während der Elternzeit möglicherweise ab und entscheidet sich dafür, der Arbeitnehmerin nach der Rückkehr aus der (kurzen ersten) Elternzeitphase nicht mehr die bisherige Position zuzuweisen, sondern nur eine vergleichbare. Denn: Arbeitnehmer haben entsprechend allgemeiner vertraglicher Regeln nach der Rückkehr aus der Elternzeit keinen Anspruch auf ihren bisherigen Arbeitsplatz: Der Arbeitgeber darf sie im Rahmen seines allgemeinen Weisungsrechts auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz versetzen. Je nach Einzelfall muss er sie sogar versetzen: Es gibt Urteile, die einen Anspruch des Arbeitnehmers auf Versetzung erklären, wenn sich nur so die Elternzeit ermöglichen lässt. Foto: Promo

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